Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Rundkopf-Nilhecht entdeckt – Veränderte Umweltbedingungen förderten die Entwicklung

10.01.2014
Veränderungen von Umweltbedingungen können zur Entstehung neuer Tierarten führen.

Eine ideales Ökosystem zur Untersuchung dieser sogenannten parapatrischen Artenbildung scheint der afrikanische Kwando-Fluss zu sein, wie jetzt Zoologen der Universitäten in Regensburg, Heidelberg und Johannesburg bei der Entdeckung einer neuen Nilhecht-Art festgestellt haben.


Foto der neuen Art Pollimyrus cuandoensis

Bildnachweis: Universität Regensburg – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung.


Foto des Kwando-Flusses

Universität Regensburg – Zur ausschließlichen Verwendung im Rahmen der Berichterstattung zu dieser Pressemitteilung.

Ihre Forschungsergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift „Journal of Natural History“ veröffentlicht (DOI: 10.1080/00222933.2013.807950).

Der Kwando fließt durch Angola und Namibia und wird über weite Strecken vom Okavango (westlich) und vom Sambesi (östlich) flankiert. Von beiden Megasystemen wird er deshalb nicht selten mit Wasser versorgt; besonders häufig überschwemmt der Sambesi den Kwando. Entsprechend können sich auch Tierpopulationen ausbreiten, die in den verschiedenen Flussläufen mitunter unterschiedliche Umweltbedingungen vorfinden.

Sowohl im Okavango (Pollimyrus castelnaui) als auch im Sambesi (Pollimyrus marianne) konnten bereits unterschiedliche Arten der Gattung der Rundkopf-Nilhechte nachgewiesen werden. Die nur etwa 6 bis 7 cm großen Fische gehören zur Familie der Nilhechte, die schwachelektrische Organe zur Kommunikation und zur Elektroortung nutzen. Gemeinsam mit seinen Kollegen wurde Prof. Dr. Bernd Kramer vom Institut für Zoologie der Universität Regensburg jetzt auch an vier verschiedenen Stellen des unteren Flusslaufes des Kwando fündig.

Nach Ansicht der Forscher handelt es sich beim Kwando-Phänotyp allerdings – trotz der geografischen Nähe zu Okavango und Sambesi und der zumeist parallel verlaufenden Ströme der drei Flüsse – um eine eigenständige Art. So unterscheidet sich Pollimyrus cuandoensis mit Blick auf den Körperbau und die schwachelektrischen Entladungen deutlich von den beiden anderen Arten.

„Diese drei Nilhecht-Arten des Okavango, des Sambesi und des Kwando sind sicherlich eng miteinander verwandt“, erklärt Kramer. „Unsere Genomanalysen haben allerdings gezeigt, dass Pollimyrus cuandoensis eine Eigenständigkeit nicht abzusprechen ist.“

Einen interessanten Einblick in die Entwicklung von Pollimyrus cuandoensis gibt auch das Paarungsverhalten der drei Arten. Während die „äußeren Arten“ des Okavango und des Sambesi einer Paarung mit dem Exemplar aus dem Kwando aus dem Weg gehen, lehnt Pollimyrus cuandoensis den Kontakt zu den beiden anderen Arten nicht ab. Die Forscher werten dies als einen direkten Hinweis auf einen – wenn auch möglicherweise noch nicht vollständig abgeschlossenen – Prozess der parapatrischen Artenbildung.

Scheinbar unterlagen die Teilpopulationen in ihren Ökosystemen einem jeweils unterschiedlichen Anpassungsdruck und entwickelten sich daher zunehmend unabhängig voneinander weiter. So differenzierte sich zunächst aus – in den Sambesi ausgewanderten – Pollimyrus castelnaui eine neue Art, Pollimyrus marianne, die sich in der Kontaktzone – dem Kwando-Fluss – mit Pollimyrus castelnaui kreuzte. Daraus entstand im zweiten Schritt die Hybridart Pollimyrus cuandoensis. Die Hybrid-Bildung war unidirektional, da Pollimyrus cuandoensis die gleiche mitochondriale Genausstattung wie Pollimyrus marianne besitzt, die rein maternal vererbt wird. Pollimyrus marianne stellte demnach die Mütter, Pollimyrus castelnaui die Väter.

Die Forscher gehen davon aus, dass sich Pollimyrus cuandoensis auf diese Weise vor etwa 2,1 Mio. Jahren von Pollimyrus marianne abgetrennt hatte und eine morphologisch, elektrisch und auch genetisch nachweisbare differenzierende Entwicklung durchmachte.

Der Original-Artikel unter:
www.tandfonline.com/doi/abs/10.1080/00222933.2013.807950#.Us5xWBCFfps
Ansprechpartner für Medienvertreter:
Prof. Dr. Bernd Kramer i.R.
Universität Regensburg
Institut für Zoologie
Tel.: 0941 943-2263 (oder 0941 91572)
Bernd.Kramer@biologie.uni-regensburg.de

Alexander Schlaak | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-regensburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie