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Neue Erkenntnisse zur Evolution des Ebola-Virus und zum Verlauf der Epidemie in Westafrika

18.06.2015

Wissenschaftler des EU-Projekts „EVIDENT“ untersuchten rund 180 Patientenproben aus der Ebola-Epidemie in Westafrika, um ungeklärten Fragen nach dem Ursprung der Epidemie in den einzelnen Ländern und der Evolution des Virus nachzugehen. Die Ergebnisse wurden jetzt in der hochrangigen Fachzeitschrift „Nature“ publiziert.

Die bisher größte Ebola Epidemie breitete sich im Jahr 2014 rasant in Westafrika aus und forderte bis zum heutigen Tag mehr als 11.000 Tote. Über den Ursprung der Epidemie und den Verlauf der Ausbreitung lagen bislang nur epidemiologische Daten vor.

Seit Beginn des Ausbruchs im März 2014 waren Teams von Wissenschaftlern des „European Mobile Laboratory Project“ (EMLab) vor Ort in Guinea, um Ebola-Diagnostik durchzuführen. Die in diesem Zusammenhang gesammelten Proben von Ebola-Patienten dienten den Wissenschaftlern nun für eine genauere Charakterisierung des Virus.

Die Untersuchung der Materialen erfolgt im Rahmen des von der Europäischen Kommission mit € 1,7 Millionen geförderten Projektes „EVIDENT“. In der aktuellen Studie wurde die Evolution des Ebola-Virus, also die Veränderung seines Erbguts, mithilfe moderner Sequenzier-techniken und mathematischer Modelle zurückverfolgt.

Die Berechnungen zeigen, dass das Virus im Dezember 2013 in Guinea nur ein einziges Mal vom Tierreich auf den Menschen übertragen wurde, was frühere epidemiologische Annahmen bestätigt. Von Guinea breitete es sich Ende April nach Sierra Leone und Liberia aus.

Berichte über Veränderungen im Erbgut des Virus sorgten 2014 für Aufsehen. Die Folgen könnten eine schnellere Ausbreitung des Virus und Wirkungsverlust von Medikamenten und Impfstoffen sein. Die neue Studie zeigt jedoch, dass die Evolution des Virus langsamer verläuft als angenommen und dass die Veränderungen nur selten in dem für Impfungen wichtigen Oberflächenprotein beobachtet werden. Diese Ergebnisse lassen hoffen, dass Impfstoffe, die sich derzeit in klinischen Studien befinden, auch in Zukunft wirksam sind.

Prof. Dr. Miles Carroll, federführenden Wissenschaftler der Studie von "Public Health England" in Porton Down, England, erklärt: „Ich habe persönlich gesehen, welche verheerenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen diese Epidemie hat. Es ist gut zu wissen, dass die genetischen Veränderungen des Virus keinen negativen Einfluss auf die neuen Behandlungsmöglichkeiten und Impfstoffe haben werden.

Trotzdem sind weitere Studien zur Virus-Evolution im Rahmen von „EVIDENT“ notwendig. EMLab und Partner der Universität Birmingham haben kürzlich in Guinea ein Labor zur genetischen Analyse des Virus aufgebaut. Die Virussequenzen erleichtern die Nachverfolgung von Fällen und die Aufdeckung von Ansteckungsketten enorm“.

Der EMLab und „EVIDENT“ Koordinator Prof. Dr. Stephan Günther vom BNITM ergänzt „Wir müssen die Ressourcen, die für eine schnelle Reaktion im Falle eines Ausbruchs notwendig sind, weiter ausbauen. In die aktuelle Studie waren neben europäischen auch guineische Wissenschaftler involviert, die wir in unseren Diagnostik-Labors trainiert haben.

Dies ist eine Investition in das Gesundheitswesen der Region und garantiert ein schnelleres Eingreifen im Falle eines erneuten Ausbruchs. Auch der frühzeitige Aufbau einer fruchtbaren Forschungskooperation zwischen Guinea und Europa war für die vorliegende Studie entscheidend“.

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1038/nature14594 Originalpublikation
http://www.bnitm.de Bernhard-Nicht-Institut für Tropenmedizin
http://www.emlab.eu European Mobile Laboratory Project
http://evident-project.eu/ EU-Projekt Evident

Dr. Jessica Tiedke | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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