Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mutationen können zur Mastzellerkrankung führen

05.10.2010
Eine Überaktivität bestimmter Immunzellen, der so genannten Mastzellen, kann zu einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung führen.

Ein multizentrisches Forscherteam unter Federführung von Ärzten der Universität Bonn hat nun verschiedene Mutationen identifiziert, die zu dieser Überfunktion führen können. Diese äußert sich häufig in Bauchschmerzen, Krämpfen und Durchfällen bis hin zu Symptomen einer massiven Darmentzündung.

Die Ergebnisse sind in der Zeitschrift Immunogenetics erschienen (doi: 10.1007/s00251-010-0474-8). Das Projekt wurde unter anderem von der Deutschen Krebshilfe gefördert.

Das Team um den Bonner Medizinprofessor Dr. Gerhard J. Molderings hat einen wichtigen Wachstumsrezeptor der Mastzellen unter die Lupe genommen, die so genannte Tyrosinkinase Kit. Die Forscher untersuchten dazu 20 Patienten mit typischen Symptomen einer Mastzellüberaktivität sowie eine ebenso große Kontrollgruppe. Aus dem Blut ihrer Probanden isolierten sie unreife Mastzellen. Daraus gewannen sie dann die Erbinformation für den Wachstumsrezeptor. Dabei fielen bei den Erkrankten charakteristische Veränderungen auf, die bei den Gesunden nicht auftraten.

Mastzellen sind Zellen unseres Immunsystems, die sich in allen Geweben und Organen finden. Sie speichern eine Vielzahl von Botenstoffen. Bei Kontakt mit Viren, Bakterien, Parasiten oder auch Allergenen können sie damit eine Immunreaktion einleiten, verstärken und die Körperabwehr koordinieren.

„Die von uns entdeckten Mutationen in den Erbanlagen des Wachstums-Rezeptors führen vermutlich dazu, dass die betroffenen Mastzellen ohne Anlass aktiv werden“, erläutert Dr. Molderings. „Sie brauchen dann keinen Kontakt zu Auslösereizen mehr, um sich zu vermehren und Immunreaktionen einzuleiten.“ Mediziner sprechen von einer systemischen Mastzellüberaktivitätserkrankung. Im Darm können diese fehlerhaften Zellen mit ihrem Arsenal an chemischen Stoffen dann die Schmerzen, Darmkrämpfe oder Verdauungsstörungen verursachen, unter denen die Betroffenen so sehr leiden.

Als mittelfristiges Ziel will die Forschergruppe nun einen so genannten Genchip entwickeln. Damit ließen sich diese und andere bereits bekannte Mutationen als Indikatoren für Mastzellerkrankungen schnell und zuverlässig identifizieren.

Die Forscher hoffen, dass ihre Ergebnisse auch zu neuen Therapieansätzen führen werden. Gerade angesichts der Häufigkeit von systemischen Mastzellüberaktivitätserkrankungen seien bessere Behandlungsmöglichkeiten enorm wichtig, betont Dr. Molderings. „Denn heute führen diese Erkrankungen nicht selten in die Invalidität.“

Kontakt:
Apl. Professor Dr. med. Gerhard J. Molderings
Institut für Humangenetik am Universitätsklinikum Bonn
Telefon: 0228/287-51060
E-Mail: molderings@uni-bonn.de

Frank Luerweg | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht In Hochleistungs-Mais sind mehr Gene aktiv
19.01.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Warum es für Pflanzen gut sein kann auf Sex zu verzichten
19.01.2018 | Universität Wien

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Im Focus: Fliegen wird smarter – Kommunikationssystem LYRA im Lufthansa FlyingLab

• Prototypen-Test im Lufthansa FlyingLab
• LYRA Connect ist eine von drei ausgewählten Innovationen
• Bessere Kommunikation zwischen Kabinencrew und Passagieren

Die Zukunft des Fliegens beginnt jetzt: Mehrere Monate haben die Finalisten des Mode- und Technologiewettbewerbs „Telekom Fashion Fusion & Lufthansa FlyingLab“...

Im Focus: Ein Atom dünn: Physiker messen erstmals mechanische Eigenschaften zweidimensionaler Materialien

Die dünnsten heute herstellbaren Materialien haben eine Dicke von einem Atom. Sie zeigen völlig neue Eigenschaften und sind zweidimensional – bisher bekannte Materialien sind dreidimensional aufgebaut. Um sie herstellen und handhaben zu können, liegen sie bislang als Film auf dreidimensionalen Materialien auf. Erstmals ist es Physikern der Universität des Saarlandes um Uwe Hartmann jetzt mit Forschern vom Leibniz-Institut für Neue Materialien gelungen, die mechanischen Eigenschaften von freitragenden Membranen atomar dünner Materialien zu charakterisieren. Die Messungen erfolgten mit dem Rastertunnelmikroskop an Graphen. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Forscher im Fachmagazin Nanoscale.

Zweidimensionale Materialien sind erst seit wenigen Jahren bekannt. Die Wissenschaftler André Geim und Konstantin Novoselov erhielten im Jahr 2010 den...

Im Focus: Forscher entschlüsseln zentrales Reaktionsprinzip von Metalloenzymen

Sogenannte vorverspannte Zustände beschleunigen auch photochemische Reaktionen

Was ermöglicht den schnellen Transfer von Elektronen, beispielsweise in der Photosynthese? Ein interdisziplinäres Forscherteam hat die Funktionsweise wichtiger...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Event News

10th International Symposium: “Advanced Battery Power – Kraftwerk Batterie” Münster, 10-11 April 2018

08.01.2018 | Event News

See, understand and experience the work of the future

11.12.2017 | Event News

Innovative strategies to tackle parasitic worms

08.12.2017 | Event News

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Rittal vereinbart mit dem Betriebsrat von RWG Sozialplan - Zukunftsorientierter Dialog führt zur Einigkeit

19.01.2018 | Unternehmensmeldung

Open Science auf offener See

19.01.2018 | Geowissenschaften

Original bleibt Original - Neues Produktschutzverfahren für KFZ-Kennzeichenschilder

19.01.2018 | Informationstechnologie