Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Kontrastmittel für die Krebsdiagnostik

12.11.2008
Seit 30 Jahren blicken Ärzte mit Hilfe der Magnetresonanztomograpie (MRT) in innere Organe und Gewebe des Körpers. Sie erkennen damit krankhafte Veränderungen in Organen, wie z.B. Verletzungen, Entzündungen oder Tumore.

Jetzt gehen Ärzte und Wissenschaftler der Universitäten Hamburg und Kiel, des Heinrich-Pette-Instituts und der Philips-Forschungslaboratorien einen Schritt weiter: Sie entwickeln und testen neue Kontrastmittel für die MRT, um Tumore früher als bislang und auf molekularer Ebene erkennen zu können.

Dies soll in Zukunft eine gezieltere und bessere Therapie ermöglichen. Dazu sind Techniken notwendig, die unter dem Begriff "Molekulare Bildgebung" zusammengefasst werden.

TOMCAT, so der Titel des neuen Konsortiums soll die Magnetresonanztomographie für die Krebsdiagnostik und -forschung verbessern. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert TOMCAT mit 2.8 Mio Euro. Harald Ittrich und Gerhard Adam vom Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) koordinieren das Konsortium: "Wir wollen hochspezifische zielgerichtete Kontrastmittel entwickeln, die auf molekularer Ebene im Millimetermaßstab kleinste bösartige Tumore oder Metastasen erkennen und uns mehr Informationen über Eigenschaften der Tumoren liefern." Die Wissenschaftler verwenden hierfür so genannte SPIOs.

Das sind superparamagnetische Eisenoxid-Partikel, die nur wenige Nanometer groß sind. Diese SPIOs werden zu zielgerichteten Detektiven, indem sie an Tumormarker gekoppelt werden. Harald Ittrich: "Das Gesamtgebilde aus SPIO und Tumormarker muss so klein wie möglich bleiben, damit das Kontrastmittel die Blutbahn verlässt und sich spezifisch am Tumor anreichert." Die Ärzte und Wissenschaftler testen zunächst in der Gewebekultur und an Mäusen, ob und wie ihre neuen Kontrastmittel funktionieren und wie effizient diese sind.

Solide Tumore, wie zum Beispiel bösartige Tumore der Lunge, der Brust (Mammakarzinome), des Darmes, der Bauchspeicheldrüse, der Leber oder ihrer Metastasen dienen als Testsysteme. Sie besitzen erhöhte Mengen bestimmter Proteine auf den Zelloberflächen, die Rezeptormoleküle der CEA-Familie (CEA = Carcinoembrionales Antigen). TOMCAT-Forscher der Klinischen Chemie in Hamburg werden Antikörper gegen diese Proteine optimieren und an SPIOs koppeln. So entstehen hochspezialisierte Nanopartikel für die Tumordiagnostik.

Heinrich Hohenberg wird mit seinen Kollegen am Heinrich-Pette-Institut (http://www.hpi-hamburg.de) untersuchen, wie diese Nanopartikel an Zellen und Gewebe binden, wie sie abgebaut oder eingelagert werden. "Wir verwenden dafür hochauflösende Elektronenmikroskope, mit denen wir die Gewebe und Zellen unter lebensnahen Bedingungen und dreidimensional darstellen können. So soll neben der makroskopischen Sichtbarmachung der Tumoren mittels MRT auch die Wirkungsweise der Kontrastmittel im Mikro- und Nanokosmos auf zellulärer und molekularer Ebene untersucht werden.", erklärt Heinrich Hohenberg

Seit mehr als 25 Jahren sind die Philips-Forschungslaboratorien in Hamburg auf die Magnetresonanztomograpie spezialisiert und somit starker industrieller Partner im TOMCAT-Konsortium. Eine neue Methode, das "Magnetic Particle Imaging (MPI)" wurde hier vor 3 Jahren entwickelt und soll im Rahmen der Studien näher untersucht und weiterentwickelt werden. Die zentrale Frage ist, ob MPI als bildgebende Methode in der Tumordiagnostik etabliert werden kann.

"Mit TOMCAT können wir neue Strategien entwickeln, die in Zukunft eine frühere Erkennung und bessere Behandlung von Tumoren ermöglichen sollen", so fasst Harald Ittrich die Mission von TOMCAT zusammen.

Die Partner von TOMCAT:

Institut für Klinische Chemie/Zentrallaboratorien des UKE, Hamburg; Prof. Dr. C. Wagener, Dr. P. Nollau

Klinik und Poliklinik für Diagnostische und Interventionelle Radiologie des UKE, Hamburg; Prof. Dr. G. Adam, Dr. H. Ittrich (Koordinatoren von TOMCAT)

Institut für Anatomie II - Experimentelle Morphologie des UKE, Hamburg; Prof. Dr. med. U. Schumacher

Klinik für Allgemeine Chirurgie und Thoraxchirurgie sowie Anatomisches Institut des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein, Kiel; Prof. Dr. H. Kalthoff, Prof. Dr. R. Mentlein

Institut für Biochemie und Molekularbiologie II : Molekulare Zellbiologie des UKE, Hamburg; Prof. Dr. Dr. h.c. U. Beisiegel, PD Dr. P. Nielsen

Heinrich-Pette-Institut für Experimentelle Virologie und Immunologie, Hamburg; Dr. H. Hohenberg

Philips Forschungslaboratorien Hamburg; Dr. H. Dahnke, Dr. J. Borgert

Dr. Angela Homfeld | idw
Weitere Informationen:
http://www.hpi-hamburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht
18.10.2017 | Fraunhofer-Institut für Lasertechnik ILT

nachricht Pflanzen können drei Eltern haben
18.10.2017 | Universität Bremen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Im Focus: Neutron star merger directly observed for the first time

University of Maryland researchers contribute to historic detection of gravitational waves and light created by event

On August 17, 2017, at 12:41:04 UTC, scientists made the first direct observation of a merger between two neutron stars--the dense, collapsed cores that remain...

Im Focus: Breaking: the first light from two neutron stars merging

Seven new papers describe the first-ever detection of light from a gravitational wave source. The event, caused by two neutron stars colliding and merging together, was dubbed GW170817 because it sent ripples through space-time that reached Earth on 2017 August 17. Around the world, hundreds of excited astronomers mobilized quickly and were able to observe the event using numerous telescopes, providing a wealth of new data.

Previous detections of gravitational waves have all involved the merger of two black holes, a feat that won the 2017 Nobel Prize in Physics earlier this month....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Mobilität 4.0: Konferenz an der Jacobs University

18.10.2017 | Veranstaltungen

Smart MES 2017: die Fertigung der Zukunft

18.10.2017 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2017

17.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

18.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Biokunststoffe könnten auch in Traktoren die Richtung angeben

18.10.2017 | Messenachrichten

»ILIGHTS«-Studie gestartet: Licht soll Wohlbefinden von Schichtarbeitern verbessern

18.10.2017 | Energie und Elektrotechnik