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Musik, auch für die Augen

12.11.2015

Wenn Menschen Musik hören, dann kann man ihre emotionalen Reaktionen von der Pupillengröße der Augen ablesen. WissenschafterInnen von den Universitäten Wien und Innsbruck fanden heraus, dass der Grad des emotionalen Gehaltes sowie der persönliche Bezug zur Musik mit Veränderungen der Pupillengröße zusammenhängen und publizierten dazu in der wissenschaftlichen Fachzeitschrift "Frontiers in Human Neuroscience". Die Studie zeigt, dass Messungen der Pupillengröße effektiv dazu verwendet werden können, um die Wahrnehmung von Musik zu untersuchen.

Die Pupille passt sich reflexartig dem Grad des Umgebungslichtes an. Sie zieht sich bei hellem Tageslicht zusammen und erweitert sich in der Nacht. Aber die Pupillengröße kann sich auch durch Gedanken, Emotionen und mentale Anstrengung verändern. Zum Beispiel erweitert sich die Pupille in Reaktion auf sexuell explizite Bilder oder wenn man versucht, schwierige mathematische Berechnungen durchzuführen.


Manuela Marin sitzend vor dem Eyetracker, mit einem Bild ihrer rechten Pupille dargestellt auf dem Bildschirm.

Copyright: Bruno Gingras

Klänge können, abhängig von ihrem emotionalen Gehalt, auch Pupillenreaktionen hervorrufen. Hocherregende Klänge, wie zum Beispiel Stimmen eines sich streitenden Paares, führen zu einer größeren Pupillenerweiterung als neutrale Klänge, wie etwa Hintergrundlärm in einem Büro. Musik kann häufig starke Emotionen bei HörerInnen auslösen, aber Pupillenreaktionen während des Musikhörens wurden bislang nicht systematisch untersucht.

Ein ForscherInnen-Team um Bruno Gingras von der Universität Innsbruck (vormals an der Universität Wien) verwendete Musik aus der Romantik – bekannt für ihren Pathos – um zu zeigen, dass stark emotionale Musik zu einer Erweiterung der Pupille führt. Der Grad der emotionalen Erregung korrelierte mit der Pupillenerweiterung, d.h. die Pupille erweiterte sich stärker beim Hören von hocherregender Musik.

"Es wurden auch stärkere Erweiterungen bei jenen ZuhörerInnen beobachtet, die angaben, dass Musik eine wichtige Rolle in ihrem Leben spielt", so Bruno Gingras. Die Ergebnisse lassen darauf schließen, dass die emotionale Reaktion auf Musik sich in der Pupillengröße widerspiegelt, und dass sowohl der emotionale Gehalt als auch der Bezug zur Musik dabei eine Rolle spielen.

Um zu diesen Ergebnissen zu gelangen, hat Gingras in Zusammenarbeit mit Tecumseh Fitch, Manuela Marin und Estela Puig-Waldmüller von der Universität Wien 30 Studien-TeilnehmerInnen gebeten, den emotionalen Gehalt von Ausschnitten aus Klaviertrios zu bewerten. Eine andere Gruppe von 30 TeilnehmerInnen, die den Zweck des Experimentes nicht kannten, hörte diese Ausschnitte, während die Pupillengröße mittels Eyetracker gemessen wurde. Danach füllten diese TeilnehmerInnen einen kurzen Fragebogen aus, der auch Fragen über ihre Beziehung zur Musik beinhaltete.

"Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass Veränderungen der Pupillengröße beim Musikhören von einem komplexen Zusammenspiel von musikalischen Parametern und individuellen Unterschieden der Hörer bestimmt werden. Diese Faktoren bestimmen wahrscheinlich auch emotionale Reaktionen", erklärt die Psychologin Manuela Marin von der Universität Wien.

Bruno Gingras ergänzt: "Die Messung des Pupillendurchmessers ist eine vielversprechende Methode, um emotionale Reaktionen auf Musik zu untersuchen, da Pupillenreaktionen nicht willentlich kontrolliert werden können. So können wir unbewusste Prozesse beim Musikhören untersuchen".
Publikation:
Bruno Gingras, Manuela M. Marin, Estela Puig-Waldmüller, W. Tecumseh Fitch (2015). The eye is listening: Music-induced arousal and individual differences predict pupillary responses. Frontiers in Human Neuroscience. 10. November 2015
http://journal.frontiersin.org/article/10.3389/fnhum.2015.00619/full?utm_source=...
DOI: 10.3389/fnhum.2015.00619

Wissenschaftliche Kontakte:
Bruno Gingras, PhD
Institut für Psychologie
Universität Innsbruck
6020 Innsbruck, Innrain 52f
T +43 512 507 56052
bruno.gingras@uibk.ac.at

MMag Manuela M. Marin MSc
Institut für Psychologische Grundlagenforschung und Forschungsmethoden
Universität Wien
1010 Wien, Liebiggasse 5
M +43-680-3366007
manuela.marin@univie.ac.at

Univ.-Prof. Tecumseh Fitch, PhD
Department für Kognitionsbiologie
Universität Wien
1090 Wien, Althanstraße 14
T +43-1-4277-761 11
tecumseh.fitch@univie.ac.at

Rückfragehinweis
Mag. Alexandra Frey
Pressebüro der Universität Wien
Forschung und Lehre
1010 Wien, Universitätsring 1
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Stephan Brodicky | Universität Wien

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