Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nukleolus erlaubt Vorhersage der Lebenserwartung

31.08.2017

Wissenschaftler finden heraus, dass die Größe des Nukleolus mit Gesundheit und Lebenszeit korreliert und das in verschiedensten Organismen wie Fadenwürmern, Fliegen und Menschen

Kann man einer Zelle ansehen wie alt sie ist? Und ist es möglich die Lebenszeit eines Tieres vorherzusehen? Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln haben eine Verbindung zwischen der Größe des Nukleolus – einer kleinen Struktur direkt im Zentrum jeder Körperzelle – und der Lebenserwartung entdeckt. Dieses könnte als Biomarker für Gesundheit und Altern genutzt werden.


Längerlebige Fruchtfliegen (rechts) haben kleinere Nukleoli als ihre kürzer lebenden Verwandten (links).

Quelle: Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns

Alternsforscher suchen schon lange nach sogenannten Biomarkern für den Alterungsprozess, der es ihnen erlaubt Vorhersagen über die Gesundheit und die Lebensdauer eines Organismus zu treffen.

Varnesh Tiku, Wissenschaftler in der Abteilung von Direktor Adam Antebi vom Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, hat jetzt eine Entdeckung gemacht, die den Durchbruch bedeuten könnte. Bei Untersuchungen an besonders langlebigen Rundwürmern (Caenorhabditis elegans) stellte er fest, dass diese kleinere Nukleoli hatten, als ihre kürzer lebenden Verwandten.

Und das unabhängig davon, wie sie zu ihrer langen Lebenszeit gekommen waren. Der Nukleolus ist eine kleine Struktur im Inneren des Zellkerns, in der spezielle RNA-Moleküle und Proteine zusammengebaut werden, um Ribosomen, die Proteinfabriken der Zelle, zu bilden. Diese Korrelation ermöglicht es den Max-Planck-Forscher vorherzusagen, wie lang ein Wurm leben wird.

Muskelbiopsien beim Menschen

„Wir konnten diesen Zusammenhang auch bei anderen Modellorganismen, wie zum Beispiel Fruchtfliegen und Mäusen beobachten“, erklärt Antebi. „Die Korrelation zwischen Nukleolus-Größe und Lebenszeit könnte selbst bei Menschen gelten. In Muskelbiopsien von über 60-jährigen Probanden, die an einem Programm teilnehmen, bei dem sie Diät halten und mit Sport beginnen – eine übliche Methode um die Gesundheit zu verbessern und die Lebenszeit zu verlängern – konnten wir feststellen, dass die Nukleoli nach dem Programm kleiner waren als zuvor“.

„Huhn oder Ei“?

Aber ist der verkleinerte Nukleolus der Grund für eine verlängerte Lebenserwartung oder ist es einfach nur Abbild ohne ursächlich zu sein? „Wir glauben, dass die Größe des Nukleolus nicht einfach nur ein Biomarker für Langlebigkeit ist, sondern, dass die Moleküle im Nukleolus wirklich einen Einfluss auf die Lebenserwartung haben“, so Antebi.

Die Wissenschaftler haben schon erste Hinweise für diese Hypothese: Sie haben beobachtet, dass langlebige Würmer mit kleineren Nukleoli auch geringere Level des Proteins Fibrillarin enthalten. Dieses Protein hilft beim zusammenfügen der einzelnen Ribosomenbausteine. Wenn die Forscher die Fibrillarin künstlich verringerten, lebten die Würmer länger. Das weist darauf hin, dass Fibrillarin im Nukleolus tatsächlich die Lebensspanne steuern könnte.

Können wir also in Zukunft zum Arzt gehen und unsere Nukleoli vermessen lassen, um dann eine Vorhersage über unsere Lebenszeit zu bekommen? „Irgendwann vielleicht – aber davor muss noch viel Arbeit geleistet werden. Noch wichtiger ist für uns, dass unsere Entdeckung helfen könnte eine einfachere Überwachung von Gesundheitsprogrammen für längere Lebenszeit möglich zu machen“, sagt Antebi.

Weitere Informationen:

https://www.age.mpg.de/de/public-relations/neuigkeiten/detail/nukleolus-erlaubt-...
https://www.nature.com/articles/ncomms16083?WT.feed_name=subjects_genetics

Dr. Maren Berghoff | Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns
Weitere Informationen:
https://www.age.mpg.de/de/public-relations/neuigkeiten/detail/nukleolus-erlaubt-vorhersage-der-lebenserwartung/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen
22.02.2018 | Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf

nachricht Rettender Ritter in goldener Rüstung
22.02.2018 | Exzellenzcluster Entzündungsforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Im Focus: Developing reliable quantum computers

International research team makes important step on the path to solving certification problems

Quantum computers may one day solve algorithmic problems which even the biggest supercomputers today can’t manage. But how do you test a quantum computer to...

Im Focus: Innovation im Leichtbaubereich: Belastbares Sandwich aus Aramid und Carbon

Die Entwicklung von Leichtbaustrukturen ist eines der zentralen Zukunftsthemen unserer Gesellschaft. Besonders in der Luftfahrtindustrie und in anderen Transportbereichen sind Leichtbaustrukturen gefragt. Sie ermöglichen Energieeinsparungen und reduzieren den Ressourcenverbrauch bei Treibstoffen und Material. Zum Einsatz kommen dabei Verbundmaterialien in der so genannten Sandwich-Bauweise. Diese bestehen aus zwei dünnen, steifen und hochfesten Deckschichten mit einer dazwischen liegenden dicken, vergleichsweise leichten und weichen Mittelschicht, dem Sandwich-Kern.

Aramidpapier ist ein etabliertes Material für solche Sandwichkerne. Sein mechanisches Strukturversagen ist jedoch noch unzureichend erforscht: Bislang fehlten...

Im Focus: Die Brücke, die sich dehnen kann

Brücken verformen sich, daher baut man normalerweise Dehnfugen ein. An der TU Wien wurde eine Technik entwickelt, die ohne Fugen auskommt und dadurch viel Geld und Aufwand spart.

Wer im Auto mit flottem Tempo über eine Brücke fährt, spürt es sofort: Meist rumpelt man am Anfang und am Ende der Brücke über eine Dehnfuge, die dort...

Im Focus: Eine Frage der Dynamik

Die meisten Ionenkanäle lassen nur eine ganz bestimmte Sorte von Ionen passieren, zum Beispiel Natrium- oder Kaliumionen. Daneben gibt es jedoch eine Reihe von Kanälen, die für beide Ionensorten durchlässig sind. Wie den Eiweißmolekülen das gelingt, hat jetzt ein Team um die Wissenschaftlerin Han Sun (FMP) und die Arbeitsgruppe von Adam Lange (FMP) herausgefunden. Solche nicht-selektiven Kanäle besäßen anders als die selektiven eine dynamische Struktur ihres Selektivitätsfilters, berichten die FMP-Forscher im Fachblatt Nature Communications. Dieser Filter könne zwei unterschiedliche Formen ausbilden, die jeweils nur eine der beiden Ionensorten passieren lassen.

Ionenkanäle sind für den Organismus von herausragender Bedeutung. Wenn zum Beispiel Sinnesreize wahrgenommen, ans Gehirn weitergeleitet und dort verarbeitet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

Tag der Seltenen Erkrankungen – Deutsche Leberstiftung informiert über seltene Lebererkrankungen

21.02.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung auf dem Prüfstand: Hochkarätige Konferenz zu Empowerment in der agilen Arbeitswelt

20.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von Hefe für Demenzerkrankungen lernen

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Sektorenkopplung: Die Energiesysteme wachsen zusammen

22.02.2018 | Seminare Workshops

Die Entschlüsselung der Struktur des Huntingtin Proteins

22.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics