Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiresistenten Bakterien auf der Spur

15.11.2013
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Gießener RESET-Teilprojekt für weitere drei Jahre – Institut für Medizinische Mikrobiologie untersucht die molekulare Epidemiologie von multiresistenten Bakterien

Krankenhauskeime stellen bekanntlich eine große Gefahr für Menschen mit schwachem Immunsystem dar. Enterobakterien sind zwar einerseits Teil der gesunden Darmflora, andererseits sind Enterobacteriaceae sehr ernst zu nehmende Erreger von Infektionen mit häufig gravierenden Folgen für die Patientinnen und Patienten.

Gefährlich wird es vor allem immer dann, wenn Antibiotika nicht mehr helfen, weil die Bakterien Schutzmechanismen gegen die Antibiotika entwickelt haben. Da spielt es keine Rolle, ob die Infektion ambulant oder im Krankenhaus erfolgt ist. Resistente Enterobakterien kommen bei Menschen und Tieren, aber auch in der Umwelt vor.

Resistente Bakterien können den Menschen u.a. auch über tierische oder pflanzliche Lebensmittel erreichen. Genau um solche Antibiotika-Resistenzen bei den Enterobakterien – darunter Escherichia (E.) coli und Salmonella (S.) enterica – geht es im bundesweiten Forschungsverbund RESET.

Wissenschaftlerteams aus der Human- und Tiermedizin, der Grundlagen- und der angewandten Forschung sowie der Epidemiologie leisten gemeinsam einen Beitrag zum gesundheitlichen Verbraucherschutz.

Das von der Tierärztlichen Hochschule Hannover koordinierte RESET-Netzwerk arbeitet seit drei Jahren sehr erfolgreich und vielversprechend. Zahlreiche neue Erkenntnisse zur Epidemiologie, Molekulargenetik und Pharmakologie resistenter Bakterien konnten im Rahmen des Forschungsverbundes RESET bereits gewonnen werden, die in ein Konzept zur Risikobewertung einfließen sollen. Eingebunden in den Gesamtverbund sind auch mehrere Institute der Justus-Liebig-Universität Gießen.

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat nun den Antrag zum Fortgang des Gießener RESET II-Teilprojekts „Molekulare Epidemiologie multiresistenter, ESBL-produzierender, Gram-negativer Enterobacteriaceae” des Instituts für Medizinische Mikrobiologie bewilligt und stellt dafür für weitere drei Jahre eine Anschlussfinanzierung von rund 300.00 Euro bereit.

Eine Urkunde hat Dr. Helge Braun, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung, am Freitag, 15. November 2013, in Gießen an Prof. Dr. Trinad Chakraborty, Dekan des Fachbereichs Medizin und geschäftsführender Direktor des Zentrums für Medizinische Mikrobiologie und Virologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) , und Dr. Can Imirzalioglu, ebenfalls Institut für Medizinische Mikrobiologie der JLU, übergeben.

Staatssekretär Braun hob die Bedeutung Projekts hervor: „Resistente Bakterien verbreiten sich zunehmend und gefährden die Gesundheit. In welchem Umfang allerdings der Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung zur Verbreitung der resistenten Bakterien beiträgt, ist bislang unklar. Es fehlt an Informationen und Daten. Deshalb unterstützt das BMBF leistungsfähige Infektionsforschung wie hier in Gießen. Basierend auf den Ergebnissen des RESET-Forschungsverbundes, an dem Fachleute ganz unterschiedlicher Disziplinen beteiligt sind, soll zukünftig eine Strategie zur verbesserten Kontrolle von resistenten Bakterien in Deutschland entwickelt werden. Damit trägt der Forschungsverbund zur Umsetzung der Deutschen Antibiotika-Resistenzstrategie der Bundesregierung bei“, sagte Dr. Braun.

Prof. Chakraborty zeigte sich sehr erfreut über die Weiterförderung des Projekts: „Der RESET-Verbund verfolgt den Ansatz „One Health – eine Gesundheit von Mensch, Tier und Umwelt“ und führt Forscherinnen und Forscher verschiedener Disziplinen zusammen, die sich mit resistenten Bakterien aus diesen Quellen befassen. Das Projekt stärkt damit nicht nur den Schwerpunkt „Infektion und Entzündung“ des Fachbereichs Medizin, sondern passt auch hervorragend zum Gesamtkonzept „Lebenswissenschaften“ der Justus-Liebig-Universität“.

Dr. Imirzalioglu berichtete über die laufenden Projektarbeiten. Im Gießener RESET-Teilprojekt wird mit Hilfe neuer Sequenzierungstechniken die molekulare Epidemiologie von multiresistenten Bakterien untersucht. Die Erreger stammen vom Menschen, Tieren sowie aus der Umwelt. Ziel ist die Identifizierung bzw. Verifizierung der Verbreitungs-Ökologie der ESBL-Resistenz tragenden Bakterien mit Hilfe von Analysen und Vergleichen der Gesamt-Genom-Information der Erreger.

Extended-Spectrum-Betalaktamasen, kurz ESBL, sind bakterielle Enzyme, die ein großes Spektrum von klinisch bedeutsamen Antibiotika inaktivieren können. Das Vorhandensein solcher Enzyme führt meistens zu einer Multiresistenz gegenüber zahlreichen Antibiotika, was eine angemessene Therapie erschwert. Da die Gene für diese Enzyme zumeist auf mobilen genetischen Elementen – sogenannten Plasmiden – liegen, können diese Resistenzen leicht von einem Bakterium auf eine anderes übertragen werden. Daher werden innerhalb des Projekts auch die hierfür verantwortlichen Plasmide untersucht.

Zudem erfolgt die Überprüfung des Zusammenhanges zwischen Genom und ESBL-tragenden mobilen Elementen. Die Wissenschaftler wollen den genetischen Hintergrund der molekularen Mechanismen, welche die Übertragung dieser Resistenzen ermöglichen, identifizieren und erforschen. Die Analyse all dieser Daten soll letztendlich dazu führen, genetische Ziele für Impfstoffentwicklungen gegen diese multiresistenten Bakterien zu ermitteln.

Das Institut für Medizinische Mikrobiologie der JLU ist außerdem – gemeinsam mit Partnern in Marburg und Langen – seit 2011 einer von sieben Partnerstandorten des Deutschen Zentrums für Infektionsforschung (DZIF). Der Partnerstandort Gießen/Marburg/Langen wird ebenfalls von Prof. Chakraborty koordiniert.

Das Netzwerk RESET

Das Netzwerk RESET besteht aus zehn Verbundpartnern und fünf assoziierten Partnern aus Human- und Veterinärmedizin sowie Epidemiologie. Die Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover koordiniert den Verbund. Weitere Partner sind das Bundesinstitut für Risikobewertung, Freie Universität Berlin, Charité – Universitätsmedizin Berlin, Institut für Nutztiergenetik des Friedrich-Loeffler-Instituts, Robert-Koch-Institut, Universität Paderborn, das Universitätsklinikum Gießen und Marburg, Veterinärmedizinische Fakultät der Universität Leipzig, Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit, Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sowie Fachhochschule Südwestfalen. Von Gießener Seite ist zudem Prof. Dr. Gerd Hamscher, Institut für Lebensmittelchemie und Lebensmittelbiotechnologie, an dem Netzwerk beteiligt. Zu den assoziierten Partnern in RESET I gehörten auch die Gießener Veterinärmediziner Prof. Dr. Rolf Bauerfeind und Prof. Dr. Dr. habil. Georg Baljer vom Institut für Hygiene und Infektionskrankheiten der Tiere.

Kontakt:
Prof. Dr. Trinad Chakraborty / Dr. Can Imirzalioglu
Institut für Medizinische Mikrobiologie der Justus-Liebig-Universität Gießen
Schubertstraße 81, 35392 Gießen
Telefon: 0641 99-41251/81
Fax: 0641 99-41259

Lisa Dittrich | idw
Weitere Informationen:
http://www.reset-verbund.de/
http://www.uni-giessen.de/cms/fbz/fb11/institute/klinik/mikrobiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Mikro-U-Boote für den Magen
24.01.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

nachricht Echoortung - Lernen, den Raum zu hören
24.01.2017 | Ludwig-Maximilians-Universität München

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Scientists spin artificial silk from whey protein

X-ray study throws light on key process for production

A Swedish-German team of researchers has cleared up a key process for the artificial production of silk. With the help of the intense X-rays from DESY's...

Im Focus: Forscher spinnen künstliche Seide aus Kuhmolke

Ein schwedisch-deutsches Forscherteam hat bei DESY einen zentralen Prozess für die künstliche Produktion von Seide entschlüsselt. Mit Hilfe von intensivem Röntgenlicht konnten die Wissenschaftler beobachten, wie sich kleine Proteinstückchen – sogenannte Fibrillen – zu einem Faden verhaken. Dabei zeigte sich, dass die längsten Proteinfibrillen überraschenderweise als Ausgangsmaterial schlechter geeignet sind als Proteinfibrillen minderer Qualität. Das Team um Dr. Christofer Lendel und Dr. Fredrik Lundell von der Königlich-Technischen Hochschule (KTH) Stockholm stellt seine Ergebnisse in den „Proceedings“ der US-Akademie der Wissenschaften vor.

Seide ist ein begehrtes Material mit vielen erstaunlichen Eigenschaften: Sie ist ultraleicht, belastbarer als manches Metall und kann extrem elastisch sein....

Im Focus: Erstmalig quantenoptischer Sensor im Weltraum getestet – mit einem Lasersystem aus Berlin

An Bord einer Höhenforschungsrakete wurde erstmals im Weltraum eine Wolke ultrakalter Atome erzeugt. Damit gelang der MAIUS-Mission der Nachweis, dass quantenoptische Sensoren auch in rauen Umgebungen wie dem Weltraum eingesetzt werden können – eine Voraussetzung, um fundamentale Fragen der Wissenschaft beantworten zu können und ein Innovationstreiber für alltägliche Anwendungen.

Gemäß dem Einstein’schen Äquivalenzprinzip werden alle Körper, unabhängig von ihren sonstigen Eigenschaften, gleich stark durch die Gravitationskraft...

Im Focus: Quantum optical sensor for the first time tested in space – with a laser system from Berlin

For the first time ever, a cloud of ultra-cold atoms has been successfully created in space on board of a sounding rocket. The MAIUS mission demonstrates that quantum optical sensors can be operated even in harsh environments like space – a prerequi-site for finding answers to the most challenging questions of fundamental physics and an important innovation driver for everyday applications.

According to Albert Einstein's Equivalence Principle, all bodies are accelerated at the same rate by the Earth's gravity, regardless of their properties. This...

Im Focus: Mikrobe des Jahres 2017: Halobacterium salinarum - einzellige Urform des Sehens

Am 24. Januar 1917 stach Heinrich Klebahn mit einer Nadel in den verfärbten Belag eines gesalzenen Seefischs, übertrug ihn auf festen Nährboden – und entdeckte einige Wochen später rote Kolonien eines "Salzbakteriums". Heute heißt es Halobacterium salinarum und ist genau 100 Jahre später Mikrobe des Jahres 2017, gekürt von der Vereinigung für Allgemeine und Angewandte Mikrobiologie (VAAM). Halobacterium salinarum zählt zu den Archaeen, dem Reich von Mikroben, die zwar Bakterien ähneln, aber tatsächlich enger verwandt mit Pflanzen und Tieren sind.

Rot und salzig
Archaeen sind häufig an außergewöhnliche Lebensräume angepasst, beispielsweise heiße Quellen, extrem saure Gewässer oder – wie H. salinarum – an...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neuer Algorithmus in der Künstlichen Intelligenz

24.01.2017 | Veranstaltungen

Gehirn und Immunsystem beim Schlaganfall – Neueste Erkenntnisse zur Interaktion zweier Supersysteme

24.01.2017 | Veranstaltungen

Hybride Eisschutzsysteme – Lösungen für eine sichere und nachhaltige Luftfahrt

23.01.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Im Interview mit Harald Holzer, Geschäftsführer der vitaliberty GmbH

24.01.2017 | Unternehmensmeldung

MAIUS-1 – erste Experimente mit ultrakalten Atomen im All

24.01.2017 | Physik Astronomie

European XFEL: Forscher können erste Vorschläge für Experimente einreichen

24.01.2017 | Physik Astronomie