Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökologische Schädlingsbekämpfung: Hohenheimer Zuchtbox soll bis 2016 marktreif werden

07.07.2014

Schlupfwespen aus der Dose könnten Kornkäfer effektiv und biologisch bekämpfen. Jetzt testet die Universität Hohenheim optimale Vermarktungsbedingungen.

Sie ist lediglich einen Millimeter klein, kann jedoch Großes für die Landwirtschaft bewirken: Die Lagererzwespe. Die biologische Bekämpfung des Kornkäfers mit der Lagererzwespe ist bereits ein gut etabliertes und erfolgreiches Verfahren.

Um dieses weiter zu optimieren, haben Hohenheimer Wissenschaftler die so genannte Hohenheimer Zuchtbox entwickelt. Jetzt will Tierökologe Prof. Dr. Johannes Steidle die Box zur Marktreife bringen. Ein wichtiges Thema dabei: Die richtige, für den Versand geeignete Box.

Derzeit laufen erste Tests mit Suppendosen. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung fördert das Projekt mit 180.000 Euro.

Die Ausmaße des Schadens, die Kornkäfer bundesweit anrichten, sind bisher noch nicht genau erfasst. „Wenn der Schädling sich allerdings erstmal in einem Lager breit gemacht hat, kann es schnell zum Totalausfall der Getreideernte kommen“, erklärt Prof. Dr. Johannes Steidle, Leiter des Fachgebiets Tierökologie an der Universität Hohenheim.

Im Detail funktioniert die Schädlingsbekämpfung so: Die kaum einen Millimeter große Lagererzwespe sucht in gelagertem Getreide nach befallenen Weizenkörnern, durchsticht die Schale dieser Körner mit ihrem Stachel und zapft die Larve des Kornkäfers an, die im Weizenkorn schlummert oder legt ihre Eier auf ihr ab.

Bisher werden die Wespen vom Züchter mehrmals im Jahr verschickt und müssen dann vom Lagerhalter freigelassen werden. Dieses Verfahren sei gut etabliert, solle aber künftig mit Hilfe einer Zuchtbox noch weiter verbessert werden Mit ersten Ergebnissen ihrer Versuche rechnen die Tierökologen Ende 2015.

Angriff aus der Zuchtbox heraus 

Der große Vorteil der Hohenheimer Zuchtbox: Die Boxen mit den Lagererzwespen werden im Getreidelager aufgestellt. Darin wachsen die Lagererzwespen heran, schlüpfen vor Ort und strömen dann kontinuierlich aus – dem ungeliebten Kornkäfer auf der Spur. Die frisch geschlüpften Lagererzwespen sind dann besonders agil und angriffslustig. Damit haben wir die bisherige Schädlingsbekämpfung mit Lagererzwespen weiter optimiert“, erklärt Prof. Dr. Steidles Mitarbeiterin Steffi Niedermayer.

In der Box selbst befinden sich Schwarzaugenbohnen. „In diesen Bohnen nistet sich die Larve des Bohnenkäfers ein. Auf diesen Larven legen die Lagererzwespen ihre Eier ab und vermehren sich so in der Zuchtbox“, sagt Prof. Dr. Steidle.

Durch ein Sieb im Deckel verlassen die ausgewachsenen Lagererzwespen die Zuchtbox und schwärmen ins Getreidelager aus. Über den Geruchssinn spüren sie die Kornkäferlarven auf und befallen sie. Der Bohnenkäfer hingegen muss weiterhin in der Zuchtbox bleiben. Die Maschen des Siebs sind so klein, dass nur die Lagererzwespen, nicht aber die Bohnenkäfer durchpassen.

Zuchtbox soll 2016 marktreif sein 

Seit Beginn dieses Jahres arbeiten Prof. Dr. Steidle und die Doktorandin Steffi Niedermayer nun gemeinsam mit zwei Partnerfirmen an der Marktreife der Box. Wenn alles klappt, könnte der Vertrieb der Hohenheimer Zuchtbox bis 2016 beginnen. Finanziert wird das Projekt mit dem Titel „Optimierung des Einsatzes von Lariophagus distinguendus zur Bekämpfung von Kornkäfern in Getreidelagern mit Langzeitlagerung“ mit 180 000 Euro von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung.

„Bisher ist die Box noch nicht für den Versand mit der Post geeignet“, sagt Prof. Dr. Steidle. „Deswegen testen wir derzeit Dosen auf ihre Versandfähigkeit. Die spannende Frage ist: Überstehen die Dose und die Insekten darin den Transport?“

Suche nach geeigneteren Wespenstämmen geht weiter

Auch sind die Hohenheimer Wissenschaftler auf der Suche nach weiteren Methoden zur Früherkennung der Schädlinge. Dies könnten möglicherweise noch geeigneteren Wespenstämme sein: „Wir versuchen, neue, noch hitzebeständigere Stämme der Lagererzwespen zu finden, die auch die hohen Temperaturen aushalten können, die im Sommer in einem Lager herrschen können.“

Außerdem fehlt für die Zuchtbox bisher eine Kostenkalkulation: „Wir müssen noch genau berechnen, zu welchem Preis die Box dann verkauft werden kann. Dazu müssen wir auch herausfinden, was uns die Zucht der Bohnenkäfer in den Boxen kostet“, erklärt Prof. Dr. Steidle. Am Ende soll der Preis auch günstiger sein als die konventionellen Bekämpfungsmethoden wie etwa die Begasung.

Hohenheimer Zuchtbox schützt bis zu sieben Monate vor dem Kornkäfer

In Spitzenzeiten sollen über 200 junge Lagererzwespen gleichzeitig aus einer Box schlüpfen und gegen den Kornkäfer vorgehen, so dass er sich nicht weiter im Getreidelager ausbreiten kann. Mit der Zuchtbox haben Landwirte sechs bis sieben Monate lang Ruhe vor dem Schädling.
Text: A. Schmid

Kontakt für Medien:
Prof. Dr. Johannes Steidle, Universität Hohenheim, Fachgebiet Tierökologie
Tel.: 0711/459-23667, E-Mail: jsteidle@uni-hohenheim.de

Florian Klebs | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie