Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Verbundprojekt: Wie Medikamente die Blut-Hirn-Schranke überwinden können

17.12.2012
Heidelberger Forscher arbeiten an einer künstlichen Gewebestruktur als Testmodell

Wie lassen sich Wirkstoffe von Medikamenten gezielter als bisher in das menschliche Gehirn transportieren? Diese Frage steht im Mittelpunkt eines Forschungsvorhabens, an dem Wissenschaftler des Instituts für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie (IPMB) der Universität Heidelberg beteiligt sind.

Die Heidelberger Forscher wollen dafür eine künstliche Gewebestruktur nachbilden, um den Blutfluss des Körpers zu imitieren. Das Trans-BBbarrier-Projekt, in dem Experten aus fünf Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Deutschland zusammenarbeiten, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) über einen Zeitraum von drei Jahren mit rund 1,44 Millionen Euro gefördert, davon gehen rund 250.000 Euro an das IPMB. Ziel ist die Entwicklung neuer Therapieformen für Erkrankungen des Zentralen Nervensystems.

„Bei der Entwicklung neuer Medikamente gegen Erkrankungen im Zentralen Nervensystem, wie zum Beispiel Epilepsie oder Alzheimer, besteht die größte Hürde oft darin, die Wirkstoffe durch die sogenannte Blut-Hirn-Schranke in das Gehirn zu transportieren“, erklärt Prof. Dr. Gert Fricker, der am IPMB forscht. Wie der Wissenschaftler erläutert, ist die Blut-Hirn-Schranke für viele Moleküle undurchdringbar, da sie den Blutkreislauf vom Zentralen Nervensystem abschottet. Sie verhindert, dass Fremdstoffe, potenziell giftige Stoffwechselprodukte oder Krankheitserreger in Gehirn und Rückenmark eindringen.

Eine Lösung sehen die Wissenschaftler in der Entwicklung von „Transporthilfen“, mit denen den Medikamenten der Übertritt ins Gehirn ermöglicht werden soll. „Allerdings gibt es bisher keine geeigneten Modelle, um die Wirksamkeit solcher Transporthilfen zu überprüfen“, erläutert Prof. Fricker, der die Abteilung Pharmazeutische Technologie und Pharmakologie des IPMB leitet. „Aktuell verfügbare Zellkultursysteme können die Physiologie des Menschen nicht genau genug simulieren, da die Zellen außerhalb ihrer natürlichen Umgebung wichtige Funktionen verlieren“, so der Wissenschaftler. Um dieses Problem zu lösen, soll im Rahmen des Trans-BBbarrier-Projekts ein neuartiges Zellkultur-Modell der Blut-Hirn-Schranke mit verbesserter Zellfunktion entwickelt werden.

Ziel der Heidelberger Wissenschaftler ist es, mit Hilfe der Mikrotechnik die natürliche, physiologische Zellumgebung in einem sogenannten Mikrofluidiksystem nachzubilden. Dazu werden Zellen über elektrische und fluidische Kräfte in ihrer tatsächlichen Gewebestruktur angeordnet. Über Mikrokanäle sollen die Zellen mit einem Nährmedium versorgt werden, um so den Blutfluss des Körpers zu imitieren. „Wir können dann die Wirkstofftests anhand eines Modells durchführen, das der Physiologie des Menschen in besonderer Weise entspricht.“ Die Arbeiten an diesem Verbundprojekt haben im November 2012 begonnen.

Kontakt:
Prof. Dr. Gert Fricker
Institut für Pharmazie und Molekulare Biotechnologie (IPMB)
Telefon (06221) 54-8336
Gert.Fricker@uni-hd.de

Kommunikation und Marketing
Pressestelle, Telefon (06221) 54-2311
presse@rektorat.uni-heidelberg.de

Marietta Fuhrmann-Koch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-heidelberg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden neue Ansätze gegen Wirkstoffresistenzen in der Tumortherapie
15.12.2017 | Universität Leipzig

nachricht Moos verdoppelte mehrmals sein Genom
15.12.2017 | Philipps-Universität Marburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik