Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartige Chemotherapie stimuliert Immunsystem

22.05.2014

Die Krebs-Immuntherapie zielt darauf ab, das körpereigene Abwehrsystem in die Bekämpfung von Tumorzellen einzubeziehen.

Ein Forscherteam der Universität Basel berichtet nun, dass sich durch neuartige Therapien mit dem Peptid Dolastatin nicht nur gezielt Krebszellen bekämpfen lassen, sondern dass diese Therapie gleichzeitig auch das Immunsystem stimuliert. Die Studie ist kürzlich in der Fachzeitschrift «Cancer Immunology Research» erschienen.


Dolastatine haben einen zerstörerischen Effekt auf die Krebszelle und tragen gleichzeitig zur Aktivierung des Immunsystems bei. Illustration adaptiert von: Smyth, M. J. et al. Nature Immunology 2, 29

Bei der Behandlung von Krebserkrankungen hat die Immuntherapie in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Heute ergänzt sie die klassischen Methoden der Krebsbehandlung wie die chirurgische Tumorentfernung, Chemotherapie und Bestrahlung.

Die Immuntherapie macht sich das Abwehrsystem des Körpers zunutze, um die Tumorzellen zu vernichten. Eine Strategie besteht darin, Krebszellen mithilfe von Antikörpern zu markieren, sodass das Immunsystem sie erkennt und bekämpfen kann.

Ein anderer Therapieansatz besteht darin, die Antikörper als Vehikel zu nutzen, welche giftige Wirkstoffe gezielt in die Krebszellen einschleusen, die dann den Tod der Tumorzellen auslösen. Diese Verbindungen, sogenannte Antikörper-Wirkstoff-Konjugate, gelten als neuartige und sehr effektive Form der Chemotherapie und werden bereits erfolgreich klinisch eingesetzt.

Schwächung der Krebszelle, Stärkung des Immunsystems

Bereits zugelassen ist das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat «Brentuximab Vedotin», das zur Behandlung bestimmter bösartiger Tumore des Lymphsystems eingesetzt wird. Seine Wirkung beruht auf dem Peptid Dolastatin, das die Zellteilung hemmt und zum Tod der Krebszelle führt.

Ein Forscherteam um Prof. Dr. Alfred Zippelius vom Departement Biomedizin der Universität Basel konnte nun zeigen, dass Dolastatine neben dem zerstörerischen Effekt auf die Krebszelle zudem direkt zu einer Aktivierung des Immunsystems beitragen. Dolastatine unterstützen die gegen den Tumor gerichtete Immunantwort, indem sie bestimmte Zellen des Immunsystems, sogenannte dendritische Zellen, aktivieren.

Unter den Immunzellen nehmen die dendritischen Zellen eine Schlüsselposition ein, da sie unter anderem die für die Immunabwehr wichtigen T-Zellen stimulieren. Dieser Wirkmechanismus war zuvor unbekannt, was für die Kombination von Dolastatinen mit anderen, das Immunsystem stimulierenden Wirkstoffen neue Perspektiven eröffnet.

Durch die Kombination von Therapien zum Erfolg

Für eine erfolgreiche Antitumortherapie ist ein intaktes Immunsystem nötig. Gleichzeitig entwickeln Tumore eigene Mechanismen, um das Immunsystem zu unterdrücken, indem sie etwa die Abwehrreaktion von T-Zellen hemmen, die sich gegen den Tumor richten. Die ständige Konfrontation mit den Tumorzellen kann auch dazu führen, dass sich bei T-Zellen eine Erschöpfung einstellt und sie kaum noch in der Lage sind, die Krebszellen zu töten.

Die Gruppe um Prof. Zippelius konnte anhand von Mausmodellen aufzeigen, dass in solchen Fällen eine Kombination von Dolastatinen mit spezifischen Antikörper-Immuntherapien zu einer Verstärkung der Therapie führt. Nach den Kombinationsbehandlungen fand das Team eine erhöhte Anzahl aktivierter Immunzellen im Tumor, die zu einer höheren Überlebensrate bei den Mäusen führte. Diese Forschungsergebnisse unterstreichen die Bedeutung von Kombinationstherapien bei der Behandlung von Krebspatientinnen und -patienten.

Originalbeitrag
Philipp Müller, Kea Martin, Sebastian Theurich, Jens Schreiner, Spasenija Savic, Grzegorz Terszowski, Didier Lardinois, Viola A. Heinzelmann, Max Schlaak, Hans-Michael Kvasnicka, Giulio C. Spagnoli, Stephan Dirnhofer, Daniel E. Speiser, Michael von Bergwelt-Baildon and Alfred Zippelius
Microtubule-depolymerizing agents used in antibody-drug-conjugates induce anti-tumor immunity by stimulation of dendritic cells
Cancer Immunology Research, published online 21 April 2014 | doi: 10.1158/2326-6066.CIR-13-0198

Weitere Auskünfte
Prof. Dr. Alfred Zippelius, Universität Basel, Departement Biomedizin, Tel. +41 61 265 23 55, E-Mail: alfred.zippelius@unibas.ch

Weitere Informationen:

http://dx.doi.org/10.1158/2326-6066.CIR-13-0198 - Abstract

Reto Caluori | Universität Basel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Proteine entdecken, zählen, katalogisieren
28.06.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

nachricht Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an
28.06.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Schnelles und umweltschonendes Laserstrukturieren von Werkzeugen zur Folienherstellung

Kosteneffizienz und hohe Produktivität ohne dabei die Umwelt zu belasten: Im EU-Projekt »PoLaRoll« entwickelt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen gemeinsam mit dem Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik UMSICHT und sechs Industriepartnern ein Modul zur direkten Laser-Mikrostrukturierung in einem Rolle-zu-Rolle-Verfahren. Ziel ist es, mit Hilfe dieses Systems eine siebartige Metallfolie als Demonstrator zu fertigen, die zum Sonnenschutz von Glasfassaden verwendet wird: Durch ihre besondere Geometrie wird die Sonneneinstrahlung reduziert, woraus sich ein verminderter Energieaufwand für Kühlung und Belüftung ergibt.

Das Fraunhofer IPT ist im Projekt »PoLaRoll« für die Prozessentwicklung der Laserstrukturierung sowie für die Mess- und Systemtechnik zuständig. Von den...

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Marine Pilze – hervorragende Quellen für neue marine Wirkstoffe?

28.06.2017 | Veranstaltungen

Willkommen an Bord!

28.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

EUROSTARS-Projekt gestartet - mHealth-Lösung: time4you Forschungs- und Entwicklungspartner bei IMPACHS

28.06.2017 | Unternehmensmeldung

Proteine entdecken, zählen, katalogisieren

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Neue Scheinwerfer-Dimension: Volladaptive Lichtverteilung in Echtzeit

28.06.2017 | Automotive