Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neues aus der Krebsforschung: Das Protein CDK6 zeigt bisher unbekannte Funktionen in der Zelle

13.08.2013
In jeder Zelle gibt es Proteine, die das Gleichgewicht zwischen Zellteilung, Differenzierung und Zelltod sicherstellen. Ist diese sensible Balance gestört, kann Krebs entstehen.

Forscher der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) untersuchten die Rolle des lang bekannten wachstumsregulierenden Proteins CDK6 genauer und fanden bisher unbekannte Funktionen. CDK6 steuert nicht nur die Zellteilung, sondern kann auch das Wachstum von Blutgefäßen stimulieren und das Zellwachstum hemmen. Die Erkenntnisse könnten zukünftige Krebstherapien entscheidend verändern. Das Wiener Forscherteam veröffentlichte die Resultate heute im renommierten Journal Cancer Cell.


Rot markierte Blutgefäßzellen im Tumorgewebe. Auch ohne Kinaseaktivität - ist in diesen Zellen ausgeschaltet - fördert CDK6 das Blutgefäßwachstum. Vetmeduni Vienna/Kollmann

„Man weiß seit langem, dass CDK6 bei vielen Krebserkrankungen eine Rolle spielt, da es die Zellteilung antreibt. Das Protein ist besonders bei Blutkrebserkrankungen in höheren Mengen in den Zellen vorhanden. Viele Krebsforscher arbeiten daran, dieses Protein in den Zellen zu bremsen, indem sie spezielle Hemmstoffe gegen CDK6 designen. Wir konnten erstmals zeigen, dass CDK6 viel mehr kann und tut als bisher angenommen. Die von uns nun entdeckten Funktionen öffnen auch neue Türen für die Krebstherapie“, erklärt die Leiterin des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie, Veronika Sexl.

Krebs entsteht durch Zellen im Ungleichgewicht

Jede Zelle des Körpers besitzt Mechanismen, die das Gleichgewicht zwischen Zellteilung, Differenzierung und Zelltod steuern. Nur wenn diese Regulation funktioniert, gibt es funktionierende Gewebe, Organe und letztlich gesunde Organismen. Störungen im diesem sensiblen Gleichgewicht führen zur Entartung der Zellen und können Krebserkrankungen auslösen. Die Zellen teilen sich dann unaufhaltsam und ohne Rücksicht auf den Gesamtorganismus. Die Proteinfamilie der Cyklin abhängigen Kinasen (CDKs) steuert die Zellteilung und kontrolliert den Zellzyklus. Fehler bei der Steuerung führen zu vermehrter Zellteilung und Entartung der Zellen. Deshalb haben die Krebsforscher die CDKs fest im Blick.

CDK6 steuert Wachstum von Blutgefäßen

CDK6 kann aber nicht nur Zellwachstum beschleunigen, es kann auch Blutgefäße wachsen lassen. Veronika Sexl und Karoline Kollmann von der Vetmeduni Vienna fanden jetzt heraus, dass CDK6 die Bildung eines Faktors (VEGF-A) ermöglicht, der in der Lage ist, Blutgefäßwachstum zu fördern. Dieser Faktor wird häufig von Tumorzellen produziert, um Blutgefäße anzulocken, die den Tumor dann mit Nährstoffen versorgen. CDK6 ist das erste Protein, das zur Versorgung des Tumors beitraegt und gleichzeitig die Zellteilung der Tumorzellen steuert. Die Wissenschafter zeigten außerdem, dass CDK6 ein Protein namens p16INK4a hochreguliert. Dieses Protein wirkt der Zellteilung entgegen. Mit anderen Worten: Die Zelle schützt sich zunächst selbst vor der tumorauslösenden Wirkung von CDK6, indem begleited p16INK4a hochreguliert wird. Fehlt p16INK4a – was bei Blutkrebs sehr häufig der Fall ist – kommt die krebsauslösende Wirkung von CDK6 voll zum Tragen.

CDK6 aktiver als gedacht

Ein weiterer wichtiger Aspekt der Forschung von Sexl und ihren Kollegen ist die Entdeckung, dass CDK6 auch neue/zusätzlche Funktionsweisen hat. CDK6 ist eine Kinase. Das heißt, ein Enzym, das andere Proteine aktivieren kann. Bis vor kurzem dachte man, dass CDKs nur als Kinase aktiv sein können. Als die Forscher die Kinaseaktivität von CDK6 ausschalteten, konnten sie zwar das Tumorzellwachstum blockieren, aber das Wachstum der Blutgefäße in den Tumoren nicht stoppen.. „Diese Erkenntnis stellt das Enzym in ein völlig neues Licht. Zukünftige Medikamente gegen Krebs können genau auf diese neue Funktionsweise von CDK6 abzielen“, meint Sexl.

Der Artikel „A new kinase-independent function of CDK6 links the cell cycle to tumor angiogenesis“ von Karoline Kollmann, Gerwin Heller, Christine Schneckenleithner, Wolfgang Warsch, Ruth Scheicher, Rene G. Ott, Markus Schäfer, Sabine Fajmann, Michaela Schlederer, Ana-Iris Schiefer, Ursula Reichart, Matthias Mayerhofer, Christoph Hoeller, Sabine Zoechbauer-Mueller, Dontscho Kerjaschki, Christoph Bock, Lukas Kenner, Gerald Hoefler, Michael Freissmuth, Anthony R. Green, Richard Moriggl, Meinrad Busslinger, Marcos Malumbres und Veronika Sexl wurde heute im Journal Cancer Cell veröffentlicht.

http://www.cell.com/cancer-cell/abstract/S1535-6108%2813%2900321-8

Wissenschaftlicher Kontakt:

Univ.Prof.Dr. Veronika Sexl
Institut für Pharmakologie und Toxikologie
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-2910
Veronika.Sexl@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr.rer.nat. Susanna Kautschitsch
Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt
16.10.2017 | Leibniz-Institut für Neurobiologie

nachricht Keimfreie Bruteier: Neue Alternative zum gängigen Formaldehyd
16.10.2017 | Technische Universität Graz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Smarte Sensoren für effiziente Prozesse

Materialfehler im Endprodukt können in vielen Industriebereichen zu frühzeitigem Versagen führen und den sicheren Gebrauch der Erzeugnisse massiv beeinträchtigen. Eine Schlüsselrolle im Rahmen der Qualitätssicherung kommt daher intelligenten, zerstörungsfreien Sensorsystemen zu, die es erlauben, Bauteile schnell und kostengünstig zu prüfen, ohne das Material selbst zu beschädigen oder die Oberfläche zu verändern. Experten des Fraunhofer IZFP in Saarbrücken präsentieren vom 7. bis 10. November 2017 auf der Blechexpo in Stuttgart zwei Exponate, die eine schnelle, zuverlässige und automatisierte Materialcharakterisierung und Fehlerbestimmung ermöglichen (Halle 5, Stand 5306).

Bei Verwendung zeitaufwändiger zerstörender Prüfverfahren zieht die Qualitätsprüfung durch die Beschädigung oder Zerstörung der Produkte enorme Kosten nach...

Im Focus: Smart sensors for efficient processes

Material defects in end products can quickly result in failures in many areas of industry, and have a massive impact on the safe use of their products. This is why, in the field of quality assurance, intelligent, nondestructive sensor systems play a key role. They allow testing components and parts in a rapid and cost-efficient manner without destroying the actual product or changing its surface. Experts from the Fraunhofer IZFP in Saarbrücken will be presenting two exhibits at the Blechexpo in Stuttgart from 7–10 November 2017 that allow fast, reliable, and automated characterization of materials and detection of defects (Hall 5, Booth 5306).

When quality testing uses time-consuming destructive test methods, it can result in enormous costs due to damaging or destroying the products. And given that...

Im Focus: Cold molecules on collision course

Using a new cooling technique MPQ scientists succeed at observing collisions in a dense beam of cold and slow dipolar molecules.

How do chemical reactions proceed at extremely low temperatures? The answer requires the investigation of molecular samples that are cold, dense, and slow at...

Im Focus: Kalte Moleküle auf Kollisionskurs

Mit einer neuen Kühlmethode gelingt Wissenschaftlern am MPQ die Beobachtung von Stößen in einem dichten Strahl aus kalten und langsamen dipolaren Molekülen.

Wie verlaufen chemische Reaktionen bei extrem tiefen Temperaturen? Um diese Frage zu beantworten, benötigt man molekulare Proben, die gleichzeitig kalt, dicht...

Im Focus: Astronomen entdecken ungewöhnliche spindelförmige Galaxien

Galaxien als majestätische, rotierende Sternscheiben? Nicht bei den spindelförmigen Galaxien, die von Athanasia Tsatsi (Max-Planck-Institut für Astronomie) und ihren Kollegen untersucht wurden. Mit Hilfe der CALIFA-Umfrage fanden die Astronomen heraus, dass diese schlanken Galaxien, die sich um ihre Längsachse drehen, weitaus häufiger sind als bisher angenommen. Mit den neuen Daten konnten die Astronomen außerdem ein Modell dafür entwickeln, wie die spindelförmigen Galaxien aus einer speziellen Art von Verschmelzung zweier Spiralgalaxien entstehen. Die Ergebnisse wurden in der Zeitschrift Astronomy & Astrophysics veröffentlicht.

Wenn die meisten Menschen an Galaxien denken, dürften sie an majestätische Spiralgalaxien wie die unserer Heimatgalaxie denken, der Milchstraße: Milliarden von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresbiologe Mark E. Hay zu Gast bei den "Noblen Gesprächen" am Beutenberg Campus in Jena

16.10.2017 | Veranstaltungen

bionection 2017 erstmals in Thüringen: Biotech-Spitzenforschung trifft in Jena auf Weltmarktführer

13.10.2017 | Veranstaltungen

Tagung „Energieeffiziente Abluftreinigung“ zeigt, wie man durch Luftreinhaltemaßnahmen profitieren kann

13.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

ESO-Teleskope beobachten erstes Licht einer Gravitationswellen-Quelle

16.10.2017 | Physik Astronomie

Was läuft schief beim Noonan-Syndrom? – Grundlagen der neuronalen Fehlfunktion entdeckt

16.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Gewebe mit Hilfe von Stammzellen regenerieren

16.10.2017 | Förderungen Preise