Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zum Verständnis von Hautkrankheiten wie Krebs oder Schuppenflechte

29.07.2013
Neue, weitreichende Einblicke in die Regulation der Zellteilung von Hautzellen während der Entwicklung und im Alterungsprozess

Eine aktuelle Studie von Forschern des Exzellenzclusters CECAD an der Universität zu Köln und der Klinik für Dermatologie und Venerologie an der Uniklinik Köln zeigt, wie das Teilungsverhalten von Hautzellen durch einen spezifischen Rezeptor an der Zelloberfläche (Insulin- und IGF-1-Rezeptor) und ein regulierendes Protein im Zellkern (p63) gesteuert wird.

Die Erkenntnisse der Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Carien Niessen sind von großer Bedeutung für das Verständnis und damit die Therapiemöglichkeiten von Hautkrankheiten wie Hautkrebs, Schuppenflechte, entzündlichen Hauterkrankungen und auch selteneren Krankheiten wie Ichthyosis.

Die Haut dient als Schutzbarriere gegen äußere Einflüsse. Sie besteht aus mehreren Schichten von Zellen, die alle aus der untersten Zellschicht durch Teilung und Differenzierung entstehen. Im Laufe der Zeit schieben sich so ältere Zellen nach oben, während von unten neue Zellen nachgebildet werden. Der Aufbau der Schichten wird durch das Regulatorprotein p63 im Inneren des Zellkerns kontrolliert, indem es die Teilungsrate der unteren Zellen, ihre Differenzierung und Orientierung bestimmt. Einzelne Zellen der unteren Schicht können sich nach oben teilen (asymmetrisch) und so die darüber liegenden Schichten aufbauen. Bislang war nur wenig darüber bekannt, wie genau das Protein p63 diese asymmetrische Zellteilungen reguliert.

Wie Prof. Dr. Carien Niessen von der Klinik für Dermatologie und Venerologie an der Uniklinik Köln und ihr Team bereits in früheren Studien herausfanden, gibt es an der Oberfläche der Hautzellen einen Rezeptor, der eine wichtige Rolle in der Entstehung neuer Zellen durch die Teilung der in der untersten Schicht liegenden Hautzellen spielt. Dieser Insulin- und IGF-1- Rezeptor (IR/IGF-1) wird durch den zugehörigen Wachstumsfaktor IGF-1 oder in geringerem Ausmaß auch durch Insulin aktiviert. IGF-1 steht für Insulin-like Growth Factor 1, ein Wachstumsfaktor, der von der Leber ins Blut abgegeben wird und an vielen Organen den Stoffwechsel und das Wachstum der Zellen anregt. Seine Benennung erfolgte aufgrund seiner strukturellen Ähnlichkeit zu Insulin.

Neue Erkenntnisse gewannen Prof. Niessen und ihr Team nun über das Zusammenspiel des Insulin/IGF-1-Rezeptors, dem p63 Regulator-Protein und den sogenannten Forkhead Proteinen (FoxO-Proteine): Binden die Wachstumsfaktoren oder Insulin an den zugehörigen Insulin/IGF-1-Rezeptor an der Zelloberfläche, löst das eine Reihe von Prozessen im Inneren der Zelle aus, an deren Ende die reguläre Teilung der Zelle steht. Im Detail heißt das, dass das Protein p63 im Zellkern an die DNA anbindet und bestimmte Gene aktiviert, die für die Teilung wichtig sind. Im Zellkern befinden sich zudem auch sogenannte FoxO-Proteine, die an p63 binden können. Durch das Signal des IGF-1-Rezeptors werden diese FoxO-Proteine so modifiziert, dass sie den Zellkern verlassen. Die zur Zellteilung nötigen Gene können aktiviert werden und in der Folge teilt sich die Zelle. Bleibt jedoch das durch den IGF-1-Rezeptor ausgelöste Wachstumssignal aus, werden die FoxO-Proteine nicht mehr modifiziert und können den Zellkern nicht mehr verlassen. Sie bleiben an das Protein p63 gebunden und unterdrücken die Zellteilung.

Als Folge können keine neuen Zellen, die nach oben wandern, gebildet werden. Der normale Schichtaufbau der Haut ist gestört. Für CECAD sind diese Erkenntnisse ein wichtiger Schritt im Verständnis und für die Therapie von schweren Hauterkrankungen wie Krebs oder Schuppenflechte. Die wissenschaftlichen Erkenntnisse der Arbeitsgruppe um Carien Niessen werden am 29. Juli 2013 in dem Wissenschaftsmagazin „Developmental Cell“ erstmalig veröffentlicht.

Kontakt:
Prof. Dr. Carien Niessen
CECAD - Exzellenzcluster der Universität zu Köln
Klinik für Dermatologie und Venerologie der Uniklinik Köln
Telefon +49 221 478-89512
carien.niessen@uni-koeln.de
Astrid Bergmeister
Leiterin CECAD PR & Marketing
Telefon + 49 (0) 221 470-5287
astrid.bergmeister@uk-koeln.de

Astrid Bergmeister | idw
Weitere Informationen:
http://www.cecad.uni-koeln.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Demographie beeinflusst Brutfürsorge bei Regenpfeifern
25.04.2018 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

AWI-Forscher messen Rekordkonzentration von Mikroplastik im arktischen Meereis

25.04.2018 | Geowissenschaften

Alternativer Waldzustandbericht: Deutschlands Wäldern geht es schlecht

25.04.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics