Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ozeanversauerung verändert klimarelevante Funktionen in der obersten Mikroschicht

11.11.2014

Ozeanversauerung kann klimarelevante Funktionen verändern, die in der obersten Schicht des Ozeans ablaufen, erklärt eine Gruppe von Wissenschaftlern im Fachmagazin “Journal of Geophysical Research: Oceans”.

Laut einer Studie, die unter Leitung des GEOMAR Helmholtz Zentrum für Ozeanforschung Kiel stattfand, spiegelt die Chemie in der obersten Mikroschicht biologische Prozesse aus der darunterliegenden Wassersäule.


Mit einer Plexiglasplatte gewinnen Wissenschaftler Proben aus der Wasseroberfläche der Mesokosmen.

Foto: Sonja Endres, GEOMAR

Die Veränderungen könnten Wechselwirkungen zwischen Ozean und Atmosphäre beeinflussen, etwa den Austausch von Gasen oder die Emission von Gischt-Aerosolen, die Sonnenstrahlen streuen oder zur Wolkenbildung beitragen können.

Wie eine Haut trennt die oberste Mikroschicht das Meer von der Atmosphäre. Mit dem Austausch von Gasen und der Freisetzung von Aerosolen aus der Gischt laufen hier gleich zwei Prozesse ab, die unser Klima maßgeblich mitbestimmen.

Während eines Mesokosmen-Experiments beobachteten Wissenschaftler des GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, des Alfred Wegener Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) und des Leibniz-Instituts für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) zum ersten Mal, wie der Ozeanwandel die speziellen physikalischen, chemischen und biologischen Eigenschaften dieses Biofilms verändern kann.

Ihre Ergebnisse beschreiben die Forscher im Fachmagazin „Journal of Geophysical Research: Oceans“. Erstautorin ist Dr. Luisa Galgani, die die Studie als Teil ihrer Doktorarbeit am GEOMAR und am AWI durchführte.

„Viele Experimente haben bereits gezeigt, wie Ozeanversauerung – eine Veränderung in der Ozeanchemie, die durch die Aufnahme menschengemachten Kohlendioxids ausgelöst wird – das Wachstum und die Effizienz mariner Bakterien und das Absinken kohlenstoffhaltiger Partikel beeinflusst“, fasst Dr. Luisa Galgani zusammen.

„Wir wissen, dass sich in der obersten Mikroschicht das selbe organische Material und die selben Mikroorganismen ansammeln, die auch in der Wassersäule darunter zu finden sind. Darum hatten wir erwartet, dass die Mikroschicht Veränderungen wiederspiegelt, die im Zuge der Ozeanversauerung in der Wassersäule stattfinden. Die Prozesse in diesem Mikromilieu zu verstehen ist wichtig, weil sie Auswirkungen auf unser Klima haben können.“

Um die Folgen der Ozeanversauerung zu untersuchen, simulierten die Wissenschaftler verschiedene zukünftige Szenarien in den KOSMOS Mesokosmen (KOSMOS: Kiel Off-Shore Mesocosms for future Ocean Simulations), die sie im Raunefjord in Norwegen platziert hatten. Die neun Schwimmkonstruktionen, von denen jede 75.000 Liter Meerwasser isoliert, wurden auf verschiedene Kohlendioxid-Niveaus gebracht, die für die kommenden Jahrzehnte und Jahrhunderte erwartet werden. Einen Monat lang beprobte das Team um Dr. Galgani die Wasseroberfläche in sechs Mesokosmen mit einer Plexiglasplatte.

Analysen der Proben belegten die Hypothese, dass die organischen Verbindungen an der obersten Mikroschicht die Entwicklung in der Wassersäule abbilden. Außerdem war bei höheren Kohlendioxid-Konzentrationen mehr Bakterioneuston zu finden, marine Bakterien, die an der Wasseroberfläche leben. Die saureren Bedingungen förderten Veränderungen in der Dynamik von organischem Material. Vor allem eiweißhaltige marine Gelpartikel blieben kleiner; sie waren jedoch häufiger vorhanden und dienten als Nährsubstrat. Mikroorganismen waren in größerer Zahl vertreten und konnten das organische Material, das während der Planktonblüte entstand, effizienter umsetzen.

