Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Ansatzpunkt für Alzheimer-Forschung

29.09.2015

Fresszellen verlieren langfristig schützende Funktion / Alzheimer-Plaques erstmals in Zellkultur hergestellt

Mehr als 20 Prozent der über 85-jährigen Menschen weltweit leiden an einer Alzheimer Demenz. Was zur Erkrankung führt, ist jedoch noch nicht endgültig geklärt. Ein Detail ihrer Entstehung konnte jetzt ein Forscherteam des Universitätsklinikums Freiburg zeigen:

Die Fresszellen des Gehirns (Mikroglia) verhindern zunächst die Ablagerung von Eiweißfragmenten, verlieren aber im Lauf des Lebens diese schützende Funktion. Die detaillierten Forschungsergebnisse sind in Scientific Reports, der Open-Access-Fachzeitschrift der Nature Publishing Group, erschienen.

Die Alzheimer-Erkrankung ist die weltweit häufigste Ursache einer Demenz. Sie stellt einerseits betroffene Familien vor große Herausforderungen, bedeutet andererseits aber auch ein sozio-ökonomisches Problem für unsere Gesellschaft.

Die Ursachen der Alzheimer-Erkrankung sind bislang nicht umfassend verstanden und eine kausale Therapie ist derzeit nicht verfügbar. Ein wichtiger Ansatzpunkt für die Alzheimer-Forschung sind die sogenannten Beta-Amyloid-Plaques.

Diese Eiweißfragmente lagern sich im Gehirn von Patienten ab, die an Alzheimer leiden, und lösen damit möglicherweise die Erkrankung aus. Wie genau diese Beta-Amyloid-Plaques entstehen, ist umstritten und letztlich unklar. Die Aufklärung dieses Mechanismus scheint jedoch ein notwendiger Schritt auf dem Weg zur Entwicklung innovativer Therapien, die beispielsweise die Plaque-Bildung verhindern.

Prof. Dr. Knut Biber, Leiter der Sektion Molekulare Psychiatrie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie des Universitätsklinikums Freiburg, und PD Dr. Sabine Hellwig, Ärztin im Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF) des Universitätsklinikums Freiburg, konnten nun zeigen, dass die Mikroglia genannten Fresszellen des Gehirns die Entstehung der Beta-Amyloid-Plaques zunächst verhindern.

Im Lauf der Zeit verlieren die Mikroglia jedoch diese „beschützende“ Funktion und lassen die Beta-Amyloid-Ablagerung geschehen. Dieser nachlassende Schutz scheint mit den Alterungsprozessen der Mikroglia in Zusammenhang zu stehen. Damit ist ein zentraler Punkt gefunden, an dem die Alzheimer-Forschung ansetzen kann: „Sollten wir die Alterung der Mikroglia verlangsamen oder gar aufhalten können, könnte dies einen Schutz vor der Alzheimer-Erkrankung bedeuten“, erläutert Prof. Biber.

Des Weiteren gelang es den Forschern erstmals, Beta-Amyloid-Plaques in einem Zellkultursystem entstehen zu lassen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Tierschutz: „Nun können wir die Entstehung der Plaques mit weniger Tierversuchen erforschen“, ergänzt Dr. Hellwig.

Originaltitel der Arbeit: Forebrain microglia from wild-type but not adult 5xFAD mice prevent amyloid-β plaque formation in organotypic hippocampal slice cultures

Frei zugänglich unter: http://www.nature.com/articles/srep14624

Kontakt:
Prof. Dr. Knut Biber
Leiter der Sektion Molekulare Psychiatrie
Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie
Telefon: 0761 270-66580
knut.biber@uniklinik-freiburg.de

Weitere Informationen:

http://www.uniklinik-freiburg.de/psych/forschung-research/research-groups/rg-bib... Sektion Molekulare Psychiatrie
http://www.uniklinik-freiburg.de/zggf Zentrum für Geriatrie und Gerontologie Freiburg (ZGGF)

Benjamin Waschow | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie