Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit Nanotechnologie gegen Pollenallergie

11.02.2013
Neue Chancen für Allergiker durch Früherkennung

Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der Charité – Universitätsmedizin Berlin konnten jetzt das Gräserpollen-Molekül identifizieren, mit dem die allergische Reaktion bei Kindern mit Heuschnupfen beginnt.

Zudem konnte gezeigt werden, dass erste Antikörper gegen einzelne Pollenmoleküle bei Kindern bereits nachweisbar sind, bevor sie erstmals Symptome einer Pollenallergie entwickeln. Die Ergebnisse der Langzeitstudie sind kürzlich in der Fachzeitschrift Journal of Allergy and Clinical Immunology* erschienen.

Die Arbeitsgruppe Molekularallergologie um Privatdozent Dr. Paolo Matricardi von der Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie am Campus Virchow-Klinikum, hat in ihrer Studie die Daten und Blutproben von 820 Kindern untersucht. Die Kinder im Alter von bis zu 13 Jahren stammen aus fünf deutschen Großstädten und nehmen seit ihrer Geburt im Jahr 1990 an dieser Multizentrischen Allergie Studie teil.
Im Rahmen eines Teilprojektes zur Entwicklung der allergischen Immunantwort im Kindesalter, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wurde, konnte die Arbeitsgruppe die Daten mithilfe nanotechnologischer Methoden erstmals auch auf molekularer Ebene untersuchen. Bislang werden in der heutigen Allergiediagnostik Antikörper mit Hilfe eines natürlichen Gräserpollenextrakts bestimmt, einer Mischung aus mehreren Allergenmolekülen. In der vorliegenden Studie wurde nun ein sogenannter Allergen-Chip verwendet, der es ermöglicht, Antikörper gegen einzelne, mikroskopisch kleine Pollenmoleküle sichtbar zu machen und zu identifizieren.

Die Forschungsergebnisse der Studie zeigen, dass die speziellen Proteine, mit denen das Immunsystem körperfremde Erreger abwehrt, die sogenannten lgE- Antikörper, schon Jahre vor dem Auftreten der ersten Symptome entwickelt werden. Bereits bei Kindern im Vorschulalter können diese Antikörper nachgewiesen werden. Sie sind wichtige Biomarker, die darauf hinweisen können, dass ein Kind im Schulalter an einer Gräserpollenallergie erkranken wird. Zudem konnte ein einzelnes Pollenmolekül nachgewiesen werden, das sogenannte Phl p 1, das in den meisten Fällen am Anfang der Reaktionskette steht:
Zuerst entwickeln die betroffenen Kinder nur einige lgE-Antikörper auf eine bestimmte Pollenart, in der Folgezeit bilden sie jedoch weitere IgE-Antikörper auch auf andere Pollenmoleküle. Das Immunsystem reagiert auf immer mehr unterschiedliche Allergene, oft bevor allergische Symptome erkennbar sind. Die heutigen Behandlungsmethoden, wie die Hypo- oder Desensibilisierung, führen nicht immer zum Erfolg. Ein Grund dafür könnte sein, dass die Therapie erst begonnen wird, wenn die betroffenen Kinder unter der Allergie leiden und der Körper bereits Antikörper gegen eine Vielzahl unterschiedlicher Allergenmoleküle gebildet hat.

„Eine frühe Entdeckung von lgE-Antikörpern könnte die Erfolgsaussichten eines therapeutischen und sogar präventiven Eingreifens verbessern“, ist Laura Hatzler, die Erstautorin der Studie, überzeugt. „Die Erforschung von allergenspezifischen, immunologischen Behandlungsformen stellt den nächsten Schritt unserer Forschung dar.“

*Hatzler, Laura et al. 2012. Molecular spreading and predictive value of preclinical IgE response to Phleum pratense in children with hay fever. In: Journal of Allergy and Clinical Immunology, Volume 130, 827-1016. doi: 10.1016/j.jaci.2012.05.053.

Kontakt:
Privatdozent Dr. Paolo Matricardi
Klinik für Pädiatrie mit Schwerpunkt Pneumologie und Immunologie
Campus Virchow-Klinikum
t: +49 30 450 566 406
paolo.matricardi@charite.de

Dr. Julia Biederlack | idw
Weitere Informationen:
http://www.charite-ppi.de/
http://www.jacionline.org/article/S0091-6749(12)00959-1/abstract

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Entzündung weckt Schläfer
29.03.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Rostocker Forscher wollen Glyphosat „entzaubern“
29.03.2017 | Universität Rostock

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Im Focus: Das anwachsende Ende der Ordnung

Physiker aus Konstanz weisen sogenannte Mermin-Wagner-Fluktuationen experimentell nach

Ein Kristall besteht aus perfekt angeordneten Teilchen, aus einer lückenlos symmetrischen Atomstruktur – dies besagt die klassische Definition aus der Physik....

Im Focus: Wegweisende Erkenntnisse für die Biomedizin: NAD⁺ hilft bei Reparatur geschädigter Erbinformationen

Eine internationale Forschergruppe mit dem Bayreuther Biochemiker Prof. Dr. Clemens Steegborn präsentiert in 'Science' neue, für die Biomedizin wegweisende Forschungsergebnisse zur Rolle des Moleküls NAD⁺ bei der Korrektur von Schäden am Erbgut.

Die Zellen von Menschen und Tieren können Schäden an der DNA, dem Träger der Erbinformation, bis zu einem gewissen Umfang selbst reparieren. Diese Fähigkeit...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Entzündung weckt Schläfer

29.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mittelstand 4.0-Kompetenz­zentrum Stuttgart gestartet

29.03.2017 | Wirtschaft Finanzen

Energieträger: Biogene Reststoffe effizienter nutzen

29.03.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz