Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Antibiotika aus NRW: Erfolgreiche RUB-Projekte im Biotechnologie-Wettbewerb

30.03.2010
Neue Antibiotika aus NRW ...
... und Früherkennung von Alzheimer und Lebererkrankungen
"Bio.NRW": Gleich zwei Projekte und eine Beteiligung der RUB aus Ziel-2-Programm gefördert

Gleich zwei Projekte unter Federführung von Forschern der Ruhr-Universität und eins mit Beteiligung der RUB werden im Wettbewerb "Bio.NRW" des Ministeriums für Innovation, Wissenschaft, Forschung und Technologie (MIWFT) gefördert, für den insgesamt rund 25 Mio. Euro zur Verfügung stehen.

Der Verbund InA - Innovative Antibiotika aus NRW sucht neue Waffen gegen die wiedererstarkenden Infektionskrankheiten, der Verbund molFDAD entwickelt neue Strategien zur Früherkennung der Alzheimer-Krankheit. Forscher der Ruhr-Universität sind außerdem beteiligt am Konsortium PROFILE - Prädiktive Biomarker und Drug Targets für das individualisierte Management von Lebererkrankungen.

InA - Innovative Antibiotika

Dank der Entwicklung von Antibiotika, Hygienemaßnahmen und Impfungen hat sich die Lebenserwartung zwischen 1930 und 1990 fast verdoppelt. Leider sind multi-resistente Krankheitserreger dabei, diesen Fortschritt wieder zunichte zu machen. "Wir befinden uns heute am Anfang einer Antibiotika-Krise", sagt Arbeitsgruppenleiterin Juniorprofessorin Dr. Julia Bandow. "Über Jahrzehnte schien es, als seien schwere Infektionskrankheiten endgültig besiegt, doch sind sie bereits wieder die dritthäufigste Todesursache in den Industrienationen." Trotz dieses alarmierenden Trends haben sich viele große Pharma-Unternehmen aus der Antibiotika-Forschung zurückgezogen. Durch innovative Ansätze wollen Bandow und Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte einen Beitrag dazu leisten, dass NRW zu einem führenden Standort für Antibiotika-Forschung und -Entwicklung in Deutschland und Europa wird. Der Verbund aus sechs Arbeitsgruppen - neben den beiden Bochumer Gruppen je eine aus Bonn und Düsseldorf sowie die mittelständischen Unternehmen Squarix (Marl) und AiCuris (Wuppertal) - wird gemeinsam die gesamte Wertschöpfungskette abdecken: Die Forscher evaluieren unterexplorierte Naturstoff-Klassen als Startpunkte für die Antibiotikaentwicklung und optimieren sie zu Entwicklungskandidaten. In einem zweiten Ansatz screenen sie "small molecules" aus originären Substanzbibliotheken auf antibiotische Aktivität. Außerdem suchen sie in einem völlig neuartigen, bioinformatikbasierten Ansatz Leitstrukturen für Antibiotika auf Grundlage von Peptiden.

Strategien zur Früherkennung von Alzheimer

Die molekularen Ursachen der Alzheimerdemenz sind bis heute nicht eindeutig geklärt. Im Gegensatz zu den bisherigen Studien zielen die im molFDAD-Projekt verfolgten Ansätze erstmals darauf ab, vermutete "Schlüsselproteine" für die Diagnostik einzusetzen. Sie zeigen die für Alzheimer typische, krankhafte Veränderung des Tau-Proteins an (pathologische Tau-Hyperphosphorylierung). Durch die Untersuchung von Protein-Kinasen in der Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) sowie von bestimmten Rezeptoren soll es möglich sein, frühzeitiger relevante pathologische Veränderungen aufzuspüren und zu behandeln. Im Konsortium molFDAD arbeiten Forschergruppen um Prof. Helmut Meyer und Priv.-Doz. Dr. Kai Stühler (Neuroproteomics, Medizinisches Proteom-Center, Bochum) und Prof. Jens Wiltfang (Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie, Essen) bei der Proteomanalyse sowie Blut- und Liquordiagnostik zusammen. Sie entwickeln neue Biomarkertests zur Unterstützung der molekularen Frühdiagnostik der Alzheimerdemenz. In Deutschland leiden gegenwärtig ungefähr 1,1 Millionen Menschen an Demenzerkrankungen, die meist erst im Alter von über 65 Jahren auftreten und die Gedächtnis, Sprache, Orientierung und Urteilsvermögen einschränken. Alzheimer ist mit ca. 165.000 Neuerkrankungen pro Jahr die häufigste Demenzerkrankung. "Obwohl sich das Erkrankungsrisiko in den letzten Jahren nicht erhöht hat, steigt die Anzahl der Alzheimerpatienten aufgrund der höheren Lebenserwartung und einer längeren Überlebensdauer der Erkrankten an", sagt PD Kai Stühler.

Biomarker für Lebererkrankungen

Das "PROFILE-Konsortium Ruhrgebiet" ist ein Verbund der Universitätsklinik Essen (Prof. Dr. Jörg Friedrich Schlaak) und des Medizinischen Proteom-Centers der RUB (Prof. Dr. Helmut Meyer). Das Projekt "Prädiktive Biomarker und Drug Targets für das individualisierte Management von Lebererkrankungen" wird über drei Jahre gefördert. Es bietet die Chance, das europaweit einmalige Patientenpotenzial des Ruhrgebiets zu nutzen, um neue Biomarker und molekulare Drug Targets für akute und chronische Lebererkrankungen zu finden. Im Mittelpunkt stehen Erkrankungen, die zusammengenommen mehr als 90 Prozent aller Hepatopathien ausmachen: akutes Leberversagen, chronische Hepatitis B und C, Fettleber, Leberzirrhose, hepatozelluläres und cholangiozelluläres Karzinom. Sieben Projektpartner aus Essen und Bochum untersuchen diese Erkrankungen im breiten experimentellen Ansatz - beginnend mit der Generierung und Bearbeitung der Patientenproben sowie anschließenden Analysen zur Detektion der Biomarker und der Targets mittels unterschiedlicher Verfahren (Untersuchung der RNA- und miRNA-Expression, Studien von epigenetischen Veränderungen sowie zirkulierender Tumorzellen, differenzielle Proteomanalysen und Phosphoproteomics). Alle gewonnenen Daten werden auf einer neuen Bioinformatik-Plattform verwaltet und ausgewertet. Die Forscher validieren zudem potenzielle Biomarker und Targets, so dass sie antikörper-basierte, marktreife Diagnostika entwickeln können (Firma CIRES). Die gesamten Koordinierungs- und Transfertätigkeiten des Verbundprojektes übernimmt die MedEcon Ruhr GmbH. Der Schwerpunkt der beiden Projektpartner im Medizinischen Proteom-Center der RUB liegt in Proteomics (Dr. Barbara Sitek) und Bioinformatik (Dr. Christian Stephan).

Weitere Informationen

Juniorprofessorin Dr. Julia Bandow, Fakultät für Biologie und Biotechnologie der Ruhr-Universität, Tel. 0234/32-23102, E-Mail: Julia.Bandow@rub.de

Prof. Dr. Nils Metzler-Nolte, Fakultät für Chemie und Biochemie der Ruhr-Universität, Tel. 0234/32-24153, E-Mail: Nils.Metzler-Nolte@rub.de

PD Dr. Kai Stühler, Prof. Dr. Helmut E. Meyer, Medizinisches Proteom-Center der Ruhr-Universität, Tel. 0234/32-29269, -27561, E-Mail: kai.stuehler@rub.de, Helmut.E.Meyer@rub.de

Dr. Barbara Sitek, Medizinisches Proteom-Center der Ruhr-Universität, Tel. 0234/32-24362, E-Mail. barbara.sitek@rub.de

Redaktion: Meike Drießen / Jens Wylkop

Dr. Josef König | idw
Weitere Informationen:
http://www.ruhr-uni-bochum.de/
http://www.innovation.nrw.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Auf der molekularen Streckbank
24.02.2017 | Technische Universität München

nachricht Sicherungskopie im Zentralhirn: Wie Fruchtfliegen ein Ortsgedächtnis bilden
24.02.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie