Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer SFB - Wie verpackte Gene gesteuert werden

31.05.2013
Die Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München ist Sprecherhochschule des neu eingerichteten Sonderforschungsbereichs (SFB) „Chromatindynamik“, der erforscht, wie die Verpackung von Genen deren Aktivität reguliert.

Das fadenförmige Erbmolekül DNA passt nur in den Zellkern höherer Organismen, wenn es als eng verpackter DNA-Protein-Komplex vorliegt, der als Chromatin bezeichnet wird. Dazu wird die DNA um einen Kern aus Histon-Proteinen zu sogenannten Nukleosomen gewickelt und durch spezielle Proteine dicht gepackt. Diese Verpackung schützt einerseits die DNA.

Andererseits muss die Aktivierung oder Stilllegung bestimmter Gene möglich bleiben, und auch für die Zellteilung und die DNA-Reparatur muss die Erbsubstanz zugänglich sein. Daher kann Chromatin flexibel seine Struktur und Zusammensetzung ändern und so den Zugang zu den jeweils benötigten Genen steuern – dieser Vorgang ist essentiell für alle Lebensprozesse in der Zelle.

Welche Mechanismen dem Chromatin die notwendige Plastizität verleihen, wird nun im Rahmen des neu eingerichteten SFB „Chromatindynamik“ erforscht. „Bislang nahm man an, dass Chromatin im Zellkern die meiste Zeit in stabilen Zuständen vorliegt. Neue Erkenntnisse gehen jedoch von einer wesentlich größeren Dynamik aus“, sagt Peter Becker vom Adolf-Butenandt-Institut der LMU, der Sprecher des neuen SFB. Damit das Chromatin etwa auf Stoffwechselsignale, veränderte Umweltbedingungen oder Entwicklungsprozesse reagieren kann, wird es immer wieder umgeformt und chemisch modifiziert.

Hier setzt die Grundlagenforschung des SFB an: Die Forscher erhoffen sich einen Einblick in die grundlegenden Struktureigenschaften und die Dynamik des Chromatins – und zwar beginnend bei der Betrachtung einzelner Atome über die Molekülebene bis hin zu mikroskopisch darstellbaren Zellkern-Strukturen. Im Fokus stehen dabei drei Themenschwerpunkte: Der Umbau von Nukleosomen, Histonmodifikationen sowie die Dynamik von Chromatin-Strukturen, die die Genaktivität hemmen.

Ein für uns sehr wichtiger Aspekt und eine besondere Stärke des SFB ist die interdisziplinäre Untersuchung vieler verschiedener Aspekte der Chromatindynamik, die sich gegenseitig beeinflussen“, sagt Becker, „wir untersuchen ein komplexes System, das sich nur entschlüsseln lässt, wenn alle regulatorischen Mechanismen einbezogen werden können“.

Deshalb legen die Wissenschaftler großen Wert auf einen intensiven Austausch zwischen den beteiligten Gruppen, die gemeinsam eine große Bandbreite an theoretischer, methodischer und technologischer Expertise in das Projekt einbringen. München hat seit langem eine starke Position als Standort für Chromatinforschung und viele der nun beteiligten Gruppen kooperierten bereits in der Vergangenheit. Damit ist der SFB in einem idealen wissenschaftlichen Umfeld angesiedelt.

Der neue SFB „Chromatindynamik“ wird am 1. Oktober seine Arbeit aufnehmen und bis 2017 mit rund 10 Millionen Euro gefördert werden. Neben der LMU als Sprecherhochschule sind das Helmholtz Zentrum München sowie das Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried beteiligt.

Kontakt:
Prof. Dr. Peter Becker
Adolf-Butenandt-Institut
Lehrstuhl für Molekularbiologie
Telefon: 089-2180-75-427
Fax: 089-2180-75-425
E-Mail: pbecker@med.uni-muenchen.de

Luise Dirscherl | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers
28.04.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Forschungsteam entdeckt Mechanismus zur Aktivierung der Reproduktion bei Pflanzen
28.04.2017 | Universität Hamburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: TU Chemnitz präsentiert weltweit einzigartige Pilotanlage für nachhaltigen Leichtbau

Wickelprinzip umgekehrt: Orbitalwickeltechnologie soll neue Maßstäbe in der großserientauglichen Fertigung komplexer Strukturbauteile setzen

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesexzellenzclusters „Technologiefusion für multifunktionale Leichtbaustrukturen" (MERGE) und des Instituts für...

