Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten

20.10.2009
Neue Ansätze zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten standen im Mittelpunkt eines Symposiums, das Anfang Oktober an der Uni Würzburg stattgefunden hat.

Mehr als 100 Teilnehmer nutzten die Gelegenheit, mit weltweit führenden Forschern aktuelle wissenschaftliche Ergebnisse zu diskutieren. Dazu eingeladen hatte der Würzburger Sonderforschungsbereich 630.

Trotz der raschen medizinischen Entwicklung sind Infektionskrankheiten weltweit immer noch die Ursache Nummer eins für ca. 30 Prozent aller Todesfälle. Glaubte man noch vor wenigen Jahren, viele Krankheitserreger mehr oder weniger besiegt zu haben, sieht man sich heute vielfach mit dem Problem konfrontiert, dass bekannte Erreger zunehmend resistent gegen gängige, bewährte Medikamente werden. Auch das Auftreten von bisher unbekannten Erregern, wie jetzt beispielsweise bei der neuen Grippe, die sich zudem durch den weltweiten Reiseverkehr immer schneller verbreiten können, zeigt die Dringlichkeit, neue Medikamente zu entwickeln.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit

Diesem Ziel widmet sich der Sonderforschungsbereich 630 an der Universität Würzburg. In ihm suchen Wissenschaftler nach neuen Substanzen, die sich für die Therapie von Tropen- und anderen Infektionskrankheiten eignen. Dafür arbeiten Wissenschaftler zahlreicher Disziplinen zusammen: Mikrobiologen, die die Erreger kennen und analysieren können; Kliniker, die den Bedarf an Wirkstoffen definieren; Chemiker und Pharmazeuten, die neue Wirkstoffe in verschiedenartigsten natürlichen Quellen wie beispielsweise Pflanzen und Mikroorganismen suchen, identifizieren und synthetisch nachbauen und schließlich mit Blick auf eine pharmazeutische Nutzbarmachung in ihrer Wirkung optimieren und modifizieren; Physiker, die modernste Technologien zur Analyse der Wirkmechanismen nutzen; und Theoretiker, die Wirkmechanismen und Optimierungsstrategien vorschlagen können. Aus all diesen Bereichen fanden sich denn auch Vertreter auf dem Symposium.

Schwierige Suche nach neuen Wirkstoffen

Obwohl die Genome der wichtigsten Krankheitserreger bereits im Detail bekannt sind und sich auf dieser Grundlage genaue Vorhersagen von möglichen Zielen für neue Wirkstoffe tätigen lassen, versagen viele dieser neu entwickelten Antibiotika bei der Testung im Menschen, berichtete Privatdozentin Dr. Heike Brötz-Oesterhelt von der Firma Aicuris in Wuppertal.

Daher geht der Trend auf der Suche nach neuen Wirkstoffen eindeutig wieder dahin zurück, Naturstoffe als Quelle zu nutzen. So konnte Professor Roderich Süssmuth an der Technischen Universität Berlin aus 900 verschiedenen bakteriellen Extrakten Substanzen isolieren, die in Bakterien in einem frühen Schritt die Synthese von Folat, einem wichtigen Zwischenprodukt in verschiedenen Stoffwechselwegen, hemmen.

Für die Optimierung der so identifizierten Wirkstoffe ist dann die Kenntnis des detaillierten dreidimensionalen Aufbaus ihres Angriffsziels nötig. Professor Serge van Calenbergh von der Universität Gent (Belgien) zeigte an einem neuen Malariamittel, das ursprünglich ebenfalls aus Bakterien isoliert wurde, dass durch die gezielte, von der Form des Angriffsziels geleitete Veränderung der chemischen Struktur die Wirksamkeit um ein Vielfaches erhöht werden kann.

Neben der Identifizierung von antibiotischen Aktivitäten aus natürlichen Extrakten, dem sogenannten "Screening", schreitet aber auch das rationale, geplante Design von Wirkstoffen rasant voran. Professor Roderick Hubbard aus York (Großbritannien) sucht, ebenfalls geleitet durch den Aufbau des Angriffsziels, kleine wirksame Moleküle, um sie anschließend nach dem Baukastenprinzip zu einer großen, hochwirksamen Struktur zu vereinigen. Einige dieser Substanzen werden mittlerweile in klinischen Studien untersucht.

Der Sonderforschungsbereich 630

Im Sonderforschungsbereich 630 verfolgen seit dessen Gründung im Jahr 2003 rund 60 Wissenschaftler aus vier Fakultäten und dem Tropenmedizinischen Institut der Missionsärztlichen Klinik diesen integrativen interdisziplinären Ansatz. Aktuell werden unter seinem Dach 16 Einzelvorhaben zum Thema "Neue Wirkstoffe gegen Infektionskrankheiten" mit Mitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert. Sein Sprecher ist der Inhaber des Lehrstuhls I für Organische Chemie, Professor Gerhard Bringmann.

Die nächste Gelegenheit zum Wissensaustausch steht schon fest: Vom 19. bis 21. November findet in Heidelberg ein gemeinsames Doktorandensymposium der Sonderforschungsbereiche 544 (Control of Infectious Diseases), 766 (The Bacterial Cell Envelope: Structure, Function, and Infection Interface) und 630 statt. Zum fünften Mal werden dann Doktoranden ihre aktuellen Arbeiten in Vorträgen und Posterpräsentationen vorstellen.

Kontakt:

PD Dr. Heike Bruhn, T: (0931) 31 82 141, E-Mail: heike.bruhn@mail.uni-wuerzburg.de

Prof. Dr. Gerhard Bringmann, T: (0931) 31 85 323, E-Mail: bringman@chemie.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Kupferhydroxid-Nanopartikel schützen vor toxischen Sauerstoffradikalen im Zigarettenrauch
30.03.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE