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Neues Krebs-Gen in Blutkrebserkrankungen identifiziert

08.07.2010
Forscher des Uniklinikums Jena findet neue Genmutation in Leukämien

In einer Studie zu den genetischen Ursachen von Blutkrebserkrankungen ist es einem Wissenschaftler des Universitätsklinikums Jena gelungen, eine neue Genmutation zu identifizieren, die in direktem Zusammenhang mit der Entstehung von Leukämien steht.

Überraschend ist dabei die Erkenntnis, dass diesem Gen EZH2 auf Chromosom 7 eine Doppelfunktion zuzukommen scheint: Nach den neuen Erkenntnissen hat das Gen bei Blutkrebserkrankungen eine tumorhemmende Funktion, während es bei anderen Krebserkrankungen wie Prostata- und Brustkrebs bisher als Tumorauslöser bekannt war.

In der am 4. Juli in der Fachzeitschrift Nature Genetics veröffentlichten Studie weist Dr. Thomas Ernst anhand von DNA-Untersuchungen eine direkte Beteiligung des EZH2-Gens an der Entstehung von Knochenmarktumoren nach. „Wir wussten, dass bei diesen Erkrankungen häufig Veränderungen des Chromosoms 7 auftreten“, so der Mediziner. „Jetzt ist es uns erstmals gelungen tatsächlich ein Gen zu identifizieren, das die Entwicklungsvorgänge bei diesen Blutkrebserkrankungen steuert.“ Dafür hat Dr. Ernst mit seinen Kollegen an der University of Southampton (England), wo er in den vergangenen drei Jahren als Stipendiat der Deutschen Krebshilfe geforscht hat, Erbmaterial von über 600 Patienten aus mehreren europäischen Ländern mit vom Knochenmark ausgehenden Blutkrebserkrankungen untersucht. Bei 12 Prozent fanden die Wissenschaftler eine funktionseinschränkende Mutation des EZH2-Gens auf Chromosom 7.

„Dadurch werden offenbar Störungen des Wachstums der Knochenmarkzellen und damit die Krebsentstehung verursacht“, erläutert Dr. Ernst. „Diese Entdeckung hilft nicht nur, die Entstehung der Krebserkrankungen zu verstehen, sondern ist auch wichtig für die Entwicklung von künftigen Therapien.“ Dr. Thomas Ernst rechnet mit einer schnellen klinischen Anwendung seiner Erkenntnisse, da es bereits Substanzen gibt, die geeignet scheinen, die neu beschriebene Funktionsstörung zu beheben. „In der Therapie sprachen einige Patienten sehr gut auf diese Medikamente an, der Grund dafür war allerdings bisher unklar“, so der Wissenschaftler. „Jetzt liegt die Vermutung nahe, dass es sich hier um jene Patienten handelt, bei denen die entdeckte Mutation vorliegt.“

„Dieses bessere Verständnis eröffnet nun neue Behandlungsoptionen für Patienten, die bisher oft eher schlechte Heilungschancen haben“, ergänzt Prof. Dr. Andreas Hochhaus, Direktor der Abteilung Hämatologie und internistische Onkologie am Universitätsklinikum Jena, an der Dr. Ernst seit Anfang 2010 nach seiner Rückkehr aus England tätig ist. „Die Forschungen zu den interessanten und überraschenden Ergebnisse aus der bisherigen Arbeit von Dr. Ernst werden jetzt in Jena fortgesetzt“, so Prof. Hochhaus. Überraschend sind die Ergebnisse, weil die in der Studie identifizierte Doppelfunktion eines Gens sowohl als Tumorsuppressorgen (Tumorhemmer) als auch als Onkogen (Tumorauslöser) in dieser Form erstmals beschrieben wurde.

„Wir werden die Untersuchungen jetzt in einem neu eingerichteten Forschungslabor am Universitätsklinikum Jena weiterführen“, betont Prof. Andreas Hochhaus. „Unser Ziel ist es, in weiteren Schritten in klinischen Studien auf der Grundlage dieser molekularen Befunde die Möglichkeit der Entwicklung spezifischer und individualisierter Therapien zu untersuchen.“ Das Universitätsklinikum Jena ist seit Anfang 2010 Mitglied des von der EU geförderten European LeukemiaNet und hat somit beste internationale Kooperationsmöglichkeiten auf dem Gebiet der Leukämieforschung.

Ansprechpartner:
Dr. Thomas Ernst
Abteilung Hämatologie und internistische Onkologie, Klinik für Innere Medizin II, Universitätsklinikum Jena
Tel. 03641/9324563
E-Mail: Thomas.Ernst@med.uni-jena.de

Helena Reinhardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

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