Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues aus dem Medizinschrank der Natur

05.11.2010
Pharmazeuten der Universität Jena untersuchen in DFG-Forschergruppe Naturstoffe gegen Krebs

Thymian bei Husten und Bronchitis, Salbei bei Halsschmerzen, Kümmel oder Anis bei Magen- und Darmbeschwerden. Bis heute setzen viele Menschen im Krankheitsfall erst einmal auf die Apotheke von Mutter Natur.

Doch auch die sogenannte Schulmedizin hält viele Arzneimittel parat, die ihren Ursprung in der Natur haben. „Fast die Hälfte aller Arzneistoffe, die in den vergangenen Jahrzehnten zugelassen wurden, sind natürlichen Ursprungs bzw. direkt von Naturstoffen abgeleitet“, macht Prof. Dr. Oliver Werz von der Friedrich-Schiller-Universität Jena deutlich.

So gehen einige der weltweit umsatzstärksten Medikamente auf Naturstoffe zurück, etwa das Schmerzmittel Aspirin. Und selbst gegen lebensbedrohende Krankheiten wie Krebs sei in der Natur so manches „Kraut“ gewachsen. „Dabei ist das Potenzial der Naturstoffe in der Krebstherapie noch bei weitem nicht ausgeschöpft“, ist der Inhaber des Lehrstuhls für Pharmazeutische und Medizinische Chemie überzeugt.

Genau hier möchte ein interdisziplinäres Team von Wissenschaftlern ansetzen: Pharmazeuten der Universität Jena um Prof. Werz haben sich gemeinsam mit Pharmakologen, Chemikern, Bioinformatikern und Biotechnologen zu einer Forschergruppe zusammengeschlossen, um neue Wirkstoffe gegen Krebs aufzuspüren. Koordiniert von der Ludwig-Maximilians-Universität in München sind neben den Jenaern auch Forscher der Uni in Saarbrücken und der ETH Zürich beteiligt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft fördert die neue Forschergruppe in den kommenden drei Jahren mit knapp drei Millionen Euro. Über 500.000 Euro davon fließen an die Uni Jena.

Bei ihrer Suche nach neuen Krebswirkstoffen setzen die Forscher auf sogenannte Myxobakterien. „Diese vorwiegend im Boden lebenden Mikroorganismen zeichnen sich durch eine Vielzahl sekundärer Inhaltsstoffe mit enormer struktureller Vielfalt aus“, weiß der Jenaer Pharmazeut. „Von einigen ist bereits bekannt, dass sie sehr potente Antitumor-Wirkstoffe sind.“ Deshalb erwarten die Wissenschaftler, auch weitere wirksame Substanzen in den Bakterien finden zu können. Mit Hilfe dieser neuen Wirkstoffe wollen sie u. a. herausfinden, wie bösartiges Tumorwachstum gestoppt oder die Ausbreitung von Tumorzellen beeinflusst werden kann.

Von den insgesamt acht Teilprojekten des Forschungsvorhabens bearbeiten Prof. Werz und sein Jenaer Team zwei Projekte. „Zum einen wollen wir die Zielstrukturen im Organismus ausfindig machen, mit denen die Wirkstoffe interagieren“, erläutert Projektleiter Werz. Dazu nutzen die Pharmazeuten die Methode des „Target-Fishings“. Dabei werden die entsprechenden Wirkstoffe an einer Matrix fixiert. Wie der Haken an einer Angel dienen diese angebundenen Wirkstoffe anschließend dazu, bestimmte Eiweiße aus Tumorzellen zu fischen. „So lassen sich die potenziellen Wirkorte innerhalb der Tumorzellen identifizieren und Rückschlüsse auf die Wirkungsmechanismen ziehen“, macht Prof. Werz deutlich. In einem weiteren Teilprojekt wollen die Jenaer Pharmazeuten Mechanismen aufklären, nach denen Wirkstoffe aus Myxobakterien auf bestimmte Zellen der Immunabwehr wirken.

Kontakt:
Prof. Dr. Oliver Werz
Institut für Pharmazie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Philosophenweg 14
07743 Jena
Tel.: 03641 / 949801
E-Mail: oliver.werz[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Berichte zu: Medizinschrank Myxobakterium Pharmazeut Teilprojekt Tumorzelle Ursprung Wirkstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Ionen gegen Herzrhythmusstörungen – Nicht-invasive Alternative zu Katheter-Eingriff
20.01.2017 | GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung GmbH

nachricht Leibwächter im Darm mit chemischer Waffe
20.01.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Innovatives Hochleistungsmaterial: Biofasern aus Florfliegenseide

Neuartige Biofasern aus einem Seidenprotein der Florfliege werden am Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP gemeinsam mit der Firma AMSilk GmbH entwickelt. Die Forscher arbeiten daran, das Protein in großen Mengen biotechnologisch herzustellen. Als hochgradig biegesteife Faser soll das Material künftig zum Beispiel in Leichtbaukunststoffen für die Verkehrstechnik eingesetzt werden. Im Bereich Medizintechnik sind beispielsweise biokompatible Seidenbeschichtungen von Implantaten denkbar. Ein erstes Materialmuster präsentiert das Fraunhofer IAP auf der Internationalen Grünen Woche in Berlin vom 20.1. bis 29.1.2017 in Halle 4.2 am Stand 212.

Zum Schutz des Nachwuchses vor bodennahen Fressfeinden lagern Florfliegen ihre Eier auf der Unterseite von Blättern ab – auf der Spitze von stabilen seidenen...

Im Focus: Verkehrsstau im Nichts

Konstanzer Physiker verbuchen neue Erfolge bei der Vermessung des Quanten-Vakuums

An der Universität Konstanz ist ein weiterer bedeutender Schritt hin zu einem völlig neuen experimentellen Zugang zur Quantenphysik gelungen. Das Team um Prof....

Im Focus: Traffic jam in empty space

New success for Konstanz physicists in studying the quantum vacuum

An important step towards a completely new experimental access to quantum physics has been made at University of Konstanz. The team of scientists headed by...

Im Focus: Textiler Hochwasserschutz erhöht Sicherheit

Wissenschaftler der TU Chemnitz präsentieren im Februar und März 2017 ein neues temporäres System zum Schutz gegen Hochwasser auf Baumessen in Chemnitz und Dresden

Auch die jüngsten Hochwasserereignisse zeigen, dass vielerorts das natürliche Rückhaltepotential von Uferbereichen schnell erschöpft ist und angrenzende...

Im Focus: Wie Darmbakterien krank machen

HZI-Forscher entschlüsseln Infektionsmechanismen von Yersinien und Immunantworten des Wirts

Yersinien verursachen schwere Darminfektionen. Um ihre Infektionsmechanismen besser zu verstehen, werden Studien mit dem Modellorganismus Yersinia...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mittelstand 4.0 – Mehrwerte durch Digitalisierung: Hintergründe, Beispiele, Lösungen

20.01.2017 | Veranstaltungen

Nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft Osteuropas und Zentralasiens

19.01.2017 | Veranstaltungen

Künftige Rohstoffexperten aus aller Welt in Freiberg zur Winterschule

18.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

21.500 Euro für eine grüne Zukunft – Unserer Umwelt zuliebe

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

innovations-report im Interview mit Rolf-Dieter Lafrenz, Gründer und Geschäftsführer der Hamburger Start ups Cargonexx

20.01.2017 | Unternehmensmeldung

Niederlande: Intelligente Lösungen für Bahn und Stahlindustrie werden gefördert

20.01.2017 | Förderungen Preise