Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse zur Entstehung von Krebs

09.03.2009
Forscher der Universität Würzburg haben neue Signalwege identifiziert, die bei der Zellteilung von Bedeutung sind. Ihre Entdeckung kann als Angriffspunkt für neue Medikamente dienen.

Jede Zelle eines jeden Organismus steht normalerweise in ständigem Kontakt zu ihrer Umgebung. Rezeptoren an ihrer Oberfläche nehmen Signale von außen auf und transportieren sie ins Zellinnere, wo dann die weitere Verarbeitung geschieht.

Diesen Transport darf man sich nicht so vorstellen wie ein Förderband am Flughafen, das Handgepäck auf der einen Seite aufnimmt, durch den Röntgenapparat hindurchbefördert und jenseits davon wieder ausspuckt. In der Regel funktioniert die Signalübertragung im Organismus sehr viel aufwendiger, meist über mehrere Stufen hinweg in Form einer Kaskade, bei der mehrere Eiweiße nacheinander miteinander agieren.

Eine der wichtigsten dieser Kaskaden im menschlichen Organismus ist die so genannte MAP-Kaskade. Sie spielt bei der Zellteilung eine wichtige Rolle und wenn es darum geht, dass sich Zellen zu einer bestimmten Gewebsform entwickeln. Dass sich daraus ein enger Zusammenhang zur Entstehung von Krebszellen ergibt, liegt auf der Hand. Wichtig ist diese Kaskade aber auch bei der Reizweiterleitung im Nervensystem, wo permanent Signale zwischen den einzelnen Nervenzellen übertragen werden müssen.

Mit einem Enzym, das am Anfang der MAP-Kaskade steht, hat sich Elena Nekhoroshkova beschäftigt. Die 34-Jährige forscht am Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung der Universität Würzburg am Lehrstuhl von Professor Ulf Rapp. Im Rahmen ihrer Doktorarbeit galt ihr besonderes Interesse einer Unterform der so genannten RAF-Kinasen. "Von ihnen gibt es drei bekannte Arten: Die RAF-Familienmitglieder B und C, von denen bekannt ist, dass eine erhöhte Aktivität ihrerseits zur Tumorbildung führen kann", erklärt Nekhoroshkova. Die dritte Variante hingegen, A-RAF, ist vergleichsweise wenig aktiv und darum bislang nicht intensiv erforscht worden. Sie sei "im Schatten der größeren Brüder gestanden", sagt die Wissenschaftlerin, die sich deshalb intensiv um A-RAF gekümmert hat.

Elena Nekhoroshkova ist es gelungen, eine bislang unbekannte Funktion dieses Enzyms nachzuweisen. "Dank seiner besonderen Fähigkeiten sitzt A-RAF an ganz bestimmten Stellen der Zellmembran und reguliert von dort aus die Aktivität der Rezeptoren", sagt Nekhoroshkova. Somit komme dem Enzym sowohl bei der Entstehung von Krebs als bei der Arbeit des Nervensystems eine wichtige Rolle zu. Gleichzeitig hat die junge Wissenschaftlerin weitere Proteine identifiziert, die im Zusammenspiel mit einer Variante von A-RAF mal bremsend, mal beschleunigend auf die Rezeptoren einwirkt.

"Dieser neue Signalweg ist vielversprechend als Ansatzpunkt für die Entwicklung neuer Krebstherapeutika", sagt Elena Nekhoroshkova. Ihrer Meinung nach könne damit sofort begonnen werden.

Ihre Arbeit haben die Wissenschaftler in der aktuellen Ausgabe von Public Library of Science ONE veröffentlicht:

Nekhoroshkova E, Albert S, Becker M, Rapp UR (2009) A-RAF Kinase Functions in ARF6 Regulated Endocytic Membrane Traffic. PLoS ONE 4(2): e4647. doi:10.1371/journal.pone.0004647

Kontakt: Elena Nekhoroshkova, T: (0931) 201 45 839, E-Mail: E.Nekhoroshkova@uni-wuerzburg.de

Gunnar Bartsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-wuerzburg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie