Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues Krebsgen entdeckt

10.04.2012
Wissenschaftler der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erforschten Gen, das dem Tumorwachstum entgegenwirkt / Veröffentlichung in Brain

Das Team um Professorin Dr. Ruthild Weber von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) hat entdeckt, dass ein Gen mit bislang unbekannter Funktion dem Wachstum von Hirntumoren entgegenwirkt. Die Forscher veröffentlichten ihre Erkenntnis in der Fachzeitschrift „Brain“.

Die Wissenschaftler des MHH-Instituts für Humangenetik haben Zellen untersucht, die von bösartigen Hirntumoren abstammen – von so genannten Glioblastomen. Dabei ist ihnen ein Gen aufgefallen, das in vielen Glioblastomen verändert vorlag. „Wenn ein Gen in einem Tumor inaktiviert ist, ist das ein Hinweis darauf, dass es Tumor-unterdrückend wirkt“, sagt Professorin Weber. Die Genveränderung wurde auch in Tumoren anderer Organe entdeckt. „Möglicherweise ist seine tumorsuppressive Wirkung nicht auf Gehirntumore beschränkt, sondern spielt beispielsweise auch bei Brust- und Darmkrebs eine Rolle“, sagt Professorin Weber. Darüber hinaus gibt es Hinweise dafür, dass das Gen auch Nervenerkrankungen wie Alzheimer beeinflussen könnte.

Die Forscher konnten die tumorsuppressive Funktion des Gens mit weiteren Experimenten belegen. So wuchsen Tumorzellen mit intaktem Gen weniger und waren weniger beweglich. Auch im Mausmodell demonstrierten die Wissenschaftler, dass Tumore mit intaktem Gen nur halb so groß wurden wie solche mit verändertem Gen. Zudem fand das Forscherteam heraus, dass das auf Grundlage des Gens entstehende Protein zu den so genannten fokalen Adhäsionsproteinen gehört. Fokale Adhäsionen sind unterhalb der Zellmembran gelegene Kommunikationszentren, die auch für die Beweglichkeit der Zelle wichtig sind. So erhielt das Protein den Namen ‚Focadhesin’ – abgeleitet von ‚fokalem Adhäsionsprotein’. Nun wollen die Wissenschaftler weitere zellbiologische Eigenschaften des Focadhesins aufklären.

Die Genfunktion zu kennen, bedeutet einen Schritt in Richtung individualisierte Krebsmedikation zu machen: „Es wäre denkbar, dass Patienten, deren Tumoren das veränderte Gen tragen, auf ein neues Krebsmedikament anders ansprechen als Patienten mit Tumoren mit intaktem Gen“, sagt die Humangenetikerin. Somit könnten neue Medikamente gezielter eingesetzt werden.

Die Publikation ist unter anderem in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Krebsforschungszentrum, Heidelberg, an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität in Bonn entstanden, wo die Humangenetikerin bis Ende des Jahres 2011 Professorin am Institut für Humangenetik war. Die Ergebnisse zur Zellbeweglichkeit haben sie nach Hannover geführt, da es an der MHH renommierte Arbeitsgruppen gibt, die sich mit diesem Thema beschäftigen.

Weitere Informationen erhalten Sie bei Professorin Dr. Ruthild Weber, Telefon (0511) 532-7848, E-Mail Weber.Ruthild@mh-hannover.de

Stefan Zorn | idw
Weitere Informationen:
http://www.mh-hannover.de

Weitere Berichte zu: Gen FTO Glioblastom Hirntumor Humangenetik Humangenetikerin Krebsgen Protein

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt
26.07.2017 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Auslöser für Resistenz gegen Krebs-Immuntherapie entdeckt
26.07.2017 | Universität Zürich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Biomarker zeigen Aggressivität des Tumors an

26.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Schwere Infektionen bei Kindern auch in der Schweiz verbreitet

26.07.2017 | Medizin Gesundheit

Seltener Weizenfund in bronzezeitlicher Lunch-Box aus dem Schweizer Hochgebirge

26.07.2017 | Geowissenschaften