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Ornithologie - Treue Männer bringen keine Blumen

20.05.2009
Von extremer Untreue zu absoluter Treue ist nur ein minimaler evolutionärer Prozess nötig, wie Ornithologen an Australiens Staffelschwänzen belegen konnten

Diese Singvogelgattung ist berüchtigt für außereheliche Partnerschaften: Obwohl sie anscheinend in harmonischen Paarbeziehungen leben, sind die meisten Nachkommen von anderen Männchen.


Ein Purpurkopf-Staffelschwanzmännchen, das als absolut treu gilt. Doug Adams/Australian Wildlife Conservancy

Inmitten dieser Gattung haben Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Freiburg nun einen sehr treuen Vertreter gefunden, den Purpurkopf-Staffelschwanz. Die bei Männchen anderer Staffelschwanzarten zahlreichen Anpassungen fürs Fremdgehen sind bei dieser Art verloren gegangen. Die Forscher zeigten, dass nahverwandte Arten mit ähnlicher Lebensweise sich stark in dem Grad der Partnertreue unterscheiden können. Bislang wurden Gründe für außereheliche Partnerschaften unter anderem durch die unterschiedlichen Lebensweisen der verschiedenen Arten erklärt (BMC Ecology, Online- Veröffentlichung vom 19. Mai 2009).

Staffelschwänze sind bunte und charismatische australische Singvögel. Obwohl sie so klein sind wie ein Zaunkönig, sind sie langlebig. Sie leben in Paaren, die ein gemeinsames Revier verteidigen und zusammen ihre Jungen großziehen. Die Staffelschwänze gelten daher wie die meisten Vogelarten als sozial monogam.

Alle der bisher untersuchten Staffelschwanzarten sind allerdings für ihre Untreue berüchtigt. In fast jeder Brut dieser Arten finden sich Nachkommen, die außerhalb des Paarbundes gezeugt wurden. Aber nicht nur die Weibchen sind notorische Fremdgeher, bei den Männchen finden sich zahlreiche Anpassungen in Morphologie und Verhalten, die mit außerehelichem Paarungsverhalten assoziiert sind. Ihre Reproduktionsorgane haben sich stark vergrößert und die Männchen können mehrmals pro Tag dabei beobachtet werden, wie sie ihr Territorium und ihre Partnerin verlassen. Dann bezirzen sie andere Weibchen in der Umgebung, oft mit Hilfe einer Blume.

Sjouke Anne Kingma und seine Kollegen vom Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell und der Universität Freiburg haben nun herausgefunden, dass bei Purpurkopf-Staffelschwänzen so gut wie keine außereheliche Vaterschaft auftritt. Dazu haben die Forscher von einer in Westaustralien lebenden Population Proben von 227 Nachkommen aus 104 Nestern genommen und genetische Vaterschaftsanalysen durchgeführt. Bei alle außer 10 Nachkommen war der Vater auch der soziale Partner der Weibchen.

Besonders erstaunte die Wissenschaftler, dass den Männchen der Purpurkopf-Staffelschwänze Anpassungen in Morphologie oder Verhalten fehlten, die bei den promiskuitiven nahen Verwandten stark ausgeprägt sind. So mausern sich zum Beispiel die untreuen Staffelschwanzarten zur Brutzeit in ein buntes Federkleid. Im Gegensatz dazu bekommen die Purpurkopf-Staffelschwänze nur ein paar bunte Federn. Auch sind die Reproduktionsorgane der Purpurkopf-Staffelschwänze viel kleiner als bei anderen Staffelschwanzarten, was ein Hinweis für eine geringe Paarungskonkurrenz zwischen Männchen ist. Und während die Liebhaber bei der Partnerwerbung Blütenblätter präsentieren, haben die Freilandforscher in über 300 Beobachtungsstunden ein solches Verhalten bei den treuen Gatten der Purpurkopf-Staffelschwänze nicht beobachtet.

"Wir waren überrascht von der weiblichen Treue und der drastischen Reduzierung des Wettbewerbs zwischen den Männchen," so Kingma. Denn in Bezug auf die Brutbiologie und Ökologie finden sich nur geringe Unterschiede zwischen der treuen und den untreuen Staffelschwanzarten. Die Forscher schlussfolgern, dass sich Paarungssysteme in der Entwicklungsgeschichte schneller ändern können, als bisher angenommen. "Die nahe Verwandtschaft dieser Arten impliziert, dass diese Anpassungen in nur einem Ereignis im Artbildungsprozess verloren gingen", sagt der Wissenschaftler. Sogar ein so hoch entwickeltes Paarungssystem wie das der Purpurkopf-Staffelschwänze könnte also in relativ kurzer stammesgeschichtlicher Zeit verschwinden, ohne klare assoziierte Änderungen in anderen biologischen Aspekten. Dies habe auch Auswirkungen auf das Verständnis der verschiedenen Paarungssysteme: "Wenn die Unterschiede zwischen den Arten weder durch Abstammung, noch durch das Sozialsystem und ökologische Faktoren zu erklären sind, könnte das ein Grund dafür sein, warum wir noch weit vom Verständnis der evolutionären Grundlagen für außerehelichen Vaterschaften entfernt sind", erklärt der Ornithologe.

Originalveröffentlichung:

Sjouke A. Kingma, Michelle L. Hall, Gernot Segelbacher and Anne Peters
Radical loss of an extreme extra-pair mating system.
BMC Ecology, Online-Veröffentlichung vom 19. Mai 2009
Weitere Informationen erhalten Sie von:
Sjouke Kingma, Behavioural Ecology of Sexual Signals Group
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: Zurzeit in Australien, + 8 h Zeitunterschied zu Deutschland: Tel: +61 (0)2-6125687

E-Mail: kingma@orn.mpg.de

Anne Peters, Behavioural Ecology of Sexual Signals Group
Max-Planck-Institut für Ornithologie, Radolfzell
Tel.: in Radolfzell: +49 7732-150153, zurzeit in Australien, + 8 h Zeitunterschied zu Deutschland: +61 (0)2-61251028

E-Mail: peters@orn.mpg.de

Barbara Abrell | Max-Planck-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.biomedcentral.com/bmcecol/
http://ww.mpg.de

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