Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Bericht zur Situation der Vogelwelt: Vögel in Deutschland 2009

10.12.2009
Deutsche Bilanz nach 30 Jahren EG-Vogelschutzrichtlinie: Erfolge beim speziellen Artenschutz und beim Schutzgebietsnetz, aber erhebliche weitere Anstrengungen nötig / Fördermittel zukünftig enger an Leistungen für den Naturschutz knüpfen

Auch wenn die EG-Vogelschutzrichtlinie den bedrohten Vogelarten und Zugvögeln in der Europäischen Union zu einem besseren Schutz verhelfen konnte, zeigt sich dies nicht bei allen Arten und im gesamten Gebiet. Grund für die bei vielen Arten für Deutschland ernüchternd Bilanz ist vor allem die intensive Flächennutzung.

So hat sich besonders die Situation für die Feldvögel und Bodenbrüter weiter verschlechtert. Zu diesem Ergebnis kommt der neue Statusbericht "Vögel in Deutschland 2009", der heute im Bundes-amt für Naturschutz (BfN) vorgestellt wurde. In dem Bericht wird anlässlich des 30-jährigen Bestehens der EG-Vogelschutzrichtlinie eingehend analysiert, wie sich die Bestandssituation der Vogelwelt in Deutschland verändert hat und welche Defizite noch bestehen.

"Die europäische Vogelschutzrichtlinie verpflichtet uns zum Schutz aller wildlebenden Vogelarten. Dennoch hat sich die Situation gegenüber dem Vorjahr eher verschlechtert als verbessert: Vögel der Agrarlandschaft und Bodenbrüter befinden sich weiter auf dem absteigenden Ast" fasste die BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel die Situation bei den Brutvögeln zusammen. Über den in der Studie ausgewerteten kurzfristigen Zeitraum der letzten 5 Jahre haben mittlerweile 27 von 64 häufigen Brutvogelarten eine Abnahme ihrer Bestände hinnehmen müssen - beim Vorjahresbericht waren es noch 21 Arten. Besonders hinzuweisen ist auch auf die kritische Lage vieler Zugvogelarten wie Turteltaube und Baumpieper, die in ihren Sommer- und Winterlebensräumen sowie entlang der Zugrouten besonders vielfältigen Beeinträchtigungen ausgesetzt sind.

Die Vogelschutzrichtlinie sieht für europaweit bedrohte Arten, die im Anhang I aufgeführt werden, und für Zugvögel einen besonderen Schutz vor. Dafür müssen von allen EU-Staaten sogenannte Europäische Vogelschutzgebiete ausgewiesen werden. Auch wenn europaweit nachgewiesen werden konnte, dass die Vogelschutzrichtlinie diesen Anhangs-Arten insge-samt geholfen hat, ist die Bilanz in Deutschland ernüchternd: "Knapp 50 % der besonders zu schützenden Vogelarten stehen immer noch auf der Roten Liste und sind damit in ihren Beständen gefährdet" sagte Stefan Fischer, Vorsitzender des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten. Fischer weiter: "Insbesondere den hochgradig bedrohten Arten wie Grauspecht und Brachpieper muss durch geeignete Maßnahmen geholfen werden. Die Meldung von Schutzgebieten nach Brüssel allein reicht nicht aus, sondern muss durch ein gut geplantes und qualifiziert durchgeführtes Management vor Ort mit Leben gefüllt werden."

"Von den Schutzbemühungen haben Vogelarten wie Großtrappe, Wiesenweihe oder Schwarzstorch profitiert, für die aufwändige und zielgerichtete Schutzprogramme aufgelegt wurden" konnte Johannes Schwarz, Geschäftsführer der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten, berichten. Auch die Anstrengungen zum Schutz des Ortolans in einigen Gebieten Niedersachsens zeigen Erfolg. Hier werden landwirtschaftliche Fördermittel dazu eingesetzt, Randstrukturen oder auch ganze Nutzflächen ohne Pflanzenschutzmittel, Dünger und Beregnung zu bewirtschaften und dem Ortolan eine struktur- und nahrungsreiche Landschaft anzubieten.

BfN-Präsidentin Jessel zog daraus die Konsequenzen: "Um einen wirksamen Schutz der Vogelwelt zu erreichen, sollten derartige Erfahrungen nach Abschluss der Gebietsmeldungen für ein effektives Management genutzt werden. Ziel muss es sein, mit staatlichen Fördermitteln stärker Leistungen der Land- und Forstwirtschaft für den Naturschutz zu honorieren und damit zukünftig großflächig zum Schutz der Vogelwelt wie auch der übrigen typischen Tier- und Pflanzenwelt der Agrarlandschaft beizutragen. Eine intakte Natur mit einer hohen Vielfalt an Lebensräumen und Arten ist in aller Regel zugleich auch ein Indikator für eine nachhaltige und die Ressourcen schonende Nutzung und gewährleistet zugleich auch eine hohe Lebensqualität".

Hintergrund
Der neue Statusbericht "Vögel in Deutschland 2009" wurde vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) und der Länderarbeitsgemeinschaft der Vogelschutzwarten (LAG-VSW) erarbeitet. Für die Studie wurden Daten des bundesweiten Vogelmonitorings ausgewertet, welches vorwiegend auf ehrenamtlichen Felderhebungen basiert. Bund und Länder finanzieren gemeinsam die bundesweite Koordination dieses Vogelmonitorings durch den DDA. Die Ergebnisse aus dem Monitoring werden einerseits genutzt, um Probleme bei den Bemühungen um den Erhalt der Biologischen Vielfalt frühzeitig zu erkennen. Andererseits können Lösungsansätze mit Hilfe detaillierter Analysen aufgezeigt werden. Die Daten werden für die Berichterstattung zur nationalen Nachhaltigkeitsstrategie und zur Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt der Bundesregierung verwendet.

Die EU-Vogelschutzrichtlinie ist am 2. April 1979 in Kraft getreten. Für besonders bedrohte Vogelarten sind damit von den EU-Mitgliedstaaten besondere Schutzgebiete einzurichten. Zusätzlich sollen für die regelmäßig auftretenden Zugvögel Vermehrungs-, Rast-, Überwinterungs- und Mauserplätze gesichert werden. Nachdem die Europäische Kommission im Oktober diesen Jahres ein Vertragsverletzungverfahren gegen Deutschland wegen unzureichender Meldung von Vogelschutzgebieten eingestellt hat, ist die Gebietsausweisung nunmehr abgeschlossen und Rechts- und Planungssicherheit hergestellt.

In Deutschland sind derzeit mit einem Anteil von mehr als 11 % der Landfläche 738 Vogelschutzgebiete gemeldet. An Küsten und Meeren wurden auf 32,8 % der marinen Fläche Deutschlands und auf 15,6% der Fläche der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) Vogelschutzgebiete eingerichtet. Die EU-Vogelschutzgebiete bilden zusammen mit den Gebieten der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH-Richtlinie) das europäische Schutzgebietsnetz Natura 2000.

Weitere regelmäßig aktualisierte Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter http://www.bfn.de/0316_natura2000.html

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de/0316_natura2000.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten
08.12.2016 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Herz-Bindegewebe unter Strom
08.12.2016 | Universitäts-Herzzentrum Freiburg - Bad Krozingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Im Focus: Significantly more productivity in USP lasers

In recent years, lasers with ultrashort pulses (USP) down to the femtosecond range have become established on an industrial scale. They could advance some applications with the much-lauded “cold ablation” – if that meant they would then achieve more throughput. A new generation of process engineering that will address this issue in particular will be discussed at the “4th UKP Workshop – Ultrafast Laser Technology” in April 2017.

Even back in the 1990s, scientists were comparing materials processing with nanosecond, picosecond and femtosesecond pulses. The result was surprising:...

Im Focus: Wie sich Zellen gegen Salmonellen verteidigen

Bioinformatiker der Goethe-Universität haben das erste mathematische Modell für einen zentralen Verteidigungsmechanismus der Zelle gegen das Bakterium Salmonella entwickelt. Sie können ihren experimentell arbeitenden Kollegen damit wertvolle Anregungen zur Aufklärung der beteiligten Signalwege geben.

Jedes Jahr sind Salmonellen weltweit für Millionen von Infektionen und tausende Todesfälle verantwortlich. Die Körperzellen können sich aber gegen die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einzelne Proteine bei der Arbeit beobachten

08.12.2016 | Biowissenschaften Chemie

Intelligente Filter für innovative Leichtbaukonstruktionen

08.12.2016 | Messenachrichten

Seminar: Ströme und Spannungen bedarfsgerecht schalten!

08.12.2016 | Seminare Workshops