Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Zielstrukturen für die Tumortherapie

06.05.2010
Nature-Beitrag: Wo Medikamente die pathologische Bildung von Blutgefäßen dauerhaft unterbrechen könnten

Solide Tumoren bilden ab einer bestimmten Größe ein mitwachsendes Kapillarnetz von Blutgefäßen, die sie mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Ein Ansatz in der Therapie besteht darin, das Wachstum der Blutgefäße zu unterdrücken und den Tumor gewissermaßen auszuhungern.


Die endothelialen „Tip“-Zellen an der Spitze eines Blutgefäßes in der Maus-Retina bilden lange Fortsätze (Filopodien) aus, mit denen sie ihre Umgebung erkunden. Für diesen Prozess muss die Zelle den Gefäßwachstumsfaktor VEGFR2 aufnehmen. Dies wird durch die Ephrin-B2-Liganden an der „Tip“-Zelle reguliert. Hier könnten auch Wirkstoffe angreifen, die das Wachstum von Blutgefäßen in Tumoren unterbinden sollen.
Amparo Acker-Palmer

Bisher in der Klinik eingesetzte Medikamente blockieren den Gefäßwachstumsfaktor VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor). Allerdings gibt es vermehrt Hinweise darauf, dass Tumoren diese Blockade umgehen können. Wie dies geschieht, ist unbekannt, da die Sprossung von Gefäßen (Angiogenese), bisher noch nicht im Detail verstanden ist. Prof. Amparo Acker-Palmer vom Exzellenzcluster Makromolekulare Komplexe der Goethe-Universität und ihr Ehemann, Prof. Till Acker von der Universität Giessen, haben nun einen weiteren Signalweg bei der Angiogenese entschlüsselt. Wie sie in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Nature“ schreiben, erschließen sich damit neue Zielstrukturen für die Krebstherapie.

Eine zentrale Rolle spielen Moleküle, die auch dafür sorgen, dass Netzwerke von Nervenzellen entstehen. Die Neurobiologin Acker-Palmer hat diese sogenannten EphrinB2-Rezeptoren im Zusammenhang mit Lernprozessen im Gehirn bereits intensiv erforscht. Für ihre Arbeiten wurde sie unlängst mit dem Paul-Ehrlich-Nachwuchspreis ausgezeichnet. Nun stellte die Forscherin fest, dass diese Rezeptoren auch in der Membran von endothelialen „Tip“ Zellen vorhanden sind – und diese sind für die Angiogenese entscheidend. Das Besondere an ihnen ist: Sie können Signale nicht nur vorwärts zu benachbarten Zellen weiterleiten, sondern auch rückwärts in das Zellinnere. Den bisher unbekannten Signalweg innerhalb der Zelle haben Amparo Acker-Palmer und der Neuropathologe Till Acker jetzt entschlüsselt.

„Wie sich herausstellte, stellt der intrazelluläre Signalweg zur Regelung des Gefäßwachstumsfaktors einen wichtigen Mechanismus bei der Angiogenese dar“, erläutert Acker-Palmer die Bedeutung ihrer Arbeit. Zum Nachweis blockierten die beiden Forscher das Ende des Rezeptors, welches Signale in das Zellinnere weiter leitet. Bei diesen Tieren war die Gefäßsprossung unterdrückt.

Offenbar reguliert Ephrin-B2 nicht nur den bisher durch Medikamente unterdrückten Gefäßwachstumsfaktor VEGFR2, sondern auch einen weiteren mit Namen VEGFR3, wie Ralf Adams und seine Mitarbeiter vom Max Planck Institut für Molekulare Biomedizin in Münster in derselben Ausgabe von Nature berichten. „Ephrin-B2 ist daher eine entscheidende Zielstruktur für Wirkstoffe, die das unerwünschte Gefäßwachstum unterbinden sollen“, erklärt Till Acker.

Publikation: Nature advance online publication: doi:10.1038/nature08995

Informationen: Prof. Amparo Acker-Palmer, Institut für Zellbiologie und Neurowissenschaft, Frankfurt Institute for Molecular life Sciences, Campus Riedberg, Tel: (069) 798-29645; Acker-Palmer@bio.uni-frankfurt.de.

Die Goethe-Universität ist eine forschungsstarke Hochschule in der europäischen Finanzmetropole Frankfurt. 1914 von Frankfurter Bürgern gegründet, ist sie heute eine der zehn drittmittelstärksten und größten Universitäten Deutschlands. Am 1. Januar 2008 gewann sie mit der Rückkehr zu ihren historischen Wurzeln als Stiftungsuniversität ein einzigartiges Maß an Eigenständigkeit. Parallel dazu erhält die Universität auch baulich ein neues Gesicht. Rund um das historische Poelzig-Ensemble im Frankfurter Westend entsteht ein neuer Campus, der ästhetische und funktionale Maßstäbe setzt. Die „Science City“ auf dem Riedberg vereint die naturwissenschaftlichen Fachbereiche in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei Max-Planck-Instituten. Mit über 55 Stiftungs- und Stiftungsgastprofessuren nimmt die Goethe-Universität laut Stifterverband eine Führungsrolle ein.

Herausgeber: Der Präsident
Abteilung Marketing und Kommunikation, Postfach 11 19 32,
60054 Frankfurt am Main
Redaktion: Dr. Anne Hardy, Referentin für Wissenschaftskommunikation Telefon (069) 798 – 2 92 28, Telefax (069) 798 - 2 85 30, E-Mail hardy@pvw.uni-frankfurt.de

Dr. Anne Hardy | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-frankfurt.de
http://www.nature.com/nature/journal/vaop/ncurrent/full/nature08995.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn
30.05.2017 | Deutsches Krebsforschungszentrum

nachricht 3D-Druckertinte aus dem Wald
30.05.2017 | Empa - Eidgenössische Materialprüfungs- und Forschungsanstalt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

Wissenschaftler haben eine neue Methode entwickelt, um die Eigenschaften von Graphen ohne das Anlegen störender elektrischer Kontakte zu charakterisieren. Damit lassen sich gleichzeitig der Widerstand und die Quantenkapazität von Graphen sowie von anderen zweidimensionalen Materialien untersuchen. Dies berichten Forscher vom Swiss Nanoscience Institute und Departement Physik der Universität Basel im Wissenschaftsjournal «Physical Review Applied».

Graphen besteht aus einer einzigen Lage von Kohlenstoffatomen. Es ist transparent, härter als Diamant, stärker als Stahl, dabei aber flexibel und ein deutlich...

Im Focus: New Method of Characterizing Graphene

Scientists have developed a new method of characterizing graphene’s properties without applying disruptive electrical contacts, allowing them to investigate both the resistance and quantum capacitance of graphene and other two-dimensional materials. Researchers from the Swiss Nanoscience Institute and the University of Basel’s Department of Physics reported their findings in the journal Physical Review Applied.

Graphene consists of a single layer of carbon atoms. It is transparent, harder than diamond and stronger than steel, yet flexible, and a significantly better...

Im Focus: Detaillierter Blick auf molekularen Gifttransporter

Transportproteine in unseren Körperzellen schützen uns vor gewissen Vergiftungen. Forschende der ETH Zürich und der Universität Basel haben nun die hochaufgelöste dreidimensionale Struktur eines bedeutenden menschlichen Transportproteins aufgeklärt. Langfristig könnte dies helfen, neue Medikamente zu entwickeln.

Fast alle Lebewesen haben im Lauf der Evolution Mechanismen entwickelt, um Giftstoffe, die ins Innere ihrer Zellen gelangt sind, wieder loszuwerden: In der...

Im Focus: Neue Methode für die Datenübertragung mit Licht

Der steigende Bedarf an schneller, leistungsfähiger Datenübertragung erfordert die Entwicklung neuer Verfahren zur verlustarmen und störungsfreien Übermittlung von optischen Informationssignalen. Wissenschaftler der Universität Johannesburg, des Instituts für Angewandte Optik der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) präsentieren im Fachblatt „Journal of Optics“ eine neue Möglichkeit, glasfaserbasierte und kabellose optische Datenübertragung effizient miteinander zu verbinden.

Dank des Internets können wir in Sekundenbruchteilen mit Menschen rund um den Globus in Kontakt treten. Damit die Kommunikation reibungslos funktioniert,...

Im Focus: Strathclyde-led research develops world's highest gain high-power laser amplifier

The world's highest gain high power laser amplifier - by many orders of magnitude - has been developed in research led at the University of Strathclyde.

The researchers demonstrated the feasibility of using plasma to amplify short laser pulses of picojoule-level energy up to 100 millijoules, which is a 'gain'...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Wissenschaftsforum Chemie 2017

30.05.2017 | Veranstaltungen

Erfolgsfaktor Digitalisierung

30.05.2017 | Veranstaltungen

Lebensdauer alternder Brücken - prüfen und vorausschauen

29.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Methode zur Charakterisierung von Graphen

30.05.2017 | Physik Astronomie

Riesenfresszellen steuern die Entwicklung von Nerven und Blutgefäßen im Gehirn

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Nano-U-Boot mit Selbstzerstörungs-Mechanismus

30.05.2017 | Biowissenschaften Chemie