Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Münchener Forscher identifizieren seltene Parasiten bei Tibet-Urlauberin

22.08.2012
Eine Tibettouristin klagte nach ihrer Rückkehr aus dem asiatischen Land über starke Schmerzen und Schwellungen im Oberkörper, die sich später auf weitere Körperteile ausdehnten.

Nach mehreren Monaten Leidenszeit konnte aus einer Hautschwellung eine weiße Made auf Druck entfernt werden.Weil Verdacht auf eine Infektion durch eine parasitische Fliegenlarve bestand, schickte ihre Ärztin das Tier zur weiteren Identifikation an die Zoologische Staatssammlung München.


Die Yak-Dasselfliege Hypoderma sinense
Foto: ZSM

Dieter Doczkal, Spezialist für Fliegen an der ZSM, konnten die Larve mittels genetischer Methoden als Larve der Yak-Dasselfliege Hypoderma sinense identifizieren. Diese Fliege ist ein Parasit von Yaks, tibetischen Hochlandrindern, und befällt in sehr seltenen Fällen auch Menschen. Der Patientin ging es nach Entfernung der Larve wieder gut.

Weltweit gibt es fast 100 Arten von Dasselfliegen. Die betreffende Art gehört zu den Haut-Dasselfliegen (wissenschaftlich: Familie Hypodermatidae). Die Larven dieser Dasselfliegen entwickeln sich im Körper von Huftieren, vor allem bei Pferden, Rindern oder Schafen. Die Dasselfliege legt ihre Eier an den Haaren des Wirtes ab, die Larve frisst sich im Bindegewebe des Opfers bis zum Rücken durch. Nach etwa einem halben Jahr verlässt die Larve den Wirt und verpuppt sich im Boden. Später schlüpft die fertige Fliege, die sich dann ihrerseits wieder einen neuen Wirt sucht. In Deutschland gibt es fünf Arten der Haut-Dasselfliegen, darunter die Kleine und die Große Rinderdasselfliege. Diese befallen Menschen nur äußerst selten.

Der Fliegenspezialist Dieter Doczkal von der ZSM konnte die Larve mittels einer internationalen genetischen Datenbank identifizieren, welche unter Federführung des kanadischen Forschers Paul Hebert aufgebaut wird. Die Münchener Forscher sind im Rahmen des Verbundprojektes „Barcoding Fauna Bavarica“ daran beteiligt. Ziel des Projektes ist es, eine Datenbank mit Gensequenzen aller Tierarten weltweit aufzubauen. Damit können unbekannte Tierarten oder Teile davon auf einfache Weise identifiziert werden.

„Junge Dasselfliegenlarven konnten wir mit herkömmlichen Methoden bisher überhaupt nicht bestimmen“, sagt Dieter Doczkal. Im vorliegenden Fall entnahm er aus der eingeschickten Fliegenlarve eine Gewebeprobe, ermittelte daraus die entsprechende Gensequenz und glich diese mit der weltweiten Datenbank des Barcoding-Projektes ab. Die Online-Datenbank zeigte eine fast 100prozentige Übereinstimmung mit der oben genannten Dasselfliegen-Art an, was als sichere Identifikation gilt. „Wir hatten Glück, dass amerikanische Kollegen diese Fliege bereits in die Datenbank eingefügt haben“ sagt Doczkal. Somit konnte er der Ärztin eine sichere Auskunft geben und gleichzeitig weitere Informationen zu diesem Parasiten recherchieren. In diesem Fall handelt es sich um den zweiten dokumentierten Befall eines Menschen durch eine Yak-Dasselfliege überhaupt.

„Dieses schnelle und reibungslose Zusammenspiel zwischen zoologischer Grundlagenforschung und medizinischer Praxis ist beispiellos und zeigt, welch großen Nutzen das genetische Barcoding bereits jetzt bietet“ meint Axel Hausmann, ebenfalls Insektenforscher und Projektkoordinator an der Zoologischen Staatssammlung München.

Kontakt: Zoologische Staatssammlung München, Münchhausenstr. 21, 81247 München.

Jerome Moriniere (Koordinator, Presse)
moriniere@zsm.mwn.de – 089-8107-121

Dieter Doczkal (Diptera)
doczkal@zsm.mwn.de – 089-8107-146

Dr. Christian Schmid-Egger
christian@bembix.de - 0173-6714387

Barcoding Fauna Bavarica http://www.faunabavarica.de/

Dr. Eva-Maria Natzer | idw
Weitere Informationen:
http://www.snsb.de/
http://www.zsm.mwn.de/
http://www.faunabavarica.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark
25.07.2017 | Rudolf-Virchow-Zentrum für Experimentelle Biomedizin der Universität Würzburg

nachricht Welcher Scotch ist es?
25.07.2017 | Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Im Focus: 3-D scanning with water

3-