Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Orchidee produziert Alarmpheromon von Honigbienen zur Anlockung von Hornissen als Bestäuber

06.08.2009
Ein Drittel aller Orchideenarten sind Täuschblumen, was bedeutet, dass sie ihren Bestäuber nicht mit Nektar oder Pollen belohnen.

Zur Bestäuberanlockung haben diese Orchideen zahlreiche höchst raffinierte Tricks auf Lager. Die meisten Täuschblumen imitieren zur Bestäuberanlockung entweder Futter belohnende Blütenpflanzen oder Paarungspartner ihrer Bestäuber.

In einer heute erschienenen Arbeit in der hoch dotierten Fachzeitschrift Current Biology stellen Professor Manfred Ayasse und Mitarbeiterin Jennifer Brodmann (Universität Ulm) ein weiteres Beispiel von Täuschung bei der nur auf der südchinesischen Insel Hainan vorkommenden Orchideenart Dendrobium sinense vor. Diese Orchideenart lockt ihre Bestäuber, nämlich Hornissen der Art Vespa bicolor an, indem sie Verbindungen nachahmt, welche bei Honigbienen eine Bedeutung als Alarmpheromon haben.

Dem Forscherteam war aus früheren Untersuchungen ihrer Kooperationspartner aus China bekannt, daß die Hornisse Vespa bicolor der häufigste Besucher der Orchideenblüte ist. Beobachtungen zeigten außerdem, dass die Hornissen nicht auf den Blüten landen, sondern nur kurz aber heftig mit dem Kopf gegen das rote Zentrum der Blüte stoßen, so als ob sie eine Beute jagen würden. Hornissen ernähren ihre Brut, wie alle anderen Wespenarten mit Fleisch. Dazu fangen sie andere Insekten, darunter auch Honigbienen entweder direkt am Eingang von Honigbienenstöcken oder auf Blüten ab.

Mit Hilfe der Elektroanennogrammtechnik kombiniert mit chemischen Analysen konnte das Forscherteam zeigen, dass die Blüten mehrere Substanzen, darunter Z-11-Eicosenol, produzieren, die auch im Alarmpheromon von Honigbienen vorkommen. Es ist bekannt, dass Z-11-Eicosenol vom so genannten Bienenwolf, einer parasitischen Wespenart, benutzt wird um ihre Beute, nämlich Honigbienen aufzuspüren. Ansonsten ist diese Verbindung in der Natur eher selten. Bei Pflanzen wurde sie bislang noch nicht beschrieben.

In Verhaltensexperimenten konnte Jennifer Brodmann, die in der Arbeitsgruppe von Ayasse eine Doktorarbeit anfertigt, zeigen, dass die Hornissen von dem Duft dieser Verbindungen genauso angelockt werden wie vom Duft der Orchideen selbst. Mit dieser Arbeit konnten die Forscher aus Ulm die Ergebnisse aus früheren Untersuchungen untermauern, und erneut zeigen, dass von Wespen bestäubte Orchideen häufig Duftsignale, die im Zusammenhang mit der Beute stehen nachahmen, wie zum Beispiel die auch in Deutschland vorkommenden Ständelwurzarten, die von Wespen bestäubt werden.

Der bei chinesischen Orchidee D. sinense gefundene Mechanismus zur Bestäuberanlockung ist neu und stellt ein weiteres faszinierendes Beispiel der Bestäubungsbiologie von Orchideen dar.

Hornissen stellen in China und auch im asiatischen Raum oft ein Problem dar. Wirtschaftlich davon betroffen ist vor allem die Imkerei, da die Bienenvölker regelmäßig von Hornissen ausgeräubert werden. Allerdings werden auch häufig Menschen von den Hornissen angegriffen und gestochen. Der Einsatz von Duftködern, die die Eigenschaft besitzen, die Hornissen vom Menschen und der Imkerei fern zuhalten, könnte helfen das Hornissenproblem zu bewältigen. Mehr Informationen über Hornissen anlockende Substanzen sind daher für eine biologische Hornissenkontrolle dringend erforderlich.

Weitere Informationen: Jennifer Brodmann, Tel. 0731/50-22662

Willi Baur | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Pflanzen ihr Gedächtnis vererben
21.08.2017 | Gregor Mendel Institut für Molekulare Pflanzenbiologie (GMI)

nachricht Eine Karte der Zellkraftwerke
18.08.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

European Conference on Eye Movements: Internationale Tagung an der Bergischen Universität Wuppertal

18.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher entwickeln zweidimensionalen Kristall mit hoher Leitfähigkeit

21.08.2017 | Physik Astronomie

Ein neuer Indikator für marine Ökosystem-Veränderungen - der Dia/Dino-Index

21.08.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Kieler Wissenschaft entwickelt exzellentes Forschungsdatenmanagement

21.08.2017 | Informationstechnologie