Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Risikovariante für Neurodermitis identifiziert

07.04.2009
Wissenschaftler des Max-Delbrück-Centrums (MDC) und der Charité in Berlin haben mit Forschern des Klinikums rechts der Isar der Technischen Universität München und der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel eine Genvariante auf Chromosom 11 identifiziert, die das Risiko für Neurodermitis erhöht.

In einer großen klinischen Studie untersuchten sie das Erbgut von über 9 600 Teilnehmern aus Deutschland, Polen und der Tschechischen Republik. "Mit unseren Ergebnissen werfen wir ein neues Licht auf die Entstehung der Krankheit", so Prof. Young-Ae Lee (Charité, MDC). Sie hofft auf neue Ansatzpunkte für eine gezieltere Therapie dieser chronischen Hauterkrankung (Nature Genetics doi: 10.1038/ng.347).

Immer mehr Menschen leiden an Neurodermitis, auch atopische Dermatitis oder endogenes bzw. atopisches Ekzem genannt. Diese entzündliche Hauterkrankung tritt über mehrere Jahre meist schubweise auf und ist mit quälendem Juckreiz verbunden. Neurodermitis gehört neben Heuschnupfen und Asthma zu den häufigsten allergischen Erkrankungen.

In den Industrieländern sind etwa 15 Prozent der Kleinkinder betroffen. In den meisten Fällen tritt die Neurodermitis bereits in den ersten Lebensmonaten auf und für viele betroffene Kinder beginnt damit eine Laufbahn als Allergiker, die in späteren Lebensjahren in Heuschnupfen oder Asthma mündet. Wie es zum Ausbruch der Neurodermitis kommt, ist bislang nicht vollständig geklärt. Fest steht, dass die erbliche Veranlagung eine wesentliche Rolle dabei spielt.

Daher haben die Wissenschaftler unter den über 9 600 Teilnehmern das Erbgut von 3 011 Studienteilnehmern genauer unter die Lupe genommen. Darunter waren Kinder und Erwachsene mit Neurodermitis, Gesunde, sowie ganze Familien, in denen mindestens zwei Geschwister an Neurodermitis erkrankt sind. Die Forscher durchmusterten das gesamte Erbgut, um Veränderungen zu finden, die besonders häufig bei Neurodermitis-Patienten auftreten.

Die Ergebnisse zeigen, dass mehrere Gene an der Entstehung der Neurodermitis beteiligt sind. Besonders häufig trat eine Veränderung auf Chromosom 11 bei Neurodermitis-Patienten auf. In der identifizierten Region liegt ein Gen namens C11orf30, das die Bauanleitung für das Eiweiß EMSY enthält. Die Wissenschaftler vermuten, dass eine Veränderung in diesem Gen zu Neurodermitis führt. Noch ist aber nicht genau bekannt, welche Rolle EMSY bei der Neurodermitis wirklich spielt.

Genveränderung auch bei Morbus Crohn
Dieselbe Variante auf Chromosom 11 tritt auch bei Patienten mit Morbus Crohn, einer chronisch entzündlichen Darmerkrankung, gehäuft auf. Das deutet auf einen neuen gemeinsamen Krankheitsmechanismus hin, der zu chronischer Entzündung verschiedener Organe führen kann. Die betreffende Gen-Variante ist in der Bevölkerung sehr verbreitet, in Europa sind zirka 36 Prozent aller Menschen Träger dieser Variante. Die MDC- und Charité-Wissenschaftler wollen jetzt die genaue Funktion von EMSY bei der Neurodermitis entschlüsseln.

Darüber hinaus zeigen die Wissenschaftler in dieser Studie, dass weitere, bislang unbekannte Varianten, in solchen Genen, die die Bauanleitung für die äußerste Hautschicht enthalten, zur Entstehung von Neurodermitis beitragen. Die an der Studie beteiligten Wissenschaftler hoffen, dass ihre Ergebnisse zu einer verbesserten Therapie der Neurodermitis beitragen.

*A common variant on chromosome 11q13 is associated with atopic dermatitis

Jorge Esparza-Gordillo1,2,16, Stephan Weidinger3,4,16, Regina Fölster-Holst5, Anja Bauerfeind2, Franz Ruschendorf2, Giannino Patone2, Klaus Rohde2, Ingo Marenholz1,2, Florian Schulz1,2, Tamara Kerscher1,2, Norbert Hubner2, Ulrich Wahn1, Stefan Schreiber6,7, Andre Franke6, Rainer Vogler7, Simon Heath8, Hansjörg Baurecht4,9, Natalija Novak10, Elke Rodriguez3,4, Thomas Illig11, Min-Ae Lee-Kirsch12, Andrzej Ciechanowicz13, Michael Kurek14, Tereza Piskackova15, Milan Macek15, Young-Ae Lee1,2, Andreas Ruether6

1 Pediatric Pneumology and Immunology, Charité Universitätsmedizin Berlin, Berlin, Germany
2 Max-Delbrück-Centrum (MDC) for Molecular Medicine, Berlin-Buch, Germany
3 Department of Dermatology and Allergy, Technische Universität München, Munich, Germany
4 Division of Environmental Dermatology and Allergy, Helmholtz Zentrum Munich and ZAUM Center for Allergy and Environment, Technische Universität München, Munich, Germany
5 Clinic for Dermatology, Venerology and Allergology, University Hospital Schleswig-Holstein, Kiel, Germany
6 Institute for Clinical Molecular Biology, Christian-Albrechts-University, Kiel, Germany
7 POPGEN Biobank Project, Christian-Albrechts-University, Kiel, Germany
8 Centre National de Génotypage, Evry, France
9 Institute for Medical Statistics and Epidemiology IMSE, Technische Universität München, Munich, Germany
10 Department of Dermatology and Allergy, University of Bonn, Bonn, Germany
11 Department of Epidemiology, Helmholtz Zentrum Munich-German Research Center for Environmental Health, Neuherberg, Germany
12 Klinik fur Kinder- und Jugendmedizin, Technical University Dresden, Dresden, Germany
13 Dept. Laboratory Diagnostics and Molecular Medicine, Pomeranian Medical University, Szczecin, Poland
14 Department of Clinical Allergology, Pomeranian, Pomeranian Medical University, Szczecin, Poland
15 Department of Biology and Medical Genetics, Charles University Prague - 2. Medical School and Faculty, Hospital Motol, Prague, Czech Republic
16 These authors contributed equally to this work
Corresponding author: Prof. Dr. Young-Ae Lee, Pediatric Pneumology and Immunology, Charite Campus Virchow Klinikum, Augustenburger Platz 1, D-13353 Berlin, Germany
Barbara Bachtler
Pressestelle Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC) Berlin-Buch
Robert-Rössle-Straße 10, 13125 Berlin?Tel.: +49 (0) 30 94 06 - 38 96; Fax: +49 (0) 30 94 06 - 38 33

e-mail: presse@mdc-berlin.de; http://www.mdc-berlin.de/

Kerstin Endele
Leiterin Charité - Universitätsmedizin Berlin Unternehmenskommunikation
Charitéplatz 1, 10117 Berlin; Tel: +49 (0) 30/ 450 570 401; Fax: +49 (0)30/ 450 570 401

e-mail: kerstin.endele@charite.de; http://www.charite.de/

Tanja Schmidhofer
Klinikum rechts der Isar der TU München Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel.: +49 (0) 89 / 4140 2046; Fax: +49 (0)89 / 4140 7709
e-mail: schmidhofer@lrz.tum.de; http://www.med.tu-muenchen.de/
Sandra Ogriseck
Stabsstelle Presse und Kommunikation Christian-Albrechts-Universität zu Kiel
Christian-Albrechts-Platz 4, 24118 Kiel; Tel.: +49 (0) 431 880-7110; Fax: +49 (0) 431 880-1355

e-Mail: sogriseck@uv.uni-kiel.de; http://www.uni-kiel.de/

Barbara Bachtler | Max-Delbrück-Centrum
Weitere Informationen:
http://www.mdc-berlin.de/
http://www.charite.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Spot auf die Maschinerie des Lebens
23.08.2017 | Max-Planck-Institut für die Physik des Lichts, Erlangen

nachricht Immunsystem kann durch gezielte Manipulation des Zellstoffwechsels reguliert werden
23.08.2017 | Medical University of Vienna

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Platz 2 für Helikopter-Designstudie aus Stade - Carbontechnologie-Studenten der PFH erfolgreich

Bereits lange vor dem Studienabschluss haben vier Studenten des PFH Hansecampus Stade ihr ingenieurwissenschaftliches Können eindrucksvoll unter Beweis gestellt: Malte Blask, Hagen Hagens, Nick Neubert und Rouven Weg haben bei einem internationalen Wettbewerb der American Helicopter Society (AHS International) den zweiten Platz belegt. Ihre Aufgabe war es, eine Designstudie für ein helikopterähnliches Fluggerät zu entwickeln, das 24 Stunden an einem Punkt in der Luft fliegen kann.

Die vier Kommilitonen sind im Studiengang Verbundwerkstoffe/Composites am Hansecampus Stade der PFH Private Hochschule Göttingen eingeschrieben. Seit elf...

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die Zukunft des Leichtbaus: Mehr als nur Material einsparen

23.08.2017 | Veranstaltungen

Logistikmanagement-Konferenz 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2017

23.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Spot auf die Maschinerie des Lebens

23.08.2017 | Biowissenschaften Chemie

Die Sonne: Motor des Erdklimas

23.08.2017 | Physik Astronomie

Entfesselte Magnetkraft

23.08.2017 | Physik Astronomie