Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Proteine dank neuer Verfahren

03.08.2012
Biologen und Biochemiker der TU Darmstadt sind an einem neuen Schwerpunktprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) beteiligt. Ziel der Forscher ist es, neuartige Proteine zu entwickeln, mit denen sie biologische Prozesse entschlüsseln und gezielt kontrollieren können.

Sämtliche Vorgänge des Lebens werden letztendlich von einer Vielzahl verschiedener Eiweißstoffe, den Proteinen, ausgeführt. Die Proteine sind unter anderem für Stoffwechsel, Muskelarbeit oder das Denken verantwortlich. Trotz dieser vielfältigen Funktionen bestehen die zigtausend verschiedenen Proteine nur aus Kombinationen von insgesamt 20 natürlich vorkommenden Bausteinen, sogenannten Aminosäuren.

Im Rahmen des neuen DFG-Schwerpunktprogramms „Chemoselektive Reaktionen für die Synthese und Anwendung funktionalisierter Proteine“ wollen Forscher neuartige, chemisch veränderte Proteine entwickeln, mit denen sie biologische Prozesse entschlüsseln und gezielt kontrollieren können.

Die TU Darmstadt ist im Schwerpunktprogramm mit einem Projekt der Biologin Prof. Dr. M. Cristina Cardoso und einem Projekt des Biochemikers Prof. Dr. Harald Kolmar vertreten. „Ich bin fasziniert von den völlig neuen Möglichkeiten, die sich durch diese Kombination von biologischen und chemischen Methoden ergeben. Wir können jetzt völlig neuartige Proteine entwickeln um damit biologische Prozesse zu entschlüsseln und gezielt zu kontrollieren. Wir denken, dass sich neben Anwendungen in der Grundlagenforschung damit auch völlig neuartige therapeutische Möglichkeiten ergeben“, sagt Cardoso.

Die beiden Darmstädter Arbeitsgruppen sollen gemeinsam in der neuen Forschungsrichtung der „bioorthogonalen Chemie“ die Möglichkeiten biologischer Systeme gezielt mit chemischen Methoden kombinieren. Die Arbeitsgruppe um Professor Cardoso möchte künstliche Antikörper, also Proteine der Immunabwehr, mit bioorthogonalen Methoden gezielt mit Farbstoffen markieren und in lebende Zellen als hochspezifische Sonden einschleusen um damit biologische Prozesse in vivo erforschen. Dazu kooperiert Cardoso sehr eng mit Professor Kolmar sowie mit Prof. Dr. Heinrich Leonhardt von der Ludwig Maximilians Universität München und Prof. Dr. Christian Hackenberger von der Freien Universität Berlin, der das Schwerpunktprogramm koordiniert.

Auch in der Arbeitsgruppe um Professor Kolmar werden in einem gemeinsamen Projekt mit Professor Diederichsen von der Universität Göttingen Antikörper bearbeitet. Hier sollen chemisch synthetisierte Ankermoleküle auf Antikörper gekoppelt werden, so dass Tumorzellen von diesen besser erkannt werden. Solche Hybridmoleküle könnten als langfristiges Ziel zum Beispiel in der Tumordiagnostik als molekulare Sonden eingesetzt werden.

Die DFG hatte das Schwerpunktprogramm im Umfang von nahezu elf Millionen Euro im April vergangenen Jahres bewilligt. Im Rahmen des Programms werden bundesweit 31 Arbeitsgruppen in 19 Projekten gefördert. Der neue Forschungsverbund, der Mitte dieses Jahres seine Arbeit aufgenommen hat, vereint Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der Chemie, Biotechnologie, Molekularbiologie, Biophysik und Biologie.

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.spp1623.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Neurobiologie - Die Chemie der Erinnerung
21.11.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

nachricht Diabetes: Immunsystem kann Insulin regulieren
21.11.2017 | Universität Basel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Strukturen – große Wirkung

Innovative Schutzschicht für geringen Verbrauch künftiger Rolls-Royce Flugtriebwerke entwickelt

Gemeinsam mit Rolls-Royce Deutschland hat das Fraunhofer-Institut für Werkstoff- und Strahltechnik IWS im Rahmen von zwei Vorhaben aus dem...

Im Focus: Nanoparticles help with malaria diagnosis – new rapid test in development

The WHO reports an estimated 429,000 malaria deaths each year. The disease mostly affects tropical and subtropical regions and in particular the African continent. The Fraunhofer Institute for Silicate Research ISC teamed up with the Fraunhofer Institute for Molecular Biology and Applied Ecology IME and the Institute of Tropical Medicine at the University of Tübingen for a new test method to detect malaria parasites in blood. The idea of the research project “NanoFRET” is to develop a highly sensitive and reliable rapid diagnostic test so that patient treatment can begin as early as possible.

Malaria is caused by parasites transmitted by mosquito bite. The most dangerous form of malaria is malaria tropica. Left untreated, it is fatal in most cases....

Im Focus: Transparente Beschichtung für Alltagsanwendungen

Sport- und Outdoorbekleidung, die Wasser und Schmutz abweist, oder Windschutzscheiben, an denen kein Wasser kondensiert – viele alltägliche Produkte können von stark wasserabweisenden Beschichtungen profitieren. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) haben Forscher um Dr. Bastian E. Rapp einen Werkstoff für solche Beschichtungen entwickelt, der sowohl transparent als auch abriebfest ist: „Fluoropor“, einen fluorierten Polymerschaum mit durchgehender Nano-/Mikrostruktur. Sie stellen ihn in Nature Scientific Reports vor. (DOI: 10.1038/s41598-017-15287-8)

In der Natur ist das Phänomen vor allem bei Lotuspflanzen bekannt: Wassertropfen perlen von der Blattoberfläche einfach ab. Diesen Lotuseffekt ahmen...

Im Focus: Ultrakalte chemische Prozesse: Physikern gelingt beispiellose Vermessung auf Quantenniveau

Wissenschaftler um den Ulmer Physikprofessor Johannes Hecker Denschlag haben chemische Prozesse mit einer beispiellosen Auflösung auf Quantenniveau vermessen. Bei ihrer wissenschaftlichen Arbeit kombinierten die Forscher Theorie und Experiment und können so erstmals die Produktzustandsverteilung über alle Quantenzustände hinweg - unmittelbar nach der Molekülbildung - nachvollziehen. Die Forscher haben ihre Erkenntnisse in der renommierten Fachzeitschrift "Science" publiziert. Durch die Ergebnisse wird ein tieferes Verständnis zunehmend komplexer chemischer Reaktionen möglich, das zukünftig genutzt werden kann, um Reaktionsprozesse auf Quantenniveau zu steuern.

Einer deutsch-amerikanischen Forschergruppe ist es gelungen, chemische Prozesse mit einer nie dagewesenen Auflösung auf Quantenniveau zu vermessen. Dadurch...

Im Focus: Leoniden 2017: Sternschnuppen im Anflug?

Gemeinsame Pressemitteilung der Vereinigung der Sternfreunde und des Hauses der Astronomie in Heidelberg

Die Sternschnuppen der Leoniden sind in diesem Jahr gut zu beobachten, da kein Mondlicht stört. Experten sagen für die Nächte vom 16. auf den 17. und vom 17....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Tagung widmet sich dem Thema Autonomes Fahren

21.11.2017 | Veranstaltungen

Neues Elektro-Forschungsfahrzeug am Institut für Mikroelektronische Systeme

21.11.2017 | Veranstaltungen

Raumfahrtkolloquium: Technologien für die Raumfahrt von morgen

21.11.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wasserkühlung für die Erdkruste - Meerwasser dringt deutlich tiefer ein

21.11.2017 | Geowissenschaften

Eine Nano-Uhr mit präzisen Zeigern

21.11.2017 | Physik Astronomie

Zentraler Schalter

21.11.2017 | Biowissenschaften Chemie