Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Insekten-Spezies: Läuft auf Fersen und kommuniziert mit Vibration

01.12.2008
Monika Eberhard vom Department für Evolutionsbiologie der Universität Wien untersucht das Verhalten einer bislang unbekannten Insektengruppe: der Fersenläufer.

Diese kommunizieren mittels Vibrationen. Dabei unterhalten sich nur Männchen und Weibchen derselben Art, fand die Biologin heraus, die im Oktober den "For Women in Science"-Forschungspreis von L'Oréal erhielt.

Täglich finden Biologen neue Tierarten in der freien Natur. Anders als im Jahr 2001/2002: Ein deutscher Wissenschafter fand in einem Museum eine völlig neue Insektenordnung. Jahrelang waren die Tiere unbemerkt in Museumssammlungen vorhanden, und trotzdem hatte man sie nicht erkannt.

Nur aufgrund dieser Museumsexemplare beschrieben, hielten die neuen Insekten, getauft auf Mantophasmatodea (auf Deutsch "Fersenläufer"), in das Kategoriensystem der Biologie Einzug. Im Jahr 2002 wurden ForscherInnen, die sich auf die Suche nach den Tieren gemacht hatten, tatsächlich fündig: Verschiedene Arten von Fersenläufern krabbelten in den Büschen Namibias und Südafrikas.

"Alles, was man an diesen Insekten erforscht, ist neu und allein schon deshalb spannend", sagt Monika Eberhard vom Department für Evolutionsbiologie. Sie analysiert als erste das Verhalten der Fersenläufer, insbesondere deren Kommunikation.

Kleine afrikanische Trommler
Die 15 bis 35 Millimeter kleinen, flügellosen Insekten haben einige Besonderheiten. Fast immer halten sie das letzte Beinglied in die Höhe, weswegen sie den Namen Fersenläufer erhielten. Generell ähneln sie einer Mischung aus Gottesanbeterin und Stabheuschrecke. Mit ihrem Hinterkörper trommeln sie oft gegen den Boden.
Ausflüge in die Steppe
Im Jahr 2006 verbrachte Monika Eberhard zehn Monate in Südafrika, wo sie verschiedene Arten von Fersenläufern sammelte. Von anderen Insektengruppen wusste die Biologin, dass die Tiere mit ihrem spezifischen Trommeln wahrscheinlich Vibrationen erzeugen und mit diesen kommunizieren, was vor allem für die Paarfindung nützlich sein kann. "Vibrationskommunikation ist eine sehr grundlegende Kommunikation bei Insekten, weil Insekten gute Mechano-Rezeptoren haben, um Vibrationen aufzunehmen", erklärt Monika Eberhard.
Thesen überprüfen
Zurück im Labor, setzte sie einen Fersenläufer nach dem anderen auf ein Mikrofon und trat mit ihnen in einen Dialog: Mit einem Stift lässt sich das Klopfen der Tiere gut imitieren, diese antworten prompt. So zeichnete Monika Eberhard verschiedene Insektenstimmen auf.

Im zweiten Teil des Settings spielte sie die Signale den Insekten vor und experimentierte mit verschiedenen Zusammensetzungen an Arten, Stimmen, Männchen und Weibchen. Die Ergebnisse der ersten zwei Jahre Projektarbeit sind, dass die Insekten nur auf das andere Geschlecht und nur auf die eigene Art reagieren.

Im Busch
Im realen Leben der Insekten sieht das so aus, dass wahrscheinlich die Weibchen mit ihren Pheromonen die Männchen anlocken. In den kompliziert verästelten Büschen wäre die Duftwolke alleine jedoch kein guter Wegweiser. Deswegen fangen die Männchen zu klopfen an, sobald sie den richtigen Busch erreicht haben. Wenn das Weibchen ein Klopfsignal erhält, verharrt es und klopft ebenfalls. Das Männchen macht sich daraufhin aktiv auf die Suche, bis die beiden aufeinandertreffen und die Paarung beginnt.
Aufnahme der Vibration
Nach diesen Verhaltensstudien geht es Monika Eberhard nun um die Perzeption der Vibration. Viele Insekten haben eigene vibrationssensitive Sinnesorgane (Scolopidialorgane) in den Beinen, die auf mechanische Eindrücke wie Druck reagieren. Eberhard führt an den Beinen einerseits anatomische Untersuchungen mittels Elektronenmikroskopie und Mikrocomputertomographie, die durch Laser virtuelle Schnitte des Beins erstellt, durch. Andererseits analysiert sie in elektrophysiologischen Untersuchungen die Empfindlichkeit der Vibrations-Rezeptoren. Dabei leitet sie vom Nerv im Bein die Signale mit Elektroden ab, und wann immer ein Bein auf eine bestimmte Vibration reagiert, kann man elektrische Impulse messen.
Kontakt:
Mag. Monika Eberhard
Department für Evolutionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14 (UZA 1)
T +43-1-4277-544 98
monika.eberhard@univie.ac.at
Rückfragehinweis:
Mag. Alexandra Frey
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 31
alexandra.frey@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175
http://www.univie.ac.at/evolutionsbiologie/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Sollbruchstellen im Rückgrat - Bioabbaubare Polymere durch chemische Gasphasenabscheidung
02.12.2016 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht "Fingerabdruck" diffuser Protonen entschlüsselt
02.12.2016 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie