Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Biomarker für Herzschwäche in der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen

07.01.2014
Unter Führung von Cornelia Weikert vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung (DIfE) hat ein Wissenschaftlerteam das von Knochenzellen ins Blut abgegebene Hormon Fibroblast Growth Factor 23 (FGF23) als neuen unabhängigen Biomarker für Herzinsuffizienz (Herzschwäche) in der Allgemeinbevölkerung nachgewiesen.

Wie die Forscher zeigen, haben Erwachsene mit einem hohen FGF23-Spiegel im Blut ein fast zweifach erhöhtes Erkrankungsrisiko. Das Wissenschaftlerteam publizierte seine Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism (Romina di Giuseppe et al.: 2013).

Die Herzinsuffizienz ist eine der häufigsten Erkrankungs- und Todesursachen in Industrienationen. Da wichtige Risikofaktoren für diese Erkrankung zu einem großen Teil beeinflussbar sind, erscheint es sinnvoll, durch rechtzeitig eingeleitete Präventionsmaßnahmen dieser schweren Erkrankung entgegenzuwirken.

Die Risikobestimmung für diese Erkrankung erfolgt derzeit anhand von klassischen Risikofaktoren wie Bluthochdruck, einem gestörten Fettstoffwechsel, Übergewicht und Diabetes. Neue Biomarker könnten jedoch zukünftig dazu beitragen, die Risikoeinschätzung zu verbessern, so dass Gegenmaßnahmen früher und gezielter eingeleitet werden können. Zudem geben sie Hinweise auf die Stoffwechselmechanismen, die an der Entstehung der Erkrankung beteiligt sind.

Wie einige Studien der letzten Jahre annehmen lassen, besteht ein Zusammenhang zwischen Botenstoffen, die u. a. für die Knochenmineralisation eine Rolle spielen, und dem Auftreten einer Herzschwäche. Um neue Biomarker zu identifizieren, untersuchte das Forscherteam daher die Beziehung zwischen dem Hormon FGF23, dem Parathormon* sowie Vitamin D und der Entstehung einer Herzinsuffizienz. Grundlage für die Untersuchung bildeten die Daten und Blutproben von 1.441 weiblichen und männlichen Teilnehmern der Potsdamer EPIC-Studie**, von denen 221 im Nachbeobachtungszeitraum von etwa acht Jahren an einer Herzinsuffizienz erkrankten.

Während die Forscher eine unabhängige, positive Beziehung zwischen dem FGF23-Blutplasmaspiegel und dem Risiko für eine Herzschwäche nachwiesen, beobachteten sie keinen Zusammenhang zwischen dem Erkrankungsrisiko und den Blutkonzentrationen des Vitamin D. Eine nur bei Adipösen (Fettsüchtigen) beobachtete Beziehung zwischen der Parathormon-Konzentration und dem Herzinsuffizienz-Risiko bedarf weiterer Studien.

„Wie wir erstmals zeigen, könnte FGF23 zukünftig als neuer Biomarker genutzt werden, um das Herzinsuffizienz-Risiko in der Allgemeinbevölkerung zu bestimmen“, sagt Erstautorin Romina di Giuseppe vom DIfE. „Ob FGF23 nur als neuer Marker für Herzschwäche zu sehen ist oder ob er aktiv zur Krankheitsentstehung beiträgt, muss noch erforscht werden“, ergänzt die Medizinerin und Epidemiologin Cornelia Weikert. „Ergebnisse anderer Studien lassen Letzteres aber vermuten“, sagt die Studienleiterin weiter.

Romina di Giuseppe et al.: Plasma Fibroblast Growth Factor 23, Parathyroid Hormone, 25-HydroxyvitaminD3 and risk of Heart Failure: a prospective, case-cohort study. Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2013

Link zur Studie: http://press.endocrine.org/doi/pdf/10.1210/jc.2013-2963

Hintergrundinformation:

* Das Parathormon wird in der Nebenschilddrüse gebildet und ist u. a. an der Regulation des Kalziumspiegels im Blut beteiligt. Beispielsweise erhöht es die Kalziumwiederaufnahme in der Niere.

** Die European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition (EPIC) untersucht die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Krebs und anderen chronischen Erkrankungen wie Typ-2-Diabetes. An ihr sind 23 administrative Zentren in zehn europäischen Ländern mit insgesamt 519.000 weiblichen und männlichen Studienteilnehmern im Erwachsenenalter beteiligt. Die Potsdamer EPIC-Studie ist mit mehr als 27.000 Teilnehmern ein Teil der prospektiven EPIC-Studie. Bei der Auswertung einer prospektiven Studie ist es wichtig, dass die Teilnehmer zu Beginn der Studie noch nicht an der zu untersuchenden Krankheit leiden. Die Risikofaktoren für eine bestimmte Erkrankung lassen sich so vor ihrem Entstehen erfassen, wodurch eine Verfälschung der Daten durch die Erkrankung weitestgehend verhindert werden kann - ein entscheidender Vorteil gegenüber retrospektiven Studien. Zu Studienbeginn waren die Teilnehmer 35 bis 65 Jahre alt.

Das DIfE ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Es erforscht die Ursachen ernährungsbedingter Erkrankungen, um neue Strategien für Prävention, Therapie und Ernährungsempfehlungen zu entwickeln. Forschungsschwerpunkte sind dabei Adipositas (Fettsucht), Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Das DIfE ist zudem ein Partner des 2009 vom BMBF geförderten DZD. Näheres unter http://www.dzd-ev.de.

Die Leibniz-Gemeinschaft vereint 89 Einrichtungen, die anwendungsbezogene Grundlagenforschung betreiben und wissenschaftliche Infrastruktur bereitstellen. Insgesamt beschäftigen die Leibniz-Einrichtungen rund 17.200 Menschen – darunter 8.200 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler – bei einem Jahresetat von insgesamt knapp 1,5 Milliarden Euro. Die Leibniz-Gemeinschaft zeichnet sich durch die Vielfalt der in den Einrichtungen bearbeiteten Themen und Disziplinen aus. Die Forschungsmuseen der Leibniz-Gemeinschaft bewahren und erforschen das natürliche und kulturelle Erbe. Darüber hinaus sind sie Schaufenster der Forschung, Orte des Lernens und der Faszination für die Wissenschaft. Näheres unter http://www.leibniz-gemeinschaft.de.

Kontakt:

PD Dr. Cornelia Weikert
Abteilung Epidemiologie
Arbeitsgruppe Herz-Kreislauf-Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 (0)33200 88-2714
E-Mail: weikert@dife.de
Dr. Romina di Giuseppe
Abteilung Epidemiologie
Arbeitsgruppe Herz-Kreislauf-Epidemiologie
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 (0)33200 88-2714
E-Mail: romina.digiuseppe@dife.de
Dr. Gisela Olias
Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Institut für Ernährungsforschung
Potsdam-Rehbrücke (DIfE)
Arthur-Scheunert-Allee 114-116
14558 Nuthetal
Tel.: +49 (0)33200 88 2278/2335
E-Mail: olias@dife.de
oder: presse@dife.de
Weitere Informationen:
http://www.dife.de/de/index.php?request=/de/forschung/abteilungen/hke-info.php Informationen zur Arbeitsgruppe von Frau Dr. Weikert.

Dr. Gisela Olias | idw
Weitere Informationen:
http://www.dife.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen
20.11.2017 | Technische Universität München

nachricht Satellitenbilder zur Erfassung von Biodiversität nur bedingt tauglich
20.11.2017 | Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung - UFZ

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Im Focus: «Kosmische Schlange» lässt die Struktur von fernen Galaxien erkennen

Die Entstehung von Sternen in fernen Galaxien ist noch weitgehend unerforscht. Astronomen der Universität Genf konnten nun erstmals ein sechs Milliarden Lichtjahre entferntes Sternensystem genauer beobachten – und damit frühere Simulationen der Universität Zürich stützen. Ein spezieller Effekt ermöglicht mehrfach reflektierte Bilder, die sich wie eine Schlange durch den Kosmos ziehen.

Heute wissen Astronomen ziemlich genau, wie sich Sterne in der jüngsten kosmischen Vergangenheit gebildet haben. Aber gelten diese Gesetzmässigkeiten auch für...

Im Focus: A “cosmic snake” reveals the structure of remote galaxies

The formation of stars in distant galaxies is still largely unexplored. For the first time, astron-omers at the University of Geneva have now been able to closely observe a star system six billion light-years away. In doing so, they are confirming earlier simulations made by the University of Zurich. One special effect is made possible by the multiple reflections of images that run through the cosmos like a snake.

Today, astronomers have a pretty accurate idea of how stars were formed in the recent cosmic past. But do these laws also apply to older galaxies? For around a...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

500 Kommunikatoren zu Gast in Braunschweig

20.11.2017 | Veranstaltungen

VDI-Expertenforum „Gefährdungsanalyse Trinkwasser"

20.11.2017 | Veranstaltungen

Technologievorsprung durch Textiltechnik

17.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Künstliche neuronale Netze: 5-Achs-Fräsbearbeitung lernt, sich selbst zu optimieren

20.11.2017 | Informationstechnologie

Tonmineral bewässert Erdmantel von innen

20.11.2017 | Geowissenschaften

Hemmung von microRNA-29 schützt vor Herzfibrosen

20.11.2017 | Biowissenschaften Chemie