Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Hemmstoff, neue Hoffnung

13.09.2017

Forscher finden neue Therapiemöglichkeit für aggressiven dreifach negativen Brustkrebs

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Exzellenzclusters BIOSS Centre for Biological Signalling Studies der Albert-Ludwigs-Universität und des Universitätsklinikums Freiburg haben gezeigt, dass die Hemmung des epigenetischen Regulators KDM4 eine neue Therapiemöglichkeit für Brustkrebspatientinnen darstellen könnte.


Brustkrebsstammzelllinie 1 aus dem neu etablierten Zellmodell. Dargestellt sind die Proteine Keratin 5 in grün und Keratin 8 in rot sowie die Zellkerne in blau. Quelle: Maurer Lab

Dabei nutzten sie ein neu etabliertes Zellmodell, das die Isolation von Krebsstammzellen direkt aus Patiententumoren ermöglicht. Durch eine spezielle Kultivierung im Labor war es anschließend möglich, potenzielle neue Krebstherapeutika zu testen. Dabei stellte sich ein in den USA entwickelter KDM4 Inhibitor als vielversprechend heraus. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Cancer Research veröffentlicht.

Obwohl sich die Prognose für Brustkrebs in den vergangenen Jahrzehnten stetig verbessert hat, gibt es mit dem dreifach negativen Brustkrebs eine Untergruppe, die meist eine deutlich schlechtere Prognose erhält. Ungefähr 15 Prozent der Patientinnen sind vom dreifach negativen Brustkrebs betroffen, dem Marker für eine zielgerichtete Therapie fehlen.

In den letzten Jahren haben sich die Hinweise verdichtet, dass eine kleine Population an Zellen in Tumoren deren Wachstum aufrechterhält, sich als besonders resistent gegenüber Chemotherapeutika darstellt, für Rückfälle verantwortlich ist und Metastasen bildet.

Sie werden Krebsstammzellen genannt, weil sie ähnliche Eigenschaften wie normale Stammzellen im Körper haben. Ihre gezielte Therapie ist aufgrund der genannten negativen Eigenschaften bei Forscherinnen und Forschern in den Fokus geraten. Bisher sind jedoch nur wenige Modelle verfügbar, um die Krebsstammzellen zu erforschen.

Wissenschaftler des neuen Zentrums für Translationale Zellforschung (ZTZ) haben ein Modell entwickelt, das es ohne Zuhilfenahme eines Tiermodells erlaubt, Krebsstammzellen aus Tumormaterial von Brustkrebspatienten zu isolieren.

Die Forschungsgruppe um Dr. Jochen Maurer hat mit speziellen Haltungsbedingungen mehrere Krebsstammzelllinien aus dreifach negativem Brustkrebs kultiviert, die eine sehr gute Abbildung ihres ursprünglichen Patiententumors darstellen.

In enger Zusammenarbeit mit der Forschungsgruppe von Prof. Dr. Roland Schüle vom Zentrum für Klinische Forschung (ZKF) wurden auf diesem Krebsstammzellmodell mehrere von der Forschungsgruppe um Schüle neu entwickelte epigenetische Inhibitoren getestet. Die Epigenetik beschreibt die Regulierung von Genen, ohne die Sequenz der DNA zu verändern, und gilt als eines der zentralen Themen im 21. Jahrhundert. Ihr wird eine große Rolle in der Entwicklung und dem Fortschreiten von Krebs zugesprochen.

Die Forschungsgruppe um Schüle ist bereits für ihre Forschung rund um den epigenetischen Regulator LSD1 bekannt. Nun stellte sich in Verbindung mit den Brustkrebsstammzellen ein Inhibitor des epigenetischen Regulators KDM4 als besonders vielversprechend heraus. In mehreren Krebsstammzelllinien konnten die gefährlichen Eigenschaften durch den Inhibitor blockiert und die Zellen gezielt eliminiert werden. Zusätzlich wurde in ersten Tierversuchen ein Rückgang des Tumorwachstums erreicht.

Originalveröffentlichung
Metzger, E./Stepputtis, S.S./Strietz, J./Preca, B.T./Urban, S./Willmann, D./Allen, A./Zenk, F./Iovino, N./Bronsert, P./Proske, A./Follo, M./Boerries, M./Stickeler, E./Xu, J./Wallace, M.B./Stafford, J./Kanouni, T./Maurer, J./ Schüle, R. (2017): KDM4 inhibition targets breast cancer stem-like cells. In: Cancer Research.
DOI: 10.1158/0008-5472.CAN-17-1754

Kontakt:
Prof. Dr. Roland Schüle
Klinik für Urologie und Zentrale Klinische Forschung
Universitätsklinikum Freiburg
BIOSS Centre for Biological Signalling Studies
Tel.: 0761/270-63100
E-Mail: roland.schuele@uniklinik-freiburg.de

Dr. Jochen Maurer
Allgemeine und Visceralchirurgie und Zentrum für Translationale Zellforschung
Universitätsklinikum Freiburg
Tel.: 0761/270-63570
E-Mail: jochen.maurer@uniklinik-freiburg.de

Bildunterschrift:
Brustkrebsstammzelllinie 1 aus dem neu etablierten Zellmodell. Dargestellt sind die Proteine Keratin 5 in grün und Keratin 8 in rot sowie die Zellkerne in blau. Quelle: Maurer Lab

Weitere Informationen:

https://www.pr.uni-freiburg.de/pm/2017/neuer-hemmstoff-neue-hoffnung

Rudolf-Werner Dreier | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Bakterieller Untermieter macht Blattnahrung für Käfer verdaulich
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für chemische Ökologie

nachricht Neues Werkzeug für gezielten Proteinabbau
17.11.2017 | Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Im Focus: Pflanzenvielfalt von Wäldern aus der Luft abbilden

Produktivität und Stabilität von Waldökosystemen hängen stark von der funktionalen Vielfalt der Pflanzengemeinschaften ab. UZH-Forschenden gelang es, die Pflanzenvielfalt von Wäldern durch Fernerkundung mit Flugzeugen in verschiedenen Massstäben zu messen und zu kartieren – von einzelnen Bäumen bis hin zu ganzen Artengemeinschaften. Die neue Methode ebnet den Weg, um zukünftig die globale Pflanzendiversität aus der Luft und aus dem All zu überwachen.

Ökologische Studien zeigen, dass die Pflanzenvielfalt zentral ist für das Funktionieren von Ökosys-temen. Wälder mit einer höheren funktionalen Vielfalt –...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

Roboter für ein gesundes Altern: „European Robotics Week 2017“ an der Frankfurt UAS

17.11.2017 | Veranstaltungen

Börse für Zukunftstechnologien – Leichtbautag Stade bringt Unternehmen branchenübergreifend zusammen

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungsnachrichten

IHP präsentiert sich auf der productronica 2017

17.11.2017 | Messenachrichten

Roboter schafft den Salto rückwärts

17.11.2017 | Innovative Produkte