Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Opfer ihres eigenen Erfolges“: Forscher erklären Siegeszug der Geweihkoralle - und den Niedergang

25.04.2016

Ein düsteres Bild für die Zukunft tropischer Korallenriffe zeichnen Experten in einer neuen Studie. Die bei weitem die häufigste und artenreichste Korallengattung, die Geweihkoralle „Acropora“, könnte den Kampf gegen den von Menschen gemachten Klimawandel womöglich verlieren und so das Sterben der unterseeischen Biotope einleiten, sagen die Forscher, zu denen auch Paläobiologe Prof. Dr. Wolfgang Kießling von der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) gehört. „Damit sind die Korallenriffe Opfer ihres eigenen früheren Erfolges“, sagt Professor Kießling.

Acropora ist besser als andere Korallengattungen in der Lage, natürlichen Umwelteinflüssen zu trotzen. Fährnisse wie Tropenstürme scheinen der robusten Korallengattung sogar zu nützen und ihren ökologischen Erfolg zu begünstigen.


Die Geweihkoralle Acropora ist die bei weitem die häufigste und artenreichste Korallengattung und bildet ausgedehnte Korallendickichte, wie hier auf einem Riff in Sulawesi, Indonesien.

Foto: Wolfgang Kießling


Die Geweihkoralle ist anfällig für die sogenannte Korallenbleiche, die durch die Erwärmung der Meere ausgelöst wird. Folge ist das Absterben der Korallenstöcke.

Foto: Wolfgang Kießling

Bei starkem Wellengang zum Beispiel brechen die zarten Äste der Geweihkorallen leicht ab. Die Fragmente werden vom Wasser weitergetragen, lagern sich ab – und viele der Bruchstücke knospen und bilden über Jahrzehnte und Jahrhunderte neuen Kolonien. So verbreiten sich Geweihkorallen seit rund 50 Millionen Jahren.

Nach den Analysen von Wolfgang Kießling und seiner Kollegen war Acropora aber bis zum Einsetzen der Eiszeit vor etwa zwei Millionen Jahren immer nur untergeordneter Bestandteil von Korallenriffen. Erst danach konnte sich die Gattung weltweit durchsetzen und veränderte das Aussehen von Korallenriffen dramatisch.

Die Ursache hierfür sehen die Wissenschaftler in den massiven Meeresspiegelschwankungen während dieser Periode. „Als es in Zwischeneiszeiten wärmer wurde und das Inlandeis teilweise abschmolz, lagen die Riffe plötzlich so tief unter Wasser, dass sie nicht mehr genügend Licht abbekamen“, meint Kießling. „Nur Acropora wuchs schnell genug der Sonne entgegen“.

Riffe mit Geweihkorallen sind besser

Bis heute ist ihr rasches Wachstum ein unschlagbarer Vorteil für die Geweihkoralle. Denn die Regel für das Überleben eines Riffs ist simpel: Das Biotop kann nur dauerhaft Bestand haben, wenn die Korallen dort schneller wachsen als sie zerstört werden. Und Zerstörung ist in Riffen allgegenwärtig.

Tropenstürme hinterlassen deutliche Spuren, doch noch größere Schäden verursachen andere Lebewesen wie Papageienfische oder Schwämme und Pilze. Der Geweihkoralle gelingt es, das Budget im Plus zu halten und so den perfekten Lebensraum für andere Meeresbewohner zu schaffen. Dort, wo viele Geweihkorallen wachsen, ist die Artenvielfalt deutlich größer.

Zusätzlich fördert ihre verzweigte Gestalt die Verteilung von Wellenenergie und trägt damit zum Küstenschutz bei.

Der Erfolg der Geweihkoralle steht in erschütterndem Gegensatz zu ihren dunklen Zukunftsperspektiven. Acropora ist besonders empfindlich gegenüber Klimaerwärmung und der damit einhergehenden Versauerung der Ozeane, anfällig für Krankheiten und Korallenbleiche sowie bevorzugtes Opfer des räuberischen Dornenkronenseesterns.

In der Karibik ist die Geweihkoralle in den letzten Jahrzehnten bereits dramatisch zurückgedrängt worden, mit verheerenden Konsequenzen für die Korallenriffe der Region. Ähnliches ist – nicht zuletzt durch menschlichen Einfluss – bald auch für andere Meeresregionen zu erwarten, prophezeien die Forscher.

DOI: 10.1126/sciadv.1500850

Weitere Informationen
Prof. Dr. Wolfgang Kießling
Tel.: 09131/85-26959
wolfgang.kiessling@fau.de

Dr. Susanne Langer | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.fau.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zebras: Immer der Erinnerung nach
24.05.2017 | Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

nachricht Wichtiges Regulator-Gen für die Bildung der Herzklappen entdeckt
24.05.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochspannung für den Teilchenbeschleuniger der Zukunft

24.05.2017 | Physik Astronomie

3D-Graphen: Experiment an BESSY II zeigt, dass optische Eigenschaften einstellbar sind

24.05.2017 | Physik Astronomie

Optisches Messverfahren für Zellanalysen in Echtzeit - Ulmer Physiker auf der Messe "Sensor+Test"

24.05.2017 | Messenachrichten