„Aus früheren Studien wissen wir, dass zusätzliches Kohlendioxid marine Bakterien stimuliert“, erklärt Dr. Galgani. „Angesichts unserer Beobachtungen nehmen wir jetzt an, dass dieser Effekt sehr bedeutsam werden kann: Er kann bedeuten, dass Teile des Lebens im Ozean positiv auf die Aufnahme von Kohlendioxid aus der Atmosphäre reagieren – indem der Stoffwechsel der Mikroben an der Grenzschicht zwischen Luft und Wasser angeregt wird.“

Ein gesteigerter bakterieller Abbau könnte auch die organische Zusammensetzung neu entstehender Gischt-Partikel stark beeinflussen. Von ihrer Komposition hängt ab, inwiefern sie als marine Aerosole mit dem Klimasystem interagieren können. Über den Beitrag der marinen Aerosole zum Klima ist noch immer wenig bekannt.

„Wir sind noch weit davon entfernt, zu verstehen, in welcher Weise der Ozean Bausteine für die Wolkenbildung liefert“, betont Prof. Dr. Anja Engel, Leiterin der Gruppe Mikrobielle Biogeochemie am GEOMAR. „Dennoch sind wir davon überzeugt, dass diese Studie uns einen deutlichen Schritt weitergebracht hat. Wir haben uns zum Ziel gesetzt, die Struktur und die Dynamik in der Grenzschicht zwischen Luft und Wasser genauer zu untersuchen. Dann können wir auch besser abschätzen, wie sich die Wechselwirkungen zwischen dem Ozean und der Atmosphäre in der Hoch-CO2-Welt gestalten.“

Die Arbeiten wurden durch die vom Bundesminsterium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekte SOPRAN (Surface Ocean Processes in the Anthropocene) und BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification) unterstützt und fließen in das internationale Projekt SOLAS (Surface Ocean - Lower Atmosphere Study) ein.

Originalpublikation:
Galgani, L., Stolle. C., Endres, S., Schulz, K. G., Engel, A. (2014), Effects of ocean acidification on the biogenic composition of the seasurface microlayer: Results from a mesocosm study, J. Geophys. Res. Oceans, 119, doi:10.1002/2014JC010188.

Bildmaterial:
Unter www.geomar.de/n2157 steht Bildmaterial zum Download bereit. Video-Footage auf Anfrage.

Ansprechpartner:
Prof. Dr. Anja Engel (GEOMAR FB2/BI) Tel. 0431 600-1510, aengel@geomar.de
Maike Nicolai (GEOMAR Kommunikation & Medien) Tel. 0431 600-2807, mnicolai@geomar.de


Weitere Informationen:

http://www.geomar.de  GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.bioacid.de  BIOACID (Biological Impacts of Ocean Acidification)
http://sopran.pangaea.de  SOPRAN (Surface Ocean Processes in the Anthropocene)
http://www.solas-int.org  SOLAS (Surface Ocean - Lower Atmosphere Study)
http://www.awi.de  Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung
http://www.io-warnemuende.de  Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde

Dr. Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Intelligente Systeme

nachricht Der lange Irrweg der ADP Ribosylierung
26.04.2018 | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Why we need erasable MRI scans

New technology could allow an MRI contrast agent to 'blink off,' helping doctors diagnose disease

Magnetic resonance imaging, or MRI, is a widely used medical tool for taking pictures of the insides of our body. One way to make MRI scans easier to read is...

Im Focus: Fraunhofer ISE und teamtechnik bringen leitfähiges Kleben für Siliciumsolarzellen zu Industriereife

Das Kleben der Zellverbinder von Hocheffizienz-Solarzellen im industriellen Maßstab ist laut dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE und dem Anlagenhersteller teamtechnik marktreif. Als Ergebnis des gemeinsamen Forschungsprojekts »KleVer« ist die Klebetechnologie inzwischen so weit ausgereift, dass sie als alternative Verschaltungstechnologie zum weit verbreiteten Weichlöten angewendet werden kann. Durch die im Vergleich zum Löten wesentlich niedrigeren Prozesstemperaturen können vor allem temperatursensitive Hocheffizienzzellen schonend und materialsparend verschaltet werden.

Dabei ist der Durchsatz in der industriellen Produktion nur geringfügig niedriger als beim Verlöten der Zellen. Die Zuverlässigkeit der Klebeverbindung wurde...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Konferenz »Encoding Cultures. Leben mit intelligenten Maschinen« | 27. & 28.04.2018 ZKM | Karlsruhe

26.04.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zur Marktentwicklung von Gigabitnetzen in Deutschland

26.04.2018 | Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Weltrekord an der Uni Paderborn: Optische Datenübertragung mit 128 Gigabits pro Sekunde

26.04.2018 | Informationstechnologie

Multifunktionaler Mikroschwimmer transportiert Fracht und zerstört sich selbst

26.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Berner Mars-Kamera liefert erste farbige Bilder vom Mars

26.04.2018 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics