Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Im Palast der Nacktmulle

23.02.2009
Das Tier sieht aus wie ein frischgeborener, noch nackter und blinder Hamster.

Doch es ist ein Nacktmull und er ist schon zehn Jahre alt. Diese kuriosen Geschöpfe leben in den Halbwüsten Afrikas und können bis zu 25 Jahre alt werden.

Sie haben für Säugetiere eine sehr ungewöhnliche Lebensform: Ihre unterirdischen Kolonien sind ähnlich wie ein Insektenstaat um eine einzige fortpflanzungsfähige Königin herum organisiert. Die übrigen Tiere sind Arbeiter und Soldaten. Seit September gibt es eine solche Kolonie mit 19 Tieren am Berliner Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW).

Den Bau im IZW mussten die Nacktmulle nicht selber graben, bei ihrem Einzug im September 2008 stand ihnen ein komfortables Gangsystem mit mehreren Kammern aus Plexiglas zur Verfügung. Soldaten, die in der freien Natur den Eingang des Baus gegen Feinde bewachen, sind im IZW nicht nötig. Die Arbeiter haben jedoch viel zu tun: Sie krabbeln geschäftig übereinander und untereinander, dabei geht es rückwärts genau so schnell wie vorwärts. Sie transportieren Unmengen von Einstreu und Papiertüchern sowie Futter zwischen den Kammern hin und her, um den Bau immer wieder neu einzurichten. Jede Kammer hat eine genau festgelegte Funktion, wie Vorratskammer, Schlafkammer, WC. Die Belegung ändert sich jedoch von Zeit zu Zeit.

"Die Königin hat den attraktivsten Job", sagt Dr. Thomas Hildebrandt. Sie ist etwas größer und heller als ihre Untertanen und daher leicht zu erkennen. Die Königin schützt sich vor Konkurrentinnen, indem sie über den Urin einen Botenstoff absondert, der bei den anderen Weibchen die Fruchtbarkeit unterdrückt. Stirbt die Königin, gibt es eine Palastrevolution: Eines der Weibchen kann nun den Thron besteigen. Doch darum wird erbittert gekämpft, wobei es auch Tote gibt. Die Siegerin nimmt nun die Merkmale der Königin an. Wenn der Staat in dieser Krise nicht zugrunde geht, dauert es etwa ein halbes Jahr, bis die neue Königin fortpflanzungsfähig ist. Die Königin im IZW ist aber noch uneingeschränkte Herrscherin, sie hat bisher einmal fünf Junge geworfen.

Die Fortpflanzung ist es auch, was die IZW-Wissenschaftler an den Nacktmullen besonders interessiert. Dr. Thomas Hildebrandt, Leiter des Projekts, erklärt warum: "Bislang wurde allgemein angenommen, dass die Verteilung von männlichen und weiblichen Nachkommen bei Säugetieren völliger Zufall ist. Wir vermuten jedoch, dass die Männchen das Geschlecht beeinflussen, indem sie mehr Spermien eines Geschlechts produzieren. Für die Kolonie sind in der Regel mehr weibliche Nachkommen ein Vorteil, weil sie als Arbeiterinnen der Gemeinschaft mehr nützen als Männchen." Wenn die Kolonie in einer anderen Situation mehr Männchen benötigt, verändert sich die Zusammensetzung der Spermien zugunsten der Männchen, so die Vermutung der Wissenschaftler. Dieses Prinzip könnte dann nicht nur bei Nacktmullen, sondern auch bei anderen Säugetieren gelten.

