Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ohne Geruchssinn leben Fliegen länger

21.04.2010
Sensorische Untersuchungen an Fliegen und Würmern

Ein US-Forscherteam um den Mikrobiologen Scott Pletcher von der University of Michigan in Ann Arbor hat entdeckt, dass weibliche Fruchtfliegen ohne Geruchssinn um 20 Prozent länger leben als jene, deren Geruchssinn intakt war. Zu ähnlichen Ergebnissen ist auch die Neurobiologin Joy Alcedo vom Friedrich Miescher Institut für biomedizinsche Forschung in Basel bei Würmern gekommen.

Pletcher hat bei den Drosophila-Fliegen den Geruchsrezeptor für CO2 abgeschaltet. "Die Tiere haben daraufhin deutlich länger gelebt", so Alcedo im pressetext-Interview. Das habe allerdings nur bei weiblichen Tieren funktioniert. Die Drosophila-Weibchen ohne Geruchsinn bauten zudem größere Fettreserven auf und legten mehr Eier. Die Forscher gehen davon aus, dass der Grund für das verlängerte Leben möglicherweise mit der geringeren Nahrungsaufnahme zu tun haben könnte.

Möglicherweise auch bei Säugetieren ähnlich

"Ob das bei höheren Lebewesen wie etwa Säugetieren oder dem Menschen ebenso zutrifft, ist bisher nicht untersucht worden und fraglich", so Alcedo. "Wir wissen allerdings, dass der Geruchssinn mit dem Hypothalamus in Verbindung steht. Dieser Teil des Zwischenhirns ist ein zentrales Organ für die Regulation vegetativer Funktionen und hier wird auch das endokrine System kontrolliert", erklärt Alcedo. Das sei ein Hinweis darauf, dass es die Lebensdauer sehr wohl beeinflussen könne.

Es gibt zahlreiche Beweise wonach die Verringerung der Nahrungsmenge zu einer Verlängerung der Lebensdauer führt. Bewiesen wurde das etwa bei Hefe, bei Mäusen und Affen. Ähnliche Ergebnisse erzielte Alcedo bei den Würmern C. elegans, bei denen der Geschmackssinn abgeschaltet wurde.

Leben mit Gerüchen verlängern

Das Team von Pletcher hat auch noch eine andere Erkenntnis gewonnen. Sie haben einen Gehirnkreislauf entdeckt, der das Leben verlängert, wenn er aktiviert wird. Dieser ist ebenfalls mit dem olfaktorischen System in Verbindung. Bisher wisse man jedoch nicht, welche Art von Gerüchen diesen Kreislauf auslöst.

Ob sich aus der Erkenntnis tatsächlich Ableitungen für die Humanmedizin machen lassen, bleibe unbewiesen, so Acedo. Auch der Altersforscher Matt Kaeberlein von der University of Washington in Seattle meint, dass es bisher keine Beweise dafür gebe. "Es ist allerdings schon so, dass es physiologische Veränderungen gibt, wenn man den Geruch von Essen wahrnimmt", so der Forscher. "Selbst bei der Vorstellung von duftenden Speisen bekomme ich Hunger", meint Kaeberlein.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.iog.umich.edu
http://www.fmi.ch

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie