Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachweis spezieller Vorläuferzellen zur Regeneration von Nierenschädigungen erstmals gelungen

05.09.2014

Nephrologen des Universitätsklinikums Carl Gustav Carus Dresden erforschten einen Mechanismus in der Niere, der Zellschädigungen von sogenannten Mesangiumzellen mit Hilfe von Vorläuferzellen regeneriert.

Damit die Nieren möglichst optimal Giftstoffe aus dem Körper filtern, greifen viele Mechanismen innerhalb des Organs ineinander. Störungen führen langfristig zu schweren Erkrankungen. So ist die Schädigung bestimmter Zellen in den Nierenkörperchen – winzig kleinen kugeligen Gebilden in der Nierenrinde - eng verknüpft mit verschiedenen chronischen Nierenerkrankungen. Dresdner Forscher unter der Leitung von Professor Dr. Christian Hugo wiesen jetzt erstmals Vorläuferzellen nach, die in der Lage sind, geschädigte Mesangiumzellen zu ersetzen.

Das Mesangium der Nierenkörperchen wird im Rahmen verschiedener entzündlicher Erkrankungen, insbesondere der häufigen IgA-Nephropathie geschädigt und zerstört. Das For-schungsergebnis öffnet neue Perspektiven für zukünftige Therapieansätze und wurde gerade im hochrangigen Journal of the American Society of Nephrology veröffentlicht.

Im September wird das Forschungsprojekt dann auf der 6. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Nephrologie in Berlin der Fachwelt präsentiert. Als einer der Tagungspräsidenten hat Prof. Hugo dem Thema Regeneration hier einen besonderen Schwerpunkt eingeräumt.

Vorläuferzellen – auch Stammzellen genannt - stehen im Blick der Wissenschaft. Denn sie haben die Fähigkeit, kranke Zellen zu ersetzen und selbst deren Funktion zu übernehmen. Die medizinische Forschung sieht in ihnen eine wichtige Hoffnung für zukünftige Therapieansätze bei verschiedenen Krankheiten.

Dass Vorläuferzellen auch bei der Heilung von bestimmten Nierenschäden des Mesangiums eine entscheidende Rolle spielen könnten, hat nun weltweit erstmals der Dresdner Forscher Professor Dr. Christian Hugo gemeinsam mit seinen nephrologischen Mitarbeitern, insbesondere den Wissenschaftlern Dr. Charlotte Starke und PD Dr. Vladimir Todorov, unter Beweis gestellt. Im Tiermodell wiesen die Wissenschaftler nach, dass spezielle Vorläuferzellen außerhalb der Nierenkörperchen in der Lage sind, bei Bedarf - im Erkrankungsfall - in die Nierenkörperchen einzuwandern, sich dort niederzulassen und in Mesangiumzellen auszudifferenzieren (zu verwandeln).

In der Nierenrinde befinden sich Nierenkörperchen, kugelförmige Gebilde von 0,2 Millimetern Durchmesser. Sie bestehen aus einem kapillären Gefäßknäuel, dem Glomerulus, das von einer doppelwandigen Kapsel umgeben ist. Glomerulus und Kapsel bilden zusammen die Blut-Harn-Schranke und erfüllen damit eine wichtige Aufgabe bei der Filterfunktion der Niere. Im Glomerulus befinden sich auch sogenannte Mesangiumzellen (intraglomeruläre Mesangiumzellen).

Sie haben die Fähigkeit, sich zusammenzuziehen und sind daher wichtig für die Kapillarfunktion. Insgesamt kommt den Mesangiumzellen eine zentrale Rolle bei der Aufrechterhaltung der Struktur und Funktion des Glomerulus zu. Sind die Mesangiumzellen geschädigt, hat das schwerwiegende Folgen. So geht verschiedenen chronischen Nierenerkrankungen, wie insbesondere der IgA-Nephropathie, aber auch der Lupus Nephritis, dem hämolytisch-urämischen Syndrom oder der thrombotischen Mikroangiopathie eine Schädigung der Mesangiumzellen voraus.

Prof. Hugo: „Wir sind von einem Mechanismus ausgegangen, der die Mesangiumzellen regeneriert. Dabei konzentrierten wir uns auf Vorläuferzellen, die das Hormon Renin produzieren. Diese Vorläuferzellen sorgen in der Embryonalphase für die Entwicklung der Mesangiumzellen. Wir untersuchten nun, ob Renin-positive Zellen im erwachsenen Tier auch zur Regeneration geschädigter Mesangiumzellen beitragen und deren Funktion übernehmen.“

Die Dresdner erforschten diese These an Mäusen mit experimentell geschädigten Mesangiumzellen. Demnach wandern Renin-produzierende Vorläuferzellen von außerhalb tatsächlich zu den kranken Mesangiumzellen in den Nierenkörperchen und entwickeln sich dort selbst zu Mesangiumzellen. Haben die Vorläuferzellen diese Funktion erreicht, produzieren sie kein Renin mehr.

„Unser Forschungsergebnis belegt eindeutig, dass die Niere über den Mechanismus verfügt, diese wichtigen Zellen zu regenerieren. Möglicherweise ist dieser Regenerationsmechanismus bei bestimmten Nierenerkrankungen beeinträchtigt oder defekt, so dass dies zu dem chronischen Fortschreiten der Erkrankung beiträgt oder sogar dafür verantwortlich ist. Darum werden wir zukünftig einen Forschungsschwerpunkt auf die Aktivierung/Unterstützung dieses Regenerationsprozesses legen“, so der Nephrologe.

Mit ihren jüngsten Forschungsergebnissen haben die Dresdner einen ersten Schritt auf dem Weg zu neuen Therapieoptionen bei der Behandlung schwerer chronischer Nierenerkrankungen erreicht. Die Publikation mit dem Titel ‚Renin Lineage Cells Repopulate the Glomerular Mesangium after Injury‘ erschien gerade im hochrangigen Journal of the American Society of Nephrology (doi: 10.1681/ASN.2014030265).

Kontakt:
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus Dresden
Medizinische Klinik und Poliklinik III
Prof. Dr. med. Christian Hugo
Tel.: +49 0351 458 4879
E-Mail: christian.hugo@uniklinkum-dresden.de

Konrad Kästner | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.uniklinikum-dresden.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics