Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Naturstoffe aus dem Labor

04.07.2011
Prof. Dr. Hans-Dieter Arndt ist neuer Lehrstuhlinhaber für Organische Chemie I der Universität Jena

Mit ihrem Artenreichtum und ihrer Formenvielfalt, mit Schönheit, Funktionalität und Präzision fasziniert und inspiriert die Natur nicht nur Dichter und Maler, Architekten oder Ingenieure. Auch der Chemiker Hans-Dieter Arndt von der Friedrich-Schiller-Universität Jena findet Anregungen für seine Arbeit in der Natur.

Der neu ernannte Lehrstuhlinhaber für Organische Chemie I am Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie hat sich auf die Synthese von bioaktiven Substanzen spezialisiert. „Dabei handelt es sich oft um komplexe Verbindungen, wie sie in der Natur vorkommen“, so der 40-jährige Wissenschaftler. Doch warum baut ein Chemiker im Labor nach, was es in der Natur ohnehin schon gibt?

„Oftmals sind vielversprechende Substanzen für weitergehende Untersuchungen gar nicht leicht zu gewinnen – und noch wichtiger ist es, sie auch gezielt abwandeln zu können“, erklärt Prof. Arndt. Dies diene dazu, bisher unbekannte Wirkstoffe zu finden sowie Wirkmechanismen zu ergründen. „Naturstoffe sind dafür besonders geeignet, weil sie im Prozess der Evolution bereits auf die Wechselwirkung mit biologischen Makromolekülen hin optimiert wurden“, erläutert der gebürtige Krefelder. Durch systematische Modifizierungen lassen sich z. B. sogenannte Substanzbibliotheken aufbauen – Sammlungen einander ähnlicher Moleküle, die sich mit Testmethoden nach definierten Kriterien analysieren lassen. Er und sein Team versuchen so, dem Erfolgsgeheimnis von Substanzen auf die Spur zu kommen, die beispielsweise gegen Infektionen wirksam sind.

Neben diesen Ansätzen geht es dem engagierten Wissenschaftler auch darum, die eigene Fachdisziplin und deren Methoden weiterzuentwickeln. „In der Chemie gibt es noch vieles zu entdecken, wobei eine Zusammenarbeit mit anderen Disziplinen wie den Biowissenschaften oder der Medizin bereichernd sein kann“, ist Prof. Arndt überzeugt, für den das innovative Potenzial seines Faches von besonderem Reiz ist: „Chemische Synthese schafft Neues.“

Dafür findet der Chemiker in seiner neuen Heimat vielfältige Anknüpfungspunkte, sowohl innerhalb der Jenaer Universität als auch in den außeruniversitären Einrichtungen, etwa im Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie (Hans-Knöll-Institut). Das passende wissenschaftliche Umfeld und die Dynamik der Wissenschaftsstadt Jena seien ausschlaggebend gewesen, warum sich der Vater dreier Kinder für die Friedrich-Schiller-Universität und gegen einen parallelen Ruf an das Leibniz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin-Buch durch die Berliner Humboldt-Universität entschied. Darüber hinaus habe es die grüne Umgebung Jenas dem begeisterten Wanderer und Bergsteiger angetan.

Nach dem Chemiestudium in Ulm und Marburg wechselte Hans-Dieter Arndt an die Humboldt-Universität zu Berlin und wurde dort 2002 promoviert. Es folgte ein zweijähriger Forschungsaufenthalt am California Institute of Technology in Pasadena (USA). Ab 2004 baute er am Max-Planck-Institut für Molekulare Physiologie und der TU in Dortmund eine Arbeitsgruppe auf, die sich auf die Synthese und Analyse bioaktiver Naturstoffe spezialisiert hat. Diese hat ihn jetzt nach Jena begleitet, wo er dieses Thema nun weiter etablieren und ausbauen wird. Auch in der Lehre wird das eine Rolle spielen: Über den Chemiestudiengang hinaus steht Prof. Arndt auch zur Verfügung, seine Expertise in den neuen Masterstudiengang „Chemische Biologie“ einzubringen.

Kontakt:
Prof. Dr. Hans-Dieter Arndt
Institut für Organische Chemie und Makromolekulare Chemie der Friedrich-Schiller-Universität Jena
Humboldtstraße 10, 07743 Jena
Tel.: 03641 / 948210
E-Mail: hd.arndt[at]uni-jena.de

Dr. Ute Schönfelder | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-jena.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut
20.10.2017 | Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Aus der Moosfabrik
20.10.2017 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise