Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nashornbaby aus dem Eis

24.10.2008
Erstmals wurde ein Breitmaulnashorn geboren, das mit Gefriersperma gezeugt wurde.

Am 22. Oktober 2008 um 4:57 Uhr kam das männliche Nashornbaby im Budapester Zoo auf die Welt. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin hatten im Juni 2007 seine Mutter, die Nashornkuh Lulu, mit tiefgefrorenem Bullensperma künstlich besamt.

Das Nashornbaby bringt 45 Kilo auf die Waage. Es ist wohlauf und wurde von der Mutter angenommen. „Die Geburt ist ein wichtiger Erfolg für den Artenschutz und den Erhalt der Biodiversität“, sagt der beteiligte IZW-Wissenschaftler Dr. Robert Hermes.

In der aktuellen Online-Ausgabe der Fachzeitschrift „Theriogenology“ berichten die Wissenschaftler ausführlich darüber, wie man Nashörner mit Gefriersperma befruchtet. Die Forscher haben es weltweit erstmals geschafft, ein Nashorn mit Tiefgefriersperma zu besamen, das drei Jahre lang bei minus 196 Grad Celsius in flüssigem Stickstoff gelagert wurde.

Für den 38-jährigen und damit hoch betagten Reagenzglasvater Simba aus Großbritannien ist dies der erste Nachwuchs. Trotz zweier junger Artgenossinnen im Zoo von Colchester hatte er bisher noch keine Nachkommen zeugen können. Zur Überraschung der IZW-Wissenschaftler waren seine Spermien bei einer Fruchtbarkeitsuntersuchung von sehr guter Qualität und eigneten sich hervorragend für die Lagerung in flüssigem Stickstoff.

Für das Tiefgefrieren der Spermien wurde eine neuartige, für Wildtierspermien schonende Gefriertechnik angewendet. Die Wissenschaftler der Forschungsgruppe Reproduktionsmanagement des IZW haben die dreijährige Eisstarre der Spermien beendet und die wieder mobilen Samen tief in die Gebärmutter der Budapester Nashorndame eingepflanzt. Die Wissenschaftler setzten dabei ein am Berliner IZW entwickeltes nicht-chirurgisches Besamungsverfahren ein. Das internationale Artenschutzprojekt wurde maßgeblich durch die Veterinärmedizinische Universität Wien begleitet.

„Dieser wissenschaftliche Erfolg bietet erstmals die Möglichkeit, neues Erbmaterial aus der Wildnis in die Nashornzucht einzubringen, ohne dass dazu Tiere transportiert werden müssen“, sagt Hermes. „Künftig können Reproduktionsexperten frei lebende Bullen betäuben, ihnen Sperma entnehmen und den gefrorenen Samen zum Beispiel in Nachzuchten in Zoos weltweit nutzen. Dies ist ein enorm wichtiges Ergebnis für die Artenschutzbemühungen.“ Besonders für das Nördliche Breitmaulsnashorn, von dem es weltweit nur noch acht Exemplare in zoologischen Gärten gibt, könnte dies das Überleben bedeuten. Mittels der etablierten Methode und der patentierten Technologie sind die Wissenschafter des IZW in der Lage, bedrohte Tierarten nachhaltig zu konservieren und bei Bedarf aus dem „Eis“ zu holen. Der einzige Engpass stellt die Finanzierung dieser Vorhaben dar. Das IZW kämpft um jeden Cent, aber die Zeit läuft davon.

Informationen und Fotos:

Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW)
im Forschungsverbund Berlin e.V.
Alfred-Kowalke-Str. 17
10315 Berlin
Dr. Robert Hermes, 030 5168 243, hermes@izw-berlin.de
Dipl.-Soz. Steven Seet, 0177 8572673, 030 5168 108, seet@izw-berlin.de
Dr. Thomas Hildebrandt, 030 5168 220, hildebrandt@izw-berlin.de
Ansprechpartner am Zoo in Budapest:
Zoltan Hanga
Spokesman Zoo Bupapest
Phone +36 1 273 4910
Mobile: +36 20 2005812
Fotos (Copyright: Bela Szandelszky)
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2008/Fotos/BUD101.jpg
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2008/Fotos/BUD102.jpg
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2008/Fotos/BUD103.jpg
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2008/Fotos/BUD104.jpg
Hintergrundinformation:
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2004/44-nashorn.html
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2007/05-lulubaby.html
http://www.fv-berlin.de/pm_archiv/2005/38-lulubaby.html
Hintergrundinformationen Leibniz:
Das Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) ist eine national und international renommierte Forschungseinrichtung, die anwendungsorientierte und interdisziplinäre Grundlagenforschung in den Bereichen Evolutionsökologie und -genetik, Wildtierkrankheiten, sowie Reproduktionsbiologie und -management bei Zoo- und Wildtieren betreibt. Aufgabe des IZW ist die Erforschung der Vielfalt der Lebensweisen, der Mechanismen evolutionärer Anpassungen und der Anpassungsgrenzen inklusive Krankheiten von Zoo- und Wildtieren in und außerhalb menschlicher Obhut sowie ihrer Wechselbeziehungen mit Mensch und Umwelt. Die gewonnenen Erkenntnisse sind Voraussetzung für einen wissenschaftlich begründeten Artenschutz und für Konzepte der ökologischen Nachhaltigkeit der Nutzung natürlicher Ressourcen. www.izw-berlin.de

Das IZW ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Zur Leibniz-Gemeinschaft gehören zurzeit 82 Forschungsinstitute und Serviceeinrichtungen für die Forschung. Diese beschäftigen etwa 13.700 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 5.400 Wissenschaftler, davon wiederum 2.000 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat aller Institute der Leibniz-Gemeinschaft liegt bei mehr als 1,1 Mrd. Euro pro Jahr. Die Drittmittel betragen etwa 225 Mio. Euro pro Jahr.

Christine Vollgraf | Forschungsverbund Berlin e.V.
Weitere Informationen:
http://www.fv-berlin.de
http://www.izw-berlin.de
http://www.leibniz-gemeinschaft.eu

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Glykane als Biomarker für Krebs?
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Selbstfaltendes Origami
27.06.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Der Krümmung einen Schritt voraus

27.06.2017 | Informationstechnologie

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Überschwemmungen genau in den Blick nehmen

27.06.2017 | Informationstechnologie