Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Anwendung für die Nahfeldmikroskopie

02.08.2013
Wissenschaftler der Universität Tübingen setzen Goldspitze als „optische Antenne“ ein, um Nanostrukturen zu untersuchen

Wissenschaftler der Universität Tübingen haben eine neue Anwendung für die Nahfeldmikroskopie entwickelt. Die Forschungsgruppe von Professor Alfred Meixner aus dem Institut für Physikalische und Theoretische Chemie hat die Fluoreszenz einer scharfen Goldspitze eingesetzt, um die Nahfelder von Nanostrukturen zu untersuchen.


Schematische Zeichnung der neuen Messmethode: (a) Die scharfe Goldspitze rastert über die Struktur, die von einem Laserstrahl angeregt wird. In Bereichen hoher Nahfeldintensität strahlt die Goldspitze rotverschobenes Licht aus, das nach einem Filter detektiert wird. Die resultierenden Bilder sind in b) und c) zu sehen.
Abbildung: Sebastian Jäger/Universität Tübingen

Die Ergebnisse wurden in Zusammenarbeit mit einer Forschergruppe der Universität Stuttgart (Professor Harald Giessen) erreicht und werden in der August-Ausgabe des wissenschaftlichen Journals „Nano Letters“ veröffentlicht. (DOI: 10.1021/nl401173g)

Optische Nahfelder sind oberflächennahe Felder um Objekte im Nanobereich. Sie konnten bisher nur schwer vermessen werden, da sie nur eine geringe Abstrahlung aufweisen: Ihre elektromagnetische Feldstärke fällt innerhalb weniger Nanometer ab und reicht nur in einen Bereich, der kleiner ist als 600 Nanometer ‒ ein Nanometer entspricht einem Millionstel Millimeter.

In solchen Nahfeldern können sowohl Kopplungen als auch Energieübertragungen zwischen Nanoobjekten stattfinden. Kennt man die Form und Größe dieser Nahfelder, können solche Prozesse, also die Wechselwirkung zwischen Strukturen, besser verstanden werden.

Die Visualisierung der optischen Nahfelder von Nanoobjekten ist in den letzten Jahren in den Fokus der Forschung gerückt. Es wurden anspruchsvolle Methoden entwickelt, um die Form und Lokalisierung der Nahfelder nachzuweisen, wie beispielsweise die „nahfeldinduzierte Polymerisation“ oder Techniken, die scharfe Spitzen als Sonden einsetzen, um die Auflösung zu verbessern.

Einige dieser spitzenbasierten Methoden verwenden punktförmige Objekte, die Strahlung abgeben, wie einzelne Moleküle, während andere die Streuung einzelner Goldnanokugeln als Nahfeldsonde verwenden. Zwar ist die Streuung einer einzelnen Goldkugel sehr stabil, aber dafür beeinflusst diese stark das untersuchte Nahfeld.

Die Tübinger Wissenschaftler haben nun einen neuen Ansatz für die Untersuchung von Nahfeldern plasmonischer Nanoobjekte entwickelt, beispielsweise in Metallen wie Aluminium. Dabei setzen sie die sehr stabile Fluoreszenz einer scharfen Goldspitze mit einem Spitzenradius unter zehn Nanometern ein.

Diese wirkt wie eine optische „Breitbandantenne“: Das Nahfeld wird in einer sechseckigen Aluminium-Nanostruktur mit Laserlicht passender Symmetrie angeregt, das entweder azimutal (ringförmig) und radial (von der Mitte ausgehend) polarisiert ist. Dies führt zu einer Energieübertragung von der Struktur zur Spitze, die dadurch zur Fluoreszenz angeregt wird. Dieses „Signal“ ist direkt von der Stärke des Nahfelds abhängig, die Wissenschaftler können so mit einer neuen und vereinfachten Technik Nahfelder von Nanostrukturen vermessen und abbilden.

Kontakt:
Sebastian Jäger
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Physikalische und Theoretische Chemie,
Telefon +49 7071 29-76174
sebastian.jaeger(at)uni-tuebingen.de
Prof. Dr. Alfred Meixner
Universität Tübingen
Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät
Institut für Physikalische und Theoretische Chemie Telefon
Telefon +49 7071 29- 76903
alfred.meixner(at)uni-tuebingen.de

Myriam Hönig | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung
30.03.2017 | Universität Basel

nachricht Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher
30.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Herzerkrankungen: Wenn weniger mehr ist

30.03.2017 | Medizin Gesundheit

Flipper auf atomarem Niveau

30.03.2017 | Physik Astronomie

Europaweite Studie zu „Smart Engineering“

30.03.2017 | Studien Analysen