Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Unterwasser-Observatorium bei Boknis Eck

19.01.2017

Der Name ist bei Meeresforscherinnen und Meeresforschern rund um den Globus ein Begriff. Seit 1957 werden in der Eckernförder Bucht einmal im Monat Daten zum Zustand der Ostsee erhoben. Damit ist Boknis Eck eine der ältesten regelmäßig betriebenen marinen Zeitserienstationen weltweit. Um nun auch kurzfristigere Prozesse im Wasser erkennen zu können, haben das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel und das Helmholtz-Zentrum Geesthacht jetzt zusätzlich ein festes Observatorium in 14,5 Metern Tiefe am Meeresboden installiert, das permanent grundlegende Messwerte erfasst. Der sogenannte „Boknis Eck-Knoten“ hat zum Jahreswechsel den Betrieb aufgenommen.

Wie viel Sauerstoff steht Organismen im Meerwasser zur Verfügung? Wie hoch sind die Temperaturen? Wie viel und welche Nährstoffe sind im Wasser gelöst? Wie stark ist das Plankton-Wachstum? Antworten auf diese Fragen erlauben grundlegende Aussagen über den Zustand eines marinen Ökosystems. Seit 60 Jahren fahren Meeresforscherinnen und Meeresforscher aus Kiel fast ohne Unterbrechung jeden Monat zu einer bestimmten Position am Ausgang der Eckernförder Bucht, um genau diese Daten zu erheben.


Forschungstaucher justieren die Sensoren am Meeresboden.

Foto: Forschungstauchzentrum CAU

Damit gehört Boknis Eck zu den ältesten aktiven meereswissenschaftlichen Zeitserienstationen weltweit. „Dank der langen Messreihe können wir nicht nur sehen, wie der aktuelle Zustand der Ostsee ist, sondern auch langfristige Umweltveränderungen erkennen. Deshalb ist der Boknis Eck-Datensatz auch international sehr gefragt“, sagt Prof. Dr. Hermann Bange vom GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel, der die Aktivitäten in Boknis Eck seit 2010 koordiniert.

Untersuchungen in der jüngsten Vergangenheit haben immer häufiger gezeigt, dass auch sehr kurzfristige Ereignisse wie beispielsweise eine zweiwöchige Hitzeperiode oder ein einzelner starker Sturm von entscheidender Bedeutung für ein Ökosystem sein können. „Solche Ereignisse können wir aber nicht mit den monatlichen Beprobungen erfassen. Deshalb haben wir uns entschieden, ein permanentes Messsystems bei Boknis Eck zu installieren“, erklärt Professor Bange. Das neue Observatorium am Ostseeboden hat nach über zwei Jahren Planungs- und Bauzeit nun zum Jahreswechsel seinen Betrieb aufgenommen.

Entwickelt wurde der sogenannte „Boknis Eck-Knoten“ im Rahmen des COSYNA-Projektes (Coastal Observing System for Northern and Arctic Seas), das am Helmholtz-Zentrum Geesthacht (HZG) koordiniert wird. Das am Ostseeboden verankerte Gestell enthält Sensoren, die Strömungsgeschwindigkeiten und -richtungen, Salzgehalt, Temperatur sowie die Konzentrationen von Sauerstoff, Kohlendioxid und Methan erfassen. „Damit ergänzen sie die monatlichen Messungen an der Zeitserienstation Boknis Eck ideal“, sagt Professor Bange, „bei Bedarf können wir weitere Sensoren jederzeit hinzufügen.“

Das HZG hat im COSYNA-Projekt schon einige Erfahrungen bei der Einrichtung derartiger Unterwasserobservatorien. „Es gibt bereits eines vor Helgoland und eines vor der Küste von Spitzbergen, die wir in Zusammenarbeit mit dem Alfred-Wegener-Institut entwickelt haben“, erläutert Dr. Holger Brix, Koordinator von COSYNA am HZG. „Sie alle bieten, genau wie der neue Messknoten in Boknis Eck, Zugang zu Strom- und Datenverbindung und sind per Glasfaser mit einem landseitigen Server verbunden. So können wir jederzeit und von überall auf der Welt online auf die installierte Sensorik zugreifen.“

Auch die Finanzierung des Observatoriums übernahm das HZG im Rahmen von COSYNA. Im Gegenzug übernimmt das GEOMAR die Betreuung und den Betrieb für mindestens zehn Jahre. „Die Daten, die wir erheben, stehen natürlich – wie alle Boknis Eck- und COSYNA-Daten – allen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern weltweit zur Verfügung“, fasst Professor Bange zusammen. Einen Zugang und alle weiteren Informationen bieten die Webseiten www.bokniseck.de und www.cosyna.de.

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
http://www.hzg.de Das Helmholtz-Zentrum Geesthacht
http://www.cosyna.de Das Küstenbeobachtungssystem COSYNA
http://www.bokniseck.de Die Zeitserienstation Boknis Eck

Andreas Villwock | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wie Reize auf dem Weg ins Bewusstsein versickern
22.09.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Lebendiges Gewebe aus dem Drucker
22.09.2017 | Universitätsklinikum Freiburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: The pyrenoid is a carbon-fixing liquid droplet

Plants and algae use the enzyme Rubisco to fix carbon dioxide, removing it from the atmosphere and converting it into biomass. Algae have figured out a way to increase the efficiency of carbon fixation. They gather most of their Rubisco into a ball-shaped microcompartment called the pyrenoid, which they flood with a high local concentration of carbon dioxide. A team of scientists at Princeton University, the Carnegie Institution for Science, Stanford University and the Max Plank Institute of Biochemistry have unravelled the mysteries of how the pyrenoid is assembled. These insights can help to engineer crops that remove more carbon dioxide from the atmosphere while producing more food.

A warming planet

Im Focus: Hochpräzise Verschaltung in der Hirnrinde

Es ist noch immer weitgehend unbekannt, wie die komplexen neuronalen Netzwerke im Gehirn aufgebaut sind. Insbesondere in der Hirnrinde der Säugetiere, wo Sehen, Denken und Orientierung berechnet werden, sind die Regeln, nach denen die Nervenzellen miteinander verschaltet sind, nur unzureichend erforscht. Wissenschaftler um Moritz Helmstaedter vom Max-Planck-Institut für Hirnforschung in Frankfurt am Main und Helene Schmidt vom Bernstein-Zentrum der Humboldt-Universität in Berlin haben nun in dem Teil der Großhirnrinde, der für die räumliche Orientierung zuständig ist, ein überraschend präzises Verschaltungsmuster der Nervenzellen entdeckt.

Wie die Forscher in Nature berichten (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005), haben die...

Im Focus: Highly precise wiring in the Cerebral Cortex

Our brains house extremely complex neuronal circuits, whose detailed structures are still largely unknown. This is especially true for the so-called cerebral cortex of mammals, where among other things vision, thoughts or spatial orientation are being computed. Here the rules by which nerve cells are connected to each other are only partly understood. A team of scientists around Moritz Helmstaedter at the Frankfiurt Max Planck Institute for Brain Research and Helene Schmidt (Humboldt University in Berlin) have now discovered a surprisingly precise nerve cell connectivity pattern in the part of the cerebral cortex that is responsible for orienting the individual animal or human in space.

The researchers report online in Nature (Schmidt et al., 2017. Axonal synapse sorting in medial entorhinal cortex, DOI: 10.1038/nature24005) that synapses in...

Im Focus: Tiny lasers from a gallery of whispers

New technique promises tunable laser devices

Whispering gallery mode (WGM) resonators are used to make tiny micro-lasers, sensors, switches, routers and other devices. These tiny structures rely on a...

Im Focus: Wundermaterial Graphen: Gewölbt wie das Polster eines Chesterfield-Sofas

Graphen besitzt extreme Eigenschaften und ist vielseitig verwendbar. Mit einem Trick lassen sich sogar die Spins im Graphen kontrollieren. Dies gelang einem HZB-Team schon vor einiger Zeit: Die Physiker haben dafür eine Lage Graphen auf einem Nickelsubstrat aufgebracht und Goldatome dazwischen eingeschleust. Im Fachblatt 2D Materials zeigen sie nun, warum dies sich derartig stark auf die Spins auswirkt. Graphen kommt so auch als Material für künftige Informationstechnologien infrage, die auf der Verarbeitung von Spins als Informationseinheiten basieren.

Graphen ist wohl die exotischste Form von Kohlenstoff: Alle Atome sind untereinander nur in der Ebene verbunden und bilden ein Netz mit sechseckigen Maschen,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zum Biomining ab Sonntag in Freiberg

22.09.2017 | Veranstaltungen

Die Erde und ihre Bestandteile im Fokus

21.09.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

11. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

22.09.2017 | Veranstaltungsnachrichten

DFG bewilligt drei neue Forschergruppen und eine neue Klinische Forschergruppe

22.09.2017 | Förderungen Preise

Lebendiges Gewebe aus dem Drucker

22.09.2017 | Biowissenschaften Chemie