Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Ansätze zur Vererbung von Herzinfarkt gefunden

10.02.2009
Einem internationalen Forscherteam, darunter Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München, ist es gelungen, neue Genvarianten zu identifizieren, die mit einem erhöhten Herzinfarktrisiko verbunden sind.

Die gefundenen Gene und die zugrunde liegenden Mechanismen bieten völlig neue Ansätze, die Vererbungsmuster beim Herzinfarkt zu verstehen und Therapiemöglichkeiten zu entwickeln.

Ein wesentliches Ergebnis einer der Untersuchungen ist zudem, dass bei Menschen, die nicht nur einen, sondern mehrere der genetischen Marker in sich tragen, die Herzinfarktwahrscheinlichkeit mehr als verdoppelt ist. Mehrere Arbeiten dazu sind nun online in der renommierten Fachzeitschrift Nature Genetics publiziert worden.

Unter Koordination der Universität zu Lübeck ist es deutschen, europäischen und amerikanischen Kollegen in drei groß angelegten Studien gelungen, neue Gene für den Herzinfarkt zu entdecken. Das Helmholtz Zentrum München war mit seinen Instituten für Epidemiologie (Leitung: Prof. Dr. Dr. H. Erich Wichmann) und für Humangenetik (Leitung: Prof. Dr. Thomas Meitinger) beteiligt. Die Helmholtz-Wissenschaftler hatten bei Tausenden Patienten das gesamte menschliche Genom mit Hunderttausenden genetischer Marker abgesucht. Sie hatten sowohl Herzinfarkt-Patienten aus der KORA-Studie (Leitung: Dr. Christine Meisinger) als auch gesunde Kontrollen aus der Bevölkerung in die Studien eingebunden.

"Die Herausforderung für die Zukunft liegt für uns nun darin, das Wissen über vererbliche Faktoren und Lebensstilfaktoren zu integrieren, um eine wirkungsvolle Vorsorge für die Bevölkerung etablieren zu können", sagte Prof. Dr. Annette Peters, Arbeitsgruppenleiterin am Helmholtz Zentrum München.

Die erste der drei Arbeiten untersuchte eine Million genetischer Marker bei 1.200 Patienten mit Herzinfarkt und einer gleich großen Anzahl von gesunden Probanden. Die nachgeschalteten Kontrolluntersuchungen an weiteren 25.000 Patienten und gesunden Personen bestätigten den initialen Verdacht: Auf den Chromosomen 3 und 12 sitzen Gene, deren Varianten den Herzinfarkt verursachen können. Bei einem dieser Gene, dem so genannten MRAS-Gen, wird vermutet, dass es eine wichtige Rolle in der Gefäßbiologie einnimmt. Beim zweiten Gen, dem HNF1A-Gen, besteht eine enge Beziehung zum Cholesterinstoffwechsel.

Das besondere Element der zweiten Arbeit liegt darin, dass sie nicht nur einzelne genetische Marker bezüglich ihres Einflusses auf das Herzinfarktrisiko untersucht hat, sondern auch Haplotypen, also Kombinationen aus bis zu zehn benachbarten Markern. Damit lässt sich eine noch höhere Dichte der genetischen Information ableiten, als dies für einzelne Marker der Fall ist. So konnten die Wissenschaftler eine weitere Region, diesmal lokalisiert auf dem Chromosom 6, identifizieren, welche mit dem Herzinfarktrisiko vergesellschaftet ist. Das dort lokalisierte LPA-Gen reguliert die Konzentration eines bestimmten Lipoproteins - ein Partikel, das im Blut Fette wie beispielsweise das Lipoprotein (a) transportiert. Auch dieses Wissen lässt sich möglicherweise zukünftig für neue therapeutische Interventionen nutzen.

Die dritte Arbeit, die im Namen des Myocardial Infarction Genetics Consortium (MIGen) veröffentlicht wird, konnte drei weitere, bislang unbekannte Herzinfarktgene auf den Chromosomen 2, 6 und 21 identifizieren. Die Arbeit zeigt darüber hinaus, dass bei Menschen, die nicht nur einen, sondern mehrere der genetischen Marker in sich tragen, die Herzinfarktwahrscheinlichkeit mehr als verdoppelt ist. Je höher die Anzahl der jetzt identifizierten Krankheitsgene, umso höher war das Krankheitsrisiko. Dieses Wissen wird zukünftig helfen, das Herzinfarktrisiko zu bestimmen, um frühzeitig präventiv tätig zu werden.

Jedes Jahr sterben in Europa rund 750.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Die zugrunde liegende Atherosklerose der Herzkranzarterien und der Herzinfarkt gehören damit in Deutschland zu den mit Abstand häufigsten Todesursachen. Neben traditionellen Risikofaktoren wie Alter, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus, Zigarettenrauchen und Übergewicht spielen vererbbare Risikofaktoren eine erhebliche Rolle bei der Entstehung der Erkrankung.

Nun wurden neue bedeutsame Puzzlesteine in das nur unvollständig vorliegende Bild der Vererbung des Herzinfarktes gefunden. Die Befunde weisen daraufhin, dass es noch viele unentdeckte Mechanismen gibt, die zur Entstehung von Herzinfarkten beitragen können. Neue Mechanismen bedeuten aber auch neue Ansätze für die Prophylaxe und Behandlung des Herzinfarktes. Die Details herauszuarbeiten steht den Forschern nun bevor.

Originalpublikationen:

1) Erdmann J et al. Welcome Trust Case Control Consortium, Cardiogenics Consortium, Deloukas P, Thompson JR, Ziegler A, Samani NJ & Schunkert H. New susceptibility locus for coronary artery disease on chromosome 3q22.3. Nature Genetics (online publiziert; DOI: 10.1038/ng.307).

2) Trégouët DA et al. Genome-wide haplotype association study identifies the SLC22A3-LPAL2-LPA gene cluster as a risk locus for coronary artery disease. Nature Genetics (online publiziert; DOI: doi: 10.1038/ng.314).

3) MIGen Consortium. Genome-wide association of early-onset myocardial infarction with single nucleotide polymorphisms and copy number variants. Nature Genetics (online publiziert DOI: doi: 10.1038/ng.327).

Für weitere Informationen:

Prof. Dr. Dr. H.-Erich Wichmann
Helmholtz Zentrum München, Institut für Epidemiologie
Tel. 089/3187-4066
e-Mail: wichmann@helmholtz-muenchen.de
Prof. Dr. Annette Peters
Helmholtz Zentrum München, Institut für Epidemiologie
Tel. 089/3187-4566
e-Mail: peters@helmholtz-muenchen.de
PD Dr. Christine Meisinger
Helmholtz Zentrum München, KORA-Studienzentrum
Tel. 0821/34642-50
e-Mail: christa.meisinger@helmholtz-muenchen.de
Weitere Informationen für Medienvertreter
Sven Winkler
Helmholtz Zentrum München, Pressestelle
Tel. 089/3187-3946
e-Mail: presse@helmholtz-muenchen.de

Michael van den Heuvel | idw
Weitere Informationen:
http://www.helmholtz-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Besser lernen dank Zink?
23.03.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Raben: "Junggesellen" leben in dynamischen sozialen Gruppen
23.03.2017 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen