Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Organtransplantation via Tropf

28.10.2011
Seit dem Beginn des Programmes für autologe und allogene Stammzelltransplantationen am Universitätsklinikum Jena (UKJ) 1994 bzw. 1997 wurde jetzt die 1000. Stammzelltransplantation bei Erwachsenen erfolgreich vorgenommen.

Aus diesem Anlass findet am 29. Oktober 2011 ein wissenschaftliches Symposium zu aktuellen klinischen Entwicklungen und den Zukunftsperspektiven dieser oftmals einzigen Heilungschance bei Leukämie oder Lymphomerkrankungen statt. In Anerkennung der Jenaer Erfahrungen auf diesem Gebiet unterstützt die Jose-Carreras-Stiftung die Einrichtung eines Stammzelltransplantationszentrums für Kinder und Erwachsene im Zuge des 2. Bauabschnittes des UKJ mit einer Million Euro.

Es bedarf keines Chirurgen, um Blutstammzellen zu transplantieren – doch bedeutet die intravenöse Gabe gesunder, aus dem Knochenmark oder dem peripheren Blut gewonnener Stammzellen die Verpflanzung eines lebenswichtigen Organs der Blutbildung und des Immunsystems – und für die Patienten oftmals die einzige Heilungschance. Im Arbeitsbereich Stammzelltransplantation, der zur Abteilung für Hämatologie und Onkologie der Klinik für Innere Medizin II am UKJ gehört, wurde jetzt die 1000. Stammzelltransplantation seit Beginn des Transplantationsprogrammes erfolgreich vorgenommen. „Je nach Art der Erkrankung können wir durch eine Stammzelltransplantation bis zu 70% unserer Patienten heilen“, so der Leiter des Arbeitsbereiches PD Dr. Herbert Sayer.

Dabei unterscheiden die Hämatologen autologe und allogene Stammzellen, je nach dem, ob sie vom Patienten selbst vor einer aggressiven Chemo- oder Strahlentherapie, oder von einem Spender stammen. Entweder sind die Spender Geschwister der Patienten mit passenden Gewebemerkmalen oder aber freiwillige anonyme Spender aus Spenderegistern. Durch die Vernetzung von zentralen nationalen Stammzellspenderdateien in ganz Europa und weltweit lassen sich inzwischen in fast 90% der Fälle passende Spender finden. Die Blutstammzellen werden nach einer Vorbehandlung ähnlich einer Blutspende aus dem Blut über eine Zellseparationsmaschine gewonnen, nur bei ca. 5% der Spender werden sie direkt dem Knochenmark entnommen. Stammzellen aus Nabelschnurblut spielen bei erwachsenen Patienten in Deutschland noch kaum eine Rolle.

Die Transplantation der gesunden Stammzellen erfolgt in der Regel nach einer belastenden Chemo- oder Strahlentherapie, die die Krebserkrankung des Blutsystems bekämpft. „Inzwischen lässt sich diese Vorbehandlung schonender gestalten, so dass wir auch ältere Patienten transplantieren können“, so Herbert Sayer. Etwa 35 allogene und 50-60 autologe Stammzelltransplantationen werden am Jenaer Universitätsklinikum, dem einzigen spezialisierten Zentrum in Thüringen, jährlich durchgeführt. Das Team des Arbeitsbereiches besteht aus 25 Mitarbeitern - Fachärzten, Spezialisten im Labor und einem festen Pflege- und Betreuungsteam. „Zum Wohle unserer Patienten greift die konservative Behandlung, die Betreuung während der Transplantation und die Nachsorge eng ineinander“, betont Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor der Abteilung Hämatologie und Onkologie.

Neben der Transplantationsstation mit besonders luftgefilterten Einzelzimmern hat die Nachsorge-Ambulanz eine wichtige Rolle, denn zu den akuten Reaktionen zwischen Transplantat und Empfänger sowie Nebenwirkungen der Vorbehandlung können die Patienten zum Teil von chronischen Transplantationsfolgen, wie eingeschränkter Immunabwehr oder Unverträglichkeitsreaktionen betroffen sein. Die Jenaer Stammzelltransplanteure beteiligen sich aktiv an nationalen und internationalen Studien und können deshalb hier das aktuellste klinische Wissen anwenden. Dies wird auch im Mittelpunkt eines Fachsymposiums mit anerkannten nationalen Experten am 29. Oktober sein, das anlässlich der 1000. Transplantation veranstaltet wird.

Im Zuge des 2. Bauabschnittes des Universitätsklinikums auf dem Medizin-Campus Lobeda wird ein Zentrum für Stammzelltransplantationen dann gemeinsam für Erwachsene und Kinder entstehen, das die Jose-Carrerras-Stiftung mit einer Million Euro unterstützt. Der Medizinische Vorstand des UKJ, Professor Dr. Klaus Höffken, sieht darin eine Anerkennung der Jenaer Leistungen auf dem Gebiet der Stammzelltransplantation, die bei Kindern sogar 30 Jahre zurück reichen. „In diesem neuen Zentrum werden wir unsere kleinen und großen Leukämiepatienten entsprechend der neuesten Standards der Stammzelltransplantation behandeln und am der wissenschaftlichen Weiterentwicklung dieser Therapieform mitarbeiten können“, so Professor Höffken, der das Stammzelltransplantationsprogramm bei Erwachsenen vor 18 Jahren in Jena gegründet und mit Förderung der Deutschen Krebshilfe aufgebaut hat.

Dr. Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.kim2.uniklinikum-jena.de/kim2_media/H%C3%A4maOnko/PDFs/1000SZT.pdf

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten