Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Navigationssystem für Nervenzellen

10.02.2010
Neuer Professor für Neuropharmakologie am Universitätsklinikum Jena: Ralf Stumm erforscht Chemokine

Der Humanbiologe PD Dr. Ralf Stumm ist zum Professor für Neuropharmakologie an der Friedrich-Schiller-Universität Jena berufen worden. Am Institut für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Jena (UKJ) erforscht er die Regulationsmechanismen für die Wanderung von Nervenzellen. Diese Signalprozesse spielen auch eine Rolle bei Entzündungen und bei der Erholung des Gehirns nach einem Schlaganfall.

Woher weiß eine Zelle, an welcher Stelle des Organismus sie gebraucht wird, zum Beispiel um bei einer Immunreaktion mitzuwirken oder bei der Neubildung von Blutgefäßen nach einer Verletzung? Sie wird von Botenstoffen, den Chemokinen, an ihren Einsatzort gelockt. Das Zusammenspiel dieser kleinen Signalproteine mit hochspezifischen Rezeptoren in den Zellmembranen wirkt wie ein Navigationssystem für die Zellwanderung.

Vor allem in der vorgeburtlichen Entwicklung wandern auch Nervenzellen, im Gehirn gibt es kurzzeitig richtige Straßen, auf denen sich bestimmte Zelltypen bewegen. "Von den etwa 50 Chemokinen, die wir kennen, interessiert mich zurzeit besonders das für diese Zellwanderung verantwortliche Neuropeptid und der zugehörige Rezeptor", so Professor Ralf Stumm.

Ist das Gehirn herausgebildet, hat nach der Geburt das Lockspiel von eben diesem Chemokin und seinem Rezeptor kaum noch Bedeutung. Mit höchst interessanten Ausnahmen: Wenn eine Hirnregion geschädigt wird, zum Beispiel durch einen Schlaganfall, dann werden plötzlich große Mengen des Chemokins produziert, um Zellen an die Unglücksstelle zu beordern. Und die Nervenzellen, die in wenigen Hirnregionen auch bei Erwachsenen noch gebildet werden, hören diesen Ruf. "Hervorzuheben ist jedoch, dass auch Immunzellen diesen Notruf empfangen und ihm folgen", beschreibt der Neuropharmakologe eines seiner Ergebnisse. "Das Chemokin treibt im geschädigten Gehirn also ein doppeltes Spiel: Es ruft neuronale Stammzellen zur Reparatur und lockt Entzündungszellen an, die den Schaden vermutlich verschlimmern." Und weiter: "Auch bei Entzündungsprozessen außerhalb des Hirns spielen der Botenstoff und sein Rezeptor eine Rolle, im arthritischen Knie beispielsweise - eine Thematik, der ich mich hier in Jena erstmals zuwenden möchte".

Wie die Produktion des Botenstoffs reguliert wird, unter welchen Umständen welche Zellen mit dem entsprechenden Rezeptor ausgestattet werden und wann er wieder abgebaut wird - das sind weitere Fragen, an deren Beantwortung Ralf Stumm forscht. Damit findet er reichlich Anknüpfungspunkte an die Forschungsprojekte im Uniklinikum, wie die Schmerzforschung, die Signalweiterleitung in Zellen oder die Regenerationsprozesse nach einem Schlaganfall sowie im alternden Gehirn.

In die studentische Ausbildung ist Professor Stumm bereits voll eingebunden: Im neu gestarteten Masterstudiengang Molekulare Medizin hält er eine englischsprachige Vorlesung. "Eine echte Herausforderung", so der Hochschullehrer, der sich ab diesem Jahr auch an der Pharmakologie-Ausbildung der Human- und Zahnmediziner beteiligen wird.

Nach seinem Studium der Humanbiologie, Diplom und Promotion in Marburg arbeitete Ralf Stumm an der Universität Magdeburg, wo er sich habilitierte und eine eigene Arbeitsgruppe leitete. Diese betreut der Vater von drei kleinen Töchtern zurzeit noch parallel zu seiner jetzt am UKJ entstehenden Gruppe und pendelt deshalb zwischen Magdeburg und Jena. Der Umzug der Familie nach Jena ist für dieses Frühjahr fest eingeplant.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Stumm
Institut für Pharmakologie und Toxikologie, Universitätsklinikum Jena
Drackendorfer Str. 1, 07747 Jena
Tel.: 03641/9325680
E-Mail: ralf.stumm[at]med.uni-jena.de

Uta von der Gönna | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen
09.12.2016 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht Wolkenbildung: Wie Feldspat als Gefrierkeim wirkt
09.12.2016 | Karlsruher Institut für Technologie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie