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Neuer Wirkstoff überwindet Therapieresistenz bei Leukämie

27.11.2014

Die Heilungschancen von Patienten mit Philadelphia Chromosom-positiver Leukämie (Ph+) haben sich in den letzten Jahren stark verbessert. Dennoch entwickelt ein großer Anteil von Patienten Resistenzen gegen die vorhandenen Medikamente.

Hämatologen der Goethe-Universität Frankfurt haben nun gemeinsam mit einer russischen Pharmafirma einen neuen Wirkstoff entwickelt, der sowohl in vitro als auch in vivo die aggressivsten Formen der Philadelphia Chromosom-positiven Leukämie sehr effektiv bekämpft. Sie berichten darüber in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Leukemia“.

Patienten mit dem Philadelphia Chromosom entwickeln chronisch myeloische (CML) oder akute lymphatische Leukämie (Ph+ ALL). Diese gehören zu den ersten Leukämieformen, die dank der Entwicklung gezielter molekularer Therapieansätze behandelt werden können.

Die Wirkstoffe, selektive Kinase-Inhibitoren, greifen direkt am Krebs-induzierenden Gen BCR/ABL an. Doch bei vielen Patienten wird die Therapie nach einer gewissen Zeit unwirksam - entweder aufgrund von Mutationen im BCR/ABL oder durch andere, noch weitgehend unbekannte Mechanismen.

Zurzeit ist nur eine Substanz, Ponatinib, in der Lage, alle klinische Resistenzen weitgehend zu überwinden. Leider ist Ponatinib wegen seiner zum Teil lebensgefährlichen Nebenwirkungen nur mit großer Vorsicht einsetzbar.

Fusion Pharma, mit Sitz in Moskau, hat einen neuartigen Kinase-Inhibitor, PF-114, mit dem Ziel entwickelt, die gleiche Wirkung auf Ph+ Leukämien zu entfalten wie Ponatinib, aber gleichzeitig die Nebenwirkungen zu reduzieren.

In der aktuellen Ausgabe von „Leukemia“ berichtet ein Team um Dr. Afsar Mian, Prof. Oliver Ottmann und Privatdozent Dr. Martin Ruthardt von der Abteilung Hämatologie der Medizinischen Klinik II, dass PF-114 ähnlich gut gegen resistente Ph+ Leukämie wirkt wie Ponatinib.

„Diese Ergebnisse liefern die Grundlage für den Einsatz von PF-114 bei Therapie-resistenten Patienten mit Ph+ Leukämie. Die gute Wirksamkeit und das gute Nebenwirkungsprofil muss jetzt in klinischen Phase I Studien am Menschen weiter untersucht werden“, erklärt Dr. Ruthardt.

„Ohne die Frankfurter Kollegen, wäre PF-114 nie so weit gekommen. Auf der Basis dieser Daten werden wir im Laufe des 1. Halbjahrs 2015 eine internationale Phase I Studie starten können“, ergänzt Dr. Ghermes Chilov, CEO von Fusion Pharma, die das Projekt finanziert hat.

Publikation:
Mian et al.: PF-114, a potent and selective inhibitor of native and mutated BCR/ABL is active against Philadelphia chromosome- positive (Ph+) leukemias harboring the T315I mutation, in Leukemia, 14. November 2014, doi: 10.1038/leu.2014.326.

Informationen: Privatdozent Dr. Martin Ruthardt, Hämatologie/Medizinische Klinik II, Universitätsklinik, Tel. (069)6301–5338, ruthardt@em.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 2014 feiert sie ihren 100. Geburtstag. 1914 gegründet mit rein privaten Mitteln von freiheitlich orientierten Frankfurter Bürgerinnen und Bürgern fühlt sie sich als Bürgeruniversität bis heute dem Motto „Wissenschaft für die Gesellschaft“ in Forschung und Lehre verpflichtet. Viele der Frauen und Männer der ersten Stunde waren jüdische Stifter. In den letzten 100 Jahren hat die Goethe-Universität Pionierleistungen erbracht auf den Feldern der Sozial-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, Chemie, Quantenphysik, Hirnforschung und Arbeitsrecht. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Heute ist sie eine der zehn drittmittelstärksten und drei größten Universitäten Deutschlands mit drei Exzellenzclustern in Medizin, Lebenswissenschaften sowie Geisteswissenschaften.“

Mehr Informationen unter www2.uni-frankfurt.de/gu100

Herausgeber: Der Präsident
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60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 12498, Telefax (069) 798 – 763 12531, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de
Internet: www.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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