Im Focus: Smart Wireless Solutions: EU-Großprojekt „DEWI“ liefert Innovationen für eine drahtlose Zukunft

58 europäische Industrie- und Forschungspartner aus 11 Ländern forschten unter der Leitung des VIRTUAL VEHICLE drei Jahre lang, um Europas führende Position im Bereich Embedded Systems und dem Internet of Things zu stärken. Die Ergebnisse von DEWI (Dependable Embedded Wireless Infrastructure) wurden heute in Graz präsentiert. Zu sehen war eine Fülle verschiedenster Anwendungen drahtloser Sensornetzwerke und drahtloser Kommunikation – von einer Forschungsrakete über Demonstratoren zur Gebäude-, Fahrzeug- oder Eisenbahntechnik bis hin zu einem voll vernetzten LKW.

Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction geklungen hätte, ist in seinem Ansatz bereits Wirklichkeit und wird in Zukunft selbstverständlicher Teil...

Im Focus: Weltweit einzigartiger Windkanal im Leipziger Wolkenlabor hat Betrieb aufgenommen

Am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) ist am Dienstag eine weltweit einzigartige Anlage in Betrieb genommen worden, mit der die Einflüsse von Turbulenzen auf Wolkenprozesse unter präzise einstellbaren Versuchsbedingungen untersucht werden können. Der neue Windkanal ist Teil des Leipziger Wolkenlabors, in dem seit 2006 verschiedenste Wolkenprozesse simuliert werden. Unter Laborbedingungen wurden z.B. das Entstehen und Gefrieren von Wolken nachgestellt. Wie stark Luftverwirbelungen diese Prozesse beeinflussen, konnte bisher noch nicht untersucht werden. Deshalb entstand in den letzten Jahren eine ergänzende Anlage für rund eine Million Euro.

Die von dieser Anlage zu erwarteten neuen Erkenntnisse sind wichtig für das Verständnis von Wetter und Klima, wie etwa die Bildung von Niederschlag und die...

Im Focus: Nanoskopie auf dem Chip: Mikroskopie in HD-Qualität

Neue Erfindung der Universitäten Bielefeld und Tromsø (Norwegen)

Physiker der Universität Bielefeld und der norwegischen Universität Tromsø haben einen Chip entwickelt, der super-auflösende Lichtmikroskopie, auch...

Im Focus: Löschbare Tinte für den 3-D-Druck

Im 3-D-Druckverfahren durch Direktes Laserschreiben können Mikrometer-große Strukturen mit genau definierten Eigenschaften geschrieben werden. Forscher des Karlsruher Institus für Technologie (KIT) haben ein Verfahren entwickelt, durch das sich die 3-D-Tinte für die Drucker wieder ‚wegwischen‘ lässt. Die bis zu hundert Nanometer kleinen Strukturen lassen sich dadurch wiederholt auflösen und neu schreiben - ein Nanometer entspricht einem millionstel Millimeter. Die Entwicklung eröffnet der 3-D-Fertigungstechnik vielfältige neue Anwendungen, zum Beispiel in der Biologie oder Materialentwicklung.

Beim Direkten Laserschreiben erzeugt ein computergesteuerter, fokussierter Laserstrahl in einem Fotolack wie ein Stift die Struktur. „Eine Tinte zu entwickeln,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationaler Tag der Immunologie - 29. April 2017

28.04.2017 | Veranstaltungen

Kampf gegen multiresistente Tuberkulose – InfectoGnostics trifft MYCO-NET²-Partner in Peru

28.04.2017 | Veranstaltungen

123. Internistenkongress: Traumata, Sprachbarrieren, Infektionen und Bürokratie – Herausforderungen

27.04.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Über zwei Millionen für bessere Bordnetze

28.04.2017 | Förderungen Preise

Symbiose-Bakterien: Vom blinden Passagier zum Leibwächter des Wollkäfers

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wie Pflanzen ihre Zucker leitenden Gewebe bilden

28.04.2017 | Biowissenschaften Chemie