Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nanomaterialien auf der Spur

17.08.2015

Forscher ebnen neue Wege zur realistischen Risikobewertung von Nanomaterialien in der Umwelt

Eine Vielzahl industriell hergestellter Nanomaterialien ist aus Produkten des täglichen Bedarfs mittlerweile nicht mehr wegzudenken und begleitet schon heute unseren Alltag. In Kleidung, Kosmetika, Haushaltswaren und Farben finden sie angesichts ihrer außergewöhnlichen Eigenschaften (wie z. B. erhöhte UV-Filtration oder stärkere Anhaftung) Anwendung. Doch wo landen die nur wenige Millionstel Millimeter kleinen Partikel und Fasern am Ende? Welche Wirkung haben sie auf den Menschen und die Umwelt? Wie gefährlich sind sie wirklich?


TEM-Aufnahme einer adipogen differenzierten Stammzelle. O: unbehandelte Zelle (=ohne Nanopartikel). U: Zelle nach Behandlung mit Gold-Nanopartikeln. Partikel lagern sich in Fetttropfen der Zelle an.

Fraunhofer IBMT


Projektlogo

Um diese Fragen besser beantworten zu können, entwickeln elf Partner aus Wirtschaft, Wissenschaft, Landes- und Bundesbehörden in dem Projekt »NanoUmwelt: Risikoanalyse synthetischer Nanomaterialien in der Umwelt« neue innovative Methoden, um die Nanopartikelbelastung und die hieraus resultierenden Risiken für Umwelt und Mensch genau und sicher bewerten zu können.

Schmutzabweisende Kleidung, antibakteriell beschichtete Küchengeräte, Instantsuppenpulver, Sonnencreme oder kratzfester Lack, all diese Produkte haben eines gemeinsam: Sie enthalten immer häufiger Nanomaterialien, deren Verbleib und Einfluss auf die Umwelt bisher unklar ist. Interessant sind Nanomaterialien (griech. nanos = Zwerg) wegen ihrer geringen Größe und der dadurch veränderten physikalischen und chemischen Eigenschaften und somit neuen Funktionalität.

Ein Nanopartikel misst weniger als 100 Millionstel Millimeter und ist somit 1000 Mal dünner als ein menschliches Haar. Angesichts der zahlreichen Wissenslücken kann man bislang nur unzureichend abschätzen, welches Risiko von Nanomaterialien ausgeht, auch das Ende des Lebenszyklus´ von Nanomaterialien ist weitgehend unklar. »Viele Experten sehen den Eintrag der Nanomaterialien in die Umwelt daher als besorgniserregend«, so Dr. Yvonne Kohl, stellvertretende Projektkoordinatorin und Projektleiterin vom Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT.

Mit neuen Techniken zu sicheren Nano-Produkten - NanoUmwelt - ein Projekt zur Risikoanalyse von synthetischen Nanomaterialien in der Umwelt

Zur Abschätzung des Risikos synthetischer Nanomaterialien auf Mensch und Umwelt ist im Oktober 2014 das Forschungsprojekt »NanoUmwelt« gestartet. »NanoUmwelt« ist ein nationales Projekt, das unter der Leitung von Postnova Analytics GmbH mit zehn weiteren Partnern durchgeführt wird. Neben der Fraunhofer-Gesellschaft, die mit zwei Instituten einen großen Anteil der Arbeiten leistet, sind das Umweltbundesamt, die Empa (Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology), PlasmaChem GmbH, Senova – Gesellschaft für Biowissenschaft und Technik mbH, das Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie FZMB GmbH, die Universitäten Trier und Frankfurt sowie die Rheingütestation Worms beteiligt. Die Projektdauer beträgt 36 Monate.

Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des »NanoCare«-Programms mit 1,8 Millionen Euro geförderte interdisziplinäre Forschungsprojekt »NanoUmwelt« beschäftigt sich mit Fragen des Lebenszyklus´ der Nanomaterialien, deren Akkumulation und Toxikologie.

»Ziel ist es, den Eintrag synthetischer Nanomaterialien in unterschiedlichen Umweltkompartimenten, wie z. B. Boden, Klärschlamm, Fließgewässer, Bodenorganismen, Muscheln und Fischen, aber auch im Menschen zu quantifizieren und die Erscheinungsformen der Nanomaterialien in den jeweiligen Umgebungen zu charakterisieren«, so Yvonne Kohl. Zudem werden hochsensitive Methoden entwickelt, um auch geringste Mengen an Nanomaterialien in Umwelt- und Humanproben zu detektieren. Öko- und humantoxikologische Studien im Niedrigdosisbereich mit besonderem Fokus auf die Wechselwirkung von Nanomaterialien mit biologischen Grenzflächen und Barrieren runden die Untersuchungen ab.

Das Fraunhofer IBMT wirkt maßgeblich an diesem Projekt mit und geht der Frage nach, wie sich eine dauerhafte Exposition geringer Mengen an Nanomaterialien auf den Menschen und die Umwelt auswirkt. Hierzu sammeln Wissenschaftler des Fraunhofer IBMT Umweltproben aus repräsentativen Ökosystemen und entwickeln Methoden zur standardisierten Aufbereitung des organischen Materials für die Analytik und zur veränderungsfreien Langzeitlagerung. Um auch den Mensch als Teil der Umwelt zu berücksichtigen, entwickeln Wissenschaftler des Fraunhofer IBMT einen Online-Fragebogen zur Erfassung einer möglichen Nanopartikelexposition und sammeln in enger Kooperation mit dem Umweltbundesamt Blut- und Urinproben junger Erwachsener.

Mithilfe dieser Proben werden von Projektpartnern nachweisstarke Analysemethoden entwickelt, um zu ermitteln, mit welchen Nanomaterialien und in welcher Menge Mensch und Umwelt in Deutschland belastet sind. Darüber hinaus werden am Fraunhofer IBMT neue Modelle zur Untersuchung humantoxikologischer Effekte von Nanomaterialien im Niedrigdosisbereich entwickelt und die Barrieregängigkeit von Nanomaterialien (Überwindung der Lungen- und der Darm-Barriere) untersucht, um Aussagen über die Aufnahme in den Körper zu treffen.

»Ziel ist die Quantifizierung kleinster Nanomaterialmengen in Umwelt- und Humanproben und deren toxikologische Beurteilung«, so Yvonne Kohl. Für das Projektziel wird ein neuer Lösungsansatz gewählt: Physikalische und chemische Materialuntersuchungen zur Stabilität, Mobilität, Funktionalität und Reaktivität werden in Realproben direkt an wirkungsbezogene biologische Untersuchungen im Niedrigdosisbereich gekoppelt. Die beteiligten Wissenschaftler detektieren und quantifizieren nicht nur Nanomaterialien an zahlreichen Stellen funktional relevanter Ökosystem-Kompartimente, sondern untersuchen gleichzeitig die Wechselwirkungen der Nanomaterialien mit biologischen Grenzflächen wie unter anderem der Lunge und Barrieren wie der menschlichen Plazenta und des Gastrointestinaltrakts.

Seit Oktober 2014 sind Wissenschaftler aus Deutschland und der Schweiz synthetischen Nanomaterialien auf der Spur. Die multidisziplinäre Aufstellung des Teams und die jeweilige Fachexpertise ermöglichen die Entwicklung der dringend benötigten Analysestrategien bezüglich des Lebenszyklus´ der Nanomaterialien, deren Akkumulation in der Umwelt und der Nanotoxikologie, welche für eine sichere und zuverlässige Risikoabschätzung, -vorhersage und -bewertung unerlässlich sind.

Die Ergebnisse des Projekts »NanoUmwelt« fließen in die Datenbank des BMBF
»DaNa 2.0 – Daten und Wissen zu Nanomaterialien« ein, die wissenschaftliche Daten nach einer Qualitätsprüfung für die Öffentlichkeit allgemeinverständlich zugänglich macht.

Weitere Informationen zum Projekt, das unter dem BMBF-Förderkennzeichen 03X0150 geführt wird, finden Sie unter www.nanopartikel.info

Laufzeit : 01.10.2014 - 30.09.2017

Ansprechpartnerin:

Dr. Yvonne Kohl (stv. Projektkoordinatorin)
Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT
Joseph-von-Fraunhofer-Weg 1
66280 Sulzbach
Telefon: 06897/9071-256
E-Mail: yvonne.kohl@ibmt.fraunhofer.de

Projektpartner:

Postnova Analytics GmbH
Umweltbundesamt
Empa, Swiss Federal Laboratories for Materials Science and Technology
PlasmaChem GmbH
Universität Frankfurt, Institut für Molekulare Biowissenschaften
Rheingütestation Worms
Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME
Universität Trier, Fachbereich Raum- und Umweltwissenschaften
Senova – Gesellschaft für Biowissenschaft und Technik mbH
Forschungszentrum für Medizintechnik und Biotechnologie FZMB GmbH

Weitere Informationen:

http://www.ibmt.fraunhofer.de
http://www.ibmt.fraunhofer.de/de/Arbeitsgebiete/ibmt-zellbiologie-angewandte-vir...

Annette Maurer | Fraunhofer-Institut für Biomedizinische Technik IBMT

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress
23.02.2018 | Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT)

nachricht Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren
23.02.2018 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics