Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit neuem Blutplasma-Adsorber schwere Hautkrankheiten heilen

11.12.2009
Ein neues Verbundforschungsvorhaben der Universitäts-Hautklinik Greifswald und des Biotechnologieunternehmens Miltenyi Biotec GmbH soll neue Therapiemöglichkeiten für Menschen mit schweren chronischen und blasenbildenden Hauterkrankungen erschließen.

Der Minister für Wirtschaft, Arbeit und Tourismus, Jürgen Seidel, hat heute dem Geschäftsführer der Miltenyi Biotec GmbH, Stefan Miltenyi, und dem Direktor der Greifswalder Universitäts-Hautklinik, Prof. Michael Jünger, einen Förderbescheid in Höhe von 2,45 Millionen Euro überreicht. Das Projektvolumen beträgt insgesamt 4,1 Millionen Euro.

"Forschungs- und Entwicklungsvorhaben aus dem Bereich der Biotechnologie und Biomedizintechnik machen mit 46,7 Prozent den Hauptanteil der neuen Forschungs- und Technologieförderung aus", betonte Seidel. Weitere Anträge kommen schwerpunktmäßig unter anderem aus der Informations- und Kommunikationstechnik mit 27 Prozent und dem Maschinenbau mit 7,4 Prozent. Für die EU- Förderperiode von 2007 bis 2013 stehen rund 155 Millionen Euro aus dem Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) und dem Europäischen Sozialfonds (ESF) für Forschung, Entwicklung und Innovation zur Verfügung. Im Zeitraum von 2007 bis 2009 wurden in der Technologie- und Forschungsförderung insgesamt 362 Projekte mit einem Zuschuss von 52,9 Millionen Euro und einem Projektvolumen von 93,5 Millionen Euro unterstützt. Davon wurden 110 Anträge von Verbundforschungsvorhaben mit insgesamt 31,6 Millionen Euro gefördert.

"Von entscheidender Bedeutung ist, dass das Potenzial und bereits vorhandenes Know-how der Universitäten, Forschungseinrichtungen und Firmen auch im Land bleibt. Hier liegt der Schlüssel, um wettbewerbsfähig zu bleiben und im Ergebnis auch zu mehr wissensbasierten Arbeitsplätze im Land zu kommen. Mit unserer Neuausrichtung der Verbundforschung geben wir die dafür nötigen Anreize, Forschung und Entwicklung im Praxisverbund mit kleinen und mittelständischen Firmen in Mecklenburg-Vorpommern durchzuführen. Hierfür werden wir auch weiter aktiv im Land werben", so Seidel weiter.

"Insgesamt registrieren wir eine stärkere Beteiligung der Hochschulen im Land an Forschungs- und Entwicklungsprojekten. Besonders hervorzuheben ist die Tatsache, dass sich in den letzten drei Jahren gegenüber dem gesamten Zeitraum der vergangenen Förderperiode das Projektvolumen der Hochschulen und Forschungseinrichtungen vervielfacht hat", unterstrich der Wirtschaftsminister. Von 2000 bis 2006 wurden 3,32 Millionen Euro an Hochschulen für gemeinsame Projekte mit Unternehmen ausgereicht; von 2007 bis 2009 schon 14,51 Millionen Euro (Uni Rostock 11,44 Millionen Euro, Uni Greifswald 1,58 Millionen Euro, Hochschule Wismar 1,49 Millionen Euro). "Das ist ein großer Erfolg. Die Hochschulen und Forschungseinrichtungen haben ihre Verantwortung für die Entwicklung der regionalen Wirtschaft erkannt und angenommen", sagte Seidel weiter.

Das Biotechnologieunternehmen Miltenyi Biotec GmbH will weiter wachsen und in die Zukunft investieren; auch am Standort Teterow. Dabei spielt das Verbundforschungsprojekt mit der Universitäts-Hautklinik Greifswald eine bedeutende Rolle. Gemeinsam werden neue Therapiemöglichkeiten bei autoimmunologisch verursachten blasenbildenden sowie bei allergisch bedingten Hauterkrankungen erforscht und klinisch getestet.

Die Aufgabe der Miltenyi Biotec GmbH besteht im Rahmen des Projekts darin, so genannte "Fängermoleküle" für Adsorber zu entwickeln, die selektiv nur die als schädlich identifizierten Blutbestandteile aus dem Blutplasma von Patienten entfernen. Der Neuheitscharakter der Adsorber besteht darin, dass ausschließlich das krankheitsverursachende Protein aus dem Blutplasma entfernt wird. Herkömmliche "Breitband-Adsorber" isolieren sowohl krankheitsverursachende als auch nicht krankheitsverursachende Antikörper, was gerade bei Patienten, deren Haut aufgrund der Erkrankung die normale Schutzfunktion nicht mehr ausüben kann, zu Folgeinfektionen und lebensbedrohlichen Situationen führen kann.

Schonende Adsorbertechnik für Patienten mit schweren Hauterkrankungen

Bei der Gruppe der blasenbildenden Hauterkrankungen richtet der Körper sein Abwehrsystem gegen sich selbst (Autoimmun-Reaktion). Mit den Mechanismen, die sonst der Bekämpfung körperfremder Stoffe wie beispielsweise Bakterien dienen, werden nun die eigenen Zellen angegriffen. Dabei werden Eiweiße gebildet, die Antikörper. Diese Antikörper erkennen bestimmte Zellen und führen zu deren Zerstörung. Die bisher übliche medikamentöse Behandlung löst oftmals unerwünschte Begleiterscheinungen und Nebenwirkungen aus, die weitere gesundheitliche Störungen zur Folge haben. "Es besteht ein Bedarf an spezifischen Adsorbern, um selektiv die krankheitserregenden Antikörper wirksam und schonend aus dem Blut des Patienten zu entfernen", beschrieb der Projektleiter und Direktor der Universitäts-Hautklinik, Prof. Michael Jünger, den Zielansatz. Der Anteil der Universitäts-Hautklinik liegt darin, in den Laboren die Strukturen der krankmachenden Eiweiße möglichst genau zu charakterisieren. Dazu werden von den Patienten Haut-, Gewebe- und Blutproben entnommen und analysiert. Auf der Basis der Untersuchungen und isolierten Proteine entwickelt der Projektpartner in Teterow die Adsorbersäulen mit den "Fängermolekülen", die nur die schädlichen Bestandteile aus dem Blut fischen sollen.

Der neue Adsorber wird vor allem bei Patienten mit lebensbedrohlichen blasenbildenden Hauterkrankungen wie Pemphigus vulgaris und dem bullösen Pemphigoid zur Anwendung kommen. Während die Pemphigus vulgaris, auch Blasensucht genannt, sehr selten auftritt, nimmt die Anzahl der Betroffenen ab dem 60. Lebensjahr bei dem bullösen Pemphigoid stärker zu. Die Erkrankungen sind sehr schmerzhaft und erinnern in schweren Fällen an das Aussehen von Verbrennungsopfern. Die Blasen platzen leicht, bluten und führen zu nässenden oder krustig bedeckten Hautveränderungen. An offenen Stellen ist das Risiko bakterieller Infektionen gegeben.

Ein weiteres Anwendungsgebiet betrifft schwere Formen von Neurodermitis. Etwa 3,5 bis 5 Millionen Menschen in Deutschland leiden unter den stark juckenden und entzündlichen Hautekzemen. Beschwerdefreie Zeiträume werden unterbrochen durch Krankheitsausbrüche verschiedener Schweregrade, die die Lebensqualität der Patienten erheblich einschränken. Auch für diese Hauterkrankung soll ein spezieller Adsorber entwickelt und erprobt werden. "Unser Interesse liegt klar darin, ein im Vergleich zu bisherigen Therapien schonenderes Verfahren zu entwickeln, das Mitursachen der Hautkrankheiten beseitigt, so dass mit Risiken behaftete Arzneimittel seltener notwendig sind", erklärte Jünger.

Zukunftsinvestitionen am Standort Teterow

Die Entwicklung, Herstellung, Qualitätssicherung, Freigabe und der Versand der neuen Adsorber sollen am Standort Teterow erfolgen. Die Miltenyi Biotec GmbH erschließt damit neue Anwendungsfelder auf dem Gebiet der medizinischen Biotechnologie. Insgesamt werden elf neue hochwertige Arbeitsplätze geschaffen, wobei dieser Bereich perspektivisch weiter ausgebaut werden soll. "Das Projekt ist ein wesentlicher Grundstein für die Stärkung des Standortes Teterow", erklärte der Geschäftsführer der Miltenyi Biotec GmbH, Stefan Miltenyi. Teterow ist mit gegenwärtig 170 Mitarbeitern die zweitgrößte Firmenniederlassung im Unternehmensverbund nach dem Hauptsitz in Bergisch Gladbach. "Wir wollen weiter investieren und wachsen. Im kommenden Jahr sind Erweiterungsinvestitionen in Laborflächen, Produktionskapazitäten und neue Maschinen in Höhe von 14 Millionen Euro geplant", kündigte der Miltenyi-Geschäftsführer an. Bisher wurden 56,4 Millionen Euro in Teterow investiert.

"Die Biotechnologie gilt als krisenfester Innovationsmotor für mehr Wachstum und Beschäftigung. Die Miltenyi Biotec GmbH ist dafür das beste Beispiel", hob Wirtschaftminister Jürgen Seidel hervor. Das Projekt leiste einen entscheidenden Beitrag zur Entwicklung des Technologiestandortes Teterow und damit auch Mecklenburg-Vorpommerns.

Miltenyi Biotec GmbH
Die weltweit erfolgreiche Miltenyi Biotec GmbH ist ein Biotechnologieunternehmen mit Hauptsitz in Bergisch Gladbach. Die Firma wurde 1989 gegründet und ist heute eines der ältesten sowie größten deutschen Unternehmen der Biotechnologie-Branche (http://www.miltenyibiotec.com). Das Unternehmen mit über 1.100 Mitarbeitern - davon mehr als 825 in Deutschland - ist in achtzehn Ländern präsent und erwirtschaftete 2008 einen Umsatz in Höhe von 98 Millionen Euro.

Das Kerngeschäft der Miltenyi Biotec GmbH ist die magnetische Zellsortierung und -analyse (MACS-Technologie), die weltweit eingesetzt wird, beispielsweise bei der Erforschung von Krankheiten wie Krebs, Aids und Autoimmunerkrankungen sowie im Zusammenhang mit Knochenmarktransplantationen. Auf diesem Gebiet ist Miltenyi Biotec Marktführer. Seit Oktober 2002 hat das Unternehmen eine Produktionsstätte in Teterow für die Adsorbertechnologie sowie die Herstellung von Biochemikalien und pharmazeutischen Produkten.

Kontakt
Universitätsklinikum Greifswald
Klinik und Poliklinik für Hautkrankheiten
Direktor: Prof. Dr. Michael Jünger
Sauerbruchstraße/Neubau
17475 Greifswald
T +49 3834 86-67 70
E dermatologie@uni-greifswald.de

Constanze Steinke | idw
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-greifswald.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur
17.08.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht Magenkrebs: Auch Bakterien können Auslöser sein
17.08.2017 | Charité – Universitätsmedizin Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Im Focus: Fizzy soda water could be key to clean manufacture of flat wonder material: Graphene

Whether you call it effervescent, fizzy, or sparkling, carbonated water is making a comeback as a beverage. Aside from quenching thirst, researchers at the University of Illinois at Urbana-Champaign have discovered a new use for these "bubbly" concoctions that will have major impact on the manufacturer of the world's thinnest, flattest, and one most useful materials -- graphene.

As graphene's popularity grows as an advanced "wonder" material, the speed and quality at which it can be manufactured will be paramount. With that in mind,...

Im Focus: Forscher entwickeln maisförmigen Arzneimittel-Transporter zum Inhalieren

Er sieht aus wie ein Maiskolben, ist winzig wie ein Bakterium und kann einen Wirkstoff direkt in die Lungenzellen liefern: Das zylinderförmige Vehikel für Arzneistoffe, das Pharmazeuten der Universität des Saarlandes entwickelt haben, kann inhaliert werden. Professor Marc Schneider und sein Team machen sich dabei die körpereigene Abwehr zunutze: Makrophagen, die Fresszellen des Immunsystems, fressen den gesundheitlich unbedenklichen „Nano-Mais“ und setzen dabei den in ihm enthaltenen Wirkstoff frei. Bei ihrer Forschung arbeiteten die Pharmazeuten mit Forschern der Medizinischen Fakultät der Saar-Uni, des Leibniz-Instituts für Neue Materialien und der Universität Marburg zusammen Ihre Forschungsergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in der Fachzeitschrift Advanced Healthcare Materials. DOI: 10.1002/adhm.201700478

Ein Medikament wirkt nur, wenn es dort ankommt, wo es wirken soll. Wird ein Mittel inhaliert, muss der Wirkstoff in der Lunge zuerst die Hindernisse...

Im Focus: Exotische Quantenzustände: Physiker erzeugen erstmals optische „Töpfe" für ein Super-Photon

Physikern der Universität Bonn ist es gelungen, optische Mulden und komplexere Muster zu erzeugen, in die das Licht eines Bose-Einstein-Kondensates fließt. Die Herstellung solch sehr verlustarmer Strukturen für Licht ist eine Voraussetzung für komplexe Schaltkreise für Licht, beispielsweise für die Quanteninformationsverarbeitung einer neuen Computergeneration. Die Wissenschaftler stellen nun ihre Ergebnisse im Fachjournal „Nature Photonics“ vor.

Lichtteilchen (Photonen) kommen als winzige, unteilbare Portionen vor. Viele Tausend dieser Licht-Portionen lassen sich zu einem einzigen Super-Photon...

Im Focus: Exotic quantum states made from light: Physicists create optical “wells” for a super-photon

Physicists at the University of Bonn have managed to create optical hollows and more complex patterns into which the light of a Bose-Einstein condensate flows. The creation of such highly low-loss structures for light is a prerequisite for complex light circuits, such as for quantum information processing for a new generation of computers. The researchers are now presenting their results in the journal Nature Photonics.

Light particles (photons) occur as tiny, indivisible portions. Many thousands of these light portions can be merged to form a single super-photon if they are...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einblicke ins menschliche Denken

17.08.2017 | Veranstaltungen

Eröffnung der INC.worX-Erlebniswelt während der Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung 2017

16.08.2017 | Veranstaltungen

Sensibilisierungskampagne zu Pilzinfektionen

15.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Scharfe Röntgenblitze aus dem Atomkern

17.08.2017 | Physik Astronomie

Fake News finden und bekämpfen

17.08.2017 | Interdisziplinäre Forschung

Effizienz steigern, Kosten senken!

17.08.2017 | Messenachrichten