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Neues Antibiotikum gegen den Erreger des Tsutsugamushi-Fiebers gefunden

01.02.2018

Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Naturstoff Corallopyronin A hochwirksam gegen das Tsutsugamushi-Fieber ist.

Das Tsutsugamushi-Fieber – auch „Busch-Typhus“ genannt – ist eine mit dem Fleckfieber verwandte Infektionserkrankung, die in weiten Teilen Asiens vorkommt. Schätzungen gehen weltweit von ca. einer Million Fällen jährlich aus. Auch als importierte Infektion bei Urlaubern spielt die durch Milben übertragene Krankheit eine Rolle.


Corallopyronin A hemmt das intrazelluläre Wachstum von Orientia tsutsugamushi. Links: Nach Behandlung der Kulturen sind die rot angefärbten Erreger nur noch ganz vereinzelt im Zellplasma nachweisbar.

Copyright © 2018 American Society for Microbiology, Antimicrob. Agents Chemother. https://doi.org/10.1128/AAC.01732-17.

Gegen den Auslöser der Erkrankung, das Bakterium Orientia tsutsugamushi, sind nicht viele Antibiotika-Klassen wirksam. Berichte über Resistenzen gegen Standardmedikamente schränken die Therapiemöglichkeiten weiter ein. Ohne antibiotische Therapie besteht die Gefahr eines tödlichen Verlaufs der Infektion.

Die Arbeitsgruppe um Dr. Christian Keller, Institut für Virologie an der Philipps-Universität Marburg, und Prof. Dr. Bernhard Fleischer, Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin, Hamburg, konnte nun in Kooperation mit DZIF-Forschern aus Bonn, Jena und Gießen zeigen, dass mit dem Naturstoff-Antibiotikum Corallopyronin A eine neue, hochwirksame Substanz zur Verfügung steht, um das Tsutsugamushi-Fieber zu bekämpfen.

Corallopyronin A wurde aus einem Umweltbakterium isoliert und greift ein bakterielles Enzym, die RNA-Polymerase, an. In präklinischen Versuchen wirkte das neue Antibiotikum schon in sehr geringen Dosen gegen Orientia tsutsugamushi.

„Das Tsutsugamushi-Fieber zählt zu den vernachlässigten tropischen Infektionserkrankungen. Weltweit forschen nur wenige Arbeitsgruppen an dieser unterschätzten Infektion“, erklärt Christian Keller. Er ist überzeugt davon, dass das DZIF mit seiner exzellenten Vernetzung sehr gute Bedingungen bietet, um neue Therapieansätze für solche exotischen Infektionen zu entwickeln.

So konnten Bonner DZIF-Wissenschaftler um Prof. Dr. Achim Hörauf, der ein Patent auf Corallopyronin A hält, bereits vor einigen Jahren zeigen, dass die Substanz auch gegen Würmer aus der Gruppe der Filarien wirkt. Aktuell wird das Herstellungsverfahren dafür weiterentwickelt, um eine Produktion im industriellen Maßstab zu ermöglichen.

Publikation:
Kock F, Hauptmann M, Osterloh A, Schäberle TF, Poppert S, Frickmann H, Menzel KD, Peschel G, Pfarr K, Schiefer A, König GM, Hoerauf A, Fleischer B, Keller C. Orientia tsutsugamushi is highly susceptible to the RNA polymerase switch region inhibitor Corallopyronin A in vitro and in vivo. Antimicrob Agents Chemother. 2018 Jan 22. pii: AAC.01732-17. doi: 10.1128/AAC.01732-17. [Epub ahead of print]

Kontakt:
Dr. Christian Keller
Institut für Virologie
Universitätsklinikum Marburg und Gießen
Philipps-Universität Marburg
Deutsches Zentrum für Infektionsforschung, Standort Gießen-Marburg-Langen
E-Mail: christian.keller@staff.uni-marburg.de

Bildnachweis und ausführliche Bildunterschrift:
Corallopyronin A hemmt das intrazelluläre Wachstum von Orientia tsutsugamushi.
Orientia tsutsugamushi wurde unter Sicherheitsbedingungen der Stufe 3 in Wirtszellen aus der Maus angezüchtet. Die Kulturen wurden vier Tage lang mit dem neuen Antibiotikum Corallopyronin A (CorA) behandelt oder unbehandelt gelassen. Links: Nach Behandlung mit CorA sind die rot angefärbten Erreger nur noch ganz vereinzelt im Zellplasma nachweisbar. Rechts: Im Gegensatz dazu sind viele rote Orientien in unbehandelten Zellen zu sehen. Die Zellkerne sind blau gefärbt, das Zellgerüst aus Aktinfilamenten stellt sich in grün dar.

Copyright © 2018 American Society for Microbiology, Antimicrob. Agents Chemother. https://doi.org/10.1128/AAC.01732-17.
Das Bild darf nur für die Berichterstattung über die wissenschaftliche Veröffentlichung verwendet werden.

Weitere Informationen:

https://doi.org/10.1128/AAC.01732-17 Publikation

Karola Neubert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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