Kontakt:
Dr. Thomas Hildebrandt
Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung
Tel.: (030) 5168-220
hildebrandt@izw-berlin.de
Steven Seet
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: (030) 5168-718
seet@izw-berlin.de

Gesine Wiemer | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.izw-berlin.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Licht zur Herstellung energiereicher Chemikalien nutzen
22.05.2018 | Friedrich-Schiller-Universität Jena

nachricht Junger Embryo verspeist gefährliche Zelle
22.05.2018 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

Passt eine ultrakalte Wolke aus zehntausenden Rubidium-Atomen in ein einzelnes Riesenatom? Forscherinnen und Forschern am 5. Physikalischen Institut der Universität Stuttgart ist dies erstmals gelungen. Sie zeigten einen ganz neuen Ansatz, die Wechselwirkung von geladenen Kernen mit neutralen Atomen bei weitaus niedrigeren Temperaturen zu untersuchen, als es bisher möglich war. Dies könnte einen wichtigen Schritt darstellen, um in Zukunft quantenmechanische Effekte in der Atom-Ion Wechselwirkung zu studieren. Das renommierte Fachjournal Physical Review Letters und das populärwissenschaftliche Begleitjournal Physics berichteten darüber.*)

In dem Experiment regten die Forscherinnen und Forscher ein Elektron eines einzelnen Atoms in einem Bose-Einstein-Kondensat mit Laserstrahlen in einen riesigen...

Im Focus: Algorithmen für die Leberchirurgie – weltweit sicherer operieren

Die Leber durchlaufen vier komplex verwobene Gefäßsysteme. Die chirurgische Entfernung von Tumoren ist daher oft eine schwierige Aufgabe. Das Fraunhofer-Institut für Bildgestützte Medizin MEVIS hat Algorithmen entwickelt, die die Bilddaten von Patienten analysieren und chirurgische Risiken berechnen. Leberkrebsoperationen werden damit besser planbar und sicherer.

Jährlich erkranken weltweit 750.000 Menschen neu an Leberkrebs, viele weitere entwickeln Lebermetastasen aufgrund anderer Krebserkrankungen. Ein chirurgischer...

Im Focus: Positronen leuchten besser

Leuchtstoffe werden schon lange benutzt, im Alltag zum Beispiel im Bildschirm von Fernsehgeräten oder in PC-Monitoren, in der Wissenschaft zum Untersuchen von Plasmen, Teilchen- oder Antiteilchenstrahlen. Gleich ob Teilchen oder Antiteilchen – treffen sie auf einen Leuchtstoff auf, regen sie ihn zum Lumineszieren an. Unbekannt war jedoch bisher, dass die Lichtausbeute mit Elektronen wesentlich niedriger ist als mit Positronen, ihren Antiteilchen. Dies hat Dr. Eve Stenson im Max-Planck-Institut für Plasmaphysik (IPP) in Garching und Greifswald jetzt beim Vorbereiten von Experimenten mit Materie-Antimaterie-Plasmen entdeckt.

„Wäre Antimaterie nicht so schwierig herzustellen, könnte man auf eine Ära hochleuchtender Niederspannungs-Displays hoffen, in der die Leuchtschirme nicht von...

Im Focus: Erklärung für rätselhafte Quantenoszillationen gefunden

Sogenannte Quanten-Vielteilchen-„Scars“ lassen Quantensysteme länger außerhalb des Gleichgewichtszustandes verweilen. Studie wurde in Nature Physics veröffentlicht

Forschern der Harvard Universität und des MIT war es vor kurzem gelungen, eine Rekordzahl von 53 Atomen einzufangen und ihren Quantenzustand einzeln zu...

Im Focus: Explanation for puzzling quantum oscillations has been found

So-called quantum many-body scars allow quantum systems to stay out of equilibrium much longer, explaining experiment | Study published in Nature Physics

Recently, researchers from Harvard and MIT succeeded in trapping a record 53 atoms and individually controlling their quantum state, realizing what is called a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

„Data Science“ – Theorie und Anwendung: Internationale Tagung unter Leitung der Uni Paderborn

18.05.2018 | Veranstaltungen

Visual-Computing an Bord der MS Wissenschaft

17.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Bose-Einstein-Kondensat im Riesenatom - Universität Stuttgart untersucht exotisches Quantenobjekt

18.05.2018 | Physik Astronomie

Countdown für Kilogramm, Kelvin und Co.

18.05.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics