Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mütterliche Antikörper behindern Impfschutz bei jungen Katzen

22.05.2012
Katzenseuche (Feline Panleukopenie) ist eine schwere virusbedingte Katzenkrankheit, die tödlich verlaufen kann. Deshalb sollen Kätzchen routinemäßig im Alter von acht Wochen dagegen geimpft werden.

Wiederholte Berichte von Katzenzüchtern über Ausbrüche in geimpften Beständen stellten die Wirksamkeit der Impfung in Frage. Um dies zu überprüfen, initiierte das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) eine Feldstudie.

Über die Ergebnisse berichtete BMC Veterinary Research online am 21.05.2012: Von der Mutter übertragene Antikörper behindern schon in geringen Konzentrationen die Entwicklung eigener Antikörper – und damit eine aktive Immunisierung. Änderungen in der Impfstrategie sind notwendig.

Seit 2007 erhielt das PEI mehrfach Meldungen zu Katzenseuche-Ausbrüchen in geimpften Zuchten. Das PEI bewertete diese als Verdachtsfälle auf mangelhafte Wirksamkeit. Dr. Klaus Cußler, Referatsleiter „Sicherheit veterinärmedizinische Mittel, Tierschutz“, regte eine so genannte Feldstudie an, um die Entwicklung der serologischen Immunantwort während der Grundimmunisierung zu untersuchen. Leiterin der Studie war Verena Jakel, Wissenschaftlerin der Abteilung Veterinärmedizin des PEI.

Für die Studie wurden 64 Kätzchen aus 16 Würfen jeweils im Alter von acht, zwölf und 16 Wochen mit drei marktüblichen Impfstoffen gegen Katzenseuche geimpft. Dieses Schema entspricht den Impfempfehlungen der Ständigen Impfkommission für Tiere (StIKo Vet.). Vor jeder der drei Impfungen und abschließend nach 20 Wochen wurden Blutproben entnommen und auf Antikörper gegen den Erreger der Katzenseuche, das Feline Panleukopenie Virus aus der Gattung der Parvoviren, untersucht. Die Testergebnisse zeigten in bestimmten Fällen Mängel in der Wirksamkeit der Impfung bei der bisher empfohlenen frühen Anwendung. Trotz einer dreifachen Impfung entwickelte gut ein Drittel der Tiere (36,7 Prozent) keinen nachweisbaren Immunschutz. Bei den meisten Kätzchen konnten maternale Antikörper (MAK) nachgewiesen werden, was erklärt, weshalb nach der Impfung kein ausreichender Immunschutz aufgebaut wurde. MAK neutralisieren das Impfantigen, bevor das Immunsystem des Kätzchens damit in Kontakt kommt.

Die bisherige Lehrmeinung, dass MAK in der Regel mit zwölf Wochen aus dem Blut der Kätzchen verschwunden sind, wurde damit in Frage gestellt. Die meisten Katzen wiesen auch im Alter von zwölf, manche sogar noch mit 20 Wochen einen signifikanten MAK-Spiegel auf. Der überwiegende Anteil dieser Tiere zeigte nach der Impfung keine Serokonversion. Die Serokonversion, d.h. die Ausbildung oder der Anstieg des Antikörpertiters gegen das Katzenseuchevirus, gilt als Maß für eine erfolgreiche Impfung und somit als Marker für einen ausreichenden Schutz.

Auch zeigte sich, dass bereits deutlich niedrigere Titer als bisher angenommen die Entwicklung einer ausreichenden Immunantwort verhinderten. Niedrige MAK-Titer bieten keinen Schutz vor der Katzenseuche, verhindern aber die Ausbildung eines aktiven Impfschutzes. "Wir halten nun weitere Studien für notwendig, da sich die drei untersuchten Impfstoffe in ihrer Fähigkeit, trotz MAK eine Immunantwort zu induzieren, deutlich unterschieden", so die Studienleiterin Verena Jakel. "Die Kombination unserer Expertise im Bereich der Zulassung von Veterinärimpfstoffen und Pharmakovigilanz mit eigenen experimentellen Arbeiten versetzen uns in die Lage, die Effektivität der Impfung in der allgemeinen Anwendung zu untersuchen", sagt Professor Klaus Cichutek, Präsident des PEI. „Ergebnisse dieser unabhängigen Feldstudie zur Wirksamkeit der Katzenseuche-Impfung zeigen, wie wichtig regulatorische Forschung für die Praxis ist“, so Cichutek weiter.

Züchter und Besitzer von jungen Katzen sollten aufgrund der Studiendaten mit ihrem Tierarzt frühzeitig die passende Impfstrategie besprechen. Entscheidend für den besten Impfzeitpunkt sind die Lebensumstände, unter denen die Kätzchen groß werden sowie die Impfhistorie des Muttertieres. Deren Antikörpertiter gibt einen guten Hinweis auf den frühesten Impfzeitpunkt der Kätzchen. Je höher der Antikörpertiter der Mutter, desto später sollte der Nachwuchs erstmalig geimpft werden. Idealerweise erfolgt die erste Impfung erst, wenn keine MAK mehr nachweisbar oder zu erwarten sind. Allerdings sollten Kätzchen, bei denen die Lebensumstände die Wahrscheinlichkeit einer Infektion begünstigen (Freigängerkatzen, Mehrkatzenhaushalte, Tierheimkatzen) früher und häufiger geimpft werden als Tiere mit geringem Infektionsrisiko.

Bei Kätzchen, bei denen nicht bekannt ist, ob sie MAK besitzen oder nicht, z.B. bei Fundtieren, sollte eine erste Impfung unmittelbar erfolgen. Anhand einer doppelten Serumprobe kann der Erfolg dieser Impfung und somit die Notwendigkeit und der Zeitpunkt von Wiederholungsimpfungen festgestellt werden. In der Studie blieb bei vielen Kätzchen bereits bei einem MAK-Titer von 1:10 die Serokonversion aus. Da bei solchen Katzen trotz Impfung von einem fehlenden Schutz ausgegangen werden muss, müssen sie erneut geimpft werden.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass über die serologische Kontrolle des Impferfolgs die Tiere identifiziert werden können, die keine ausreichende Immunantwort aufgebaut haben. Dies würde dazu beitragen nur so viel zu impfen, wie notwendig ist. Dr. Karin Duchow, Leiterin des Fachgebietes „Virusimpfstoffe II“ der Abteilung Veterinärmedizin des PEI und Mitglied der StIKo Vet.: „Die Impfkommission sollte auf der Basis dieser Daten entscheiden, ob und unter welchen Bedingungen die Bestimmung des Antikörpertiters zur Optimierung des Impfzeitpunktes, entweder beim Muttertier oder bei den Katzenwelpen, allgemein zu empfehlen ist.“

Hintergrund
Der Erreger der Katzenseuche, das Feline Panleukopenie Virus, gehört zur Gattung der Parvoviren und ist endemisch in vielen Katzenpopulationen zu finden. Das Virus konnte als Todesursache bei einem Viertel aller pathologisch untersuchten jungen Katzen nachgewiesen werden (1). Bei neugeborenen Kätzchen sterben mehr als 90 Prozent aller infizierten Tiere. Am häufigsten wird die Erkrankung bei Kätzchen im Alter von zwei bis fünf Monaten diagnostiziert. Ältere Tiere zeigen dagegen häufig nur subklinische oder milde Symptome. Die Kätzchen erhalten maternale Antikörper über die Vormilch (Kolostrum). Die Menge der MAK hängt vom Immunstatus der Mutter, der Qualität des Kolostrums und der Dauer des Säugens ab.

(1) Cave TA, Thompson H, Reid SW, Hodgson DR, Addie DD. Kitten mortality in the United Kingdom: a retrospective analysis of 274 histopathological examinations (1986 to 2000). Vet Rec 2002;151(17):497-501

Originalpublikation
V. Jakel, K. Cussler, K.-M. Hanschmann, U. Truyen, M. König, E. Kamphuis, K. Duchow: Vaccination against Feline Panleukopenia: Implications from a field study in kittens. BMC Veterinary Research 2012, 8:62 [online; open access]

Dr. Susanne Stöcker | idw
Weitere Informationen:
http://www.biomedcentral.com/1746-6148/8/62

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einblick ins geschlossene Enzym
26.06.2017 | Universität Konstanz

nachricht 'Fix Me Another Marguerite!'
23.06.2017 | Universität Regensburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie