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Mit neuen Verfahren Proteine herstellen

18.04.2011
DFG bewilligt an Freier Universität koordiniertes Programm

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft hat ein an der Freien Universität Berlin geplantes naturwissenschaftliches Schwerpunktprogramm im Umfang von nahezu elf Millionen Euro bewilligt.

In dem nationalen Forschungsverbund sollen innovative synthetische Methoden für die Herstellung von Proteinen mit speziellen Funktionen entwickelt werden, die aus biologischer und pharmazeutischer Sicht besondere Bedeutung haben. Dabei sollen Ansätze aus chemischen und molekularbiologischen Verfahren miteinander kombiniert werden, um die für die Projekte relevanten Proteine herstellen zu können.

Koordinator des Projekts "Chemoselektive Reaktionen für die Synthese und Anwendung funktionaler Proteine" ist der Chemiker Prof. Dr. Christian Hackenberger von der Freien Universität. Ziel ist es, ein nationales interdisziplinäres Netzwerk von Forscherinnen und Forschern aus Chemie, Biochemie und Biophysik aufzubauen.

Im Rahmen eines Schwerpunktprogramms können bundesweit bis zu 30 Arbeitsgruppen gefördert werden, die in einem Ausschreibungsverfahren ermittelt werden. Der neue Forschungsverbund richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Chemie, Biotechnologie, Molekularbiologie, Biophysik und Biologie. "Im Zentrum des neuen Schwerpunktprogramms steht die Untersuchung lebenswichtiger Vorgänge in der Zelle, die durch die Modifikation von Proteinen gesteuert werden", sagt Christian Hackenberger. Diese biologischen Prozesse sind beispielsweise für die Zellteilung verantwortlich. Sie führen bei Unterbrechung oder Fehlfunktion schlimmstenfalls zu Krankheiten oder dem Zelltod. Von daher besteht ein drängendes Interesse, modifizierte Proteine im Labor herzustellen, um ihre genaue Wirkungsweise untersuchen zu können. Ein weiterer Schwerpunkt der geplanten Arbeiten liegt darauf, Proteine mit unnatürlichen Bausteinen zu versehen und ihnen dadurch eine Funktion zuzuweisen. Dadurch können Proteine beispielsweise in den Zellen sichtbar gemacht oder ihre Aufreinigung vereinfacht werden. Eine weitere für die pharmazeutische Industrie hochinteressante Anwendung der unnatürlichen Protein-Funktionalisierung ist die Verknüpfung von Proteinen mit wasserlöslichen Polymeren, um sie stabil und damit therapeutisch anwendbar zu machen.

"Das Programm kommt genau zum richtigen Zeitpunkt, denn in den vergangenen Jahren haben chemische und biologische Arbeitsgruppen bereits erste wegweisende Techniken für die Gewinnung modifizierter Proteine erschaffen können. Mit dem nun bewilligten Schwerpunktprogramm können wir diese Gruppen in Deutschland über einen Zeitraum von bis zu sechs Jahren nachhaltig fördern und ein innovatives und für die pharmazeutische Industrie interessantes Feld sichtbar machen", betont Hackenberger.

Der Koordinator des Programms, Christian Hackenberger studierte an den Universitäten Freiburg und Madison/Wisconsin (USA), wo er 1999 mit dem Master of Science abschloss. Nach Promotion an der RWTH Aachen im Jahr 2003 und anschließendem Aufenthalt als Postdoktorand am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge (USA) wechselte er 2005 an die Freie Universität Berlin, an der er eine Arbeitsgruppe im Emmy-Noether-Programm der Deutschen Forschungsgemeinschaft leitet und sich Anfang 2011 habilitierte. Seit Kurzem werden seine Arbeiten auch als erste Forschungsgruppe überhaupt von der Böhringer-Ingelheim-Stiftung im Perspektiven-Programm "Plus 3" gefördert. Seit 2008 ist Hackenberger Sprecher und damit Koordinator des integrierten Graduiertenkollegs "Multivalenz in Chemie und Biochemie" im Sonderforschungsbereich 765 der Freien Universität. Erst kürzlich wurden die wissenschaftlichen Arbeiten von Christian Hackenberger mit mehreren wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet, unter anderem 2011 mit dem Heinz-Maier-Leibnitz-Preis der DFG, der als wichtigster Preis für den akademischen Nachwuchs angesehen wird. Insgesamt beläuft sich die Summe an Drittmitteln, die Christian Hackenberger seit 2005 eingeworben hat, auf mehr als drei Millionen Euro.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern:
Prof. Dr. Christian Hackenberger,
Institut für Chemie und Biochemie der Freien Universität Berlin,
Telefon: 030 / 838-52451, E-Mail: hackenbe@chemie.fu-berlin.de

Carsten Wette | idw
Weitere Informationen:
http://www.fu-berlin.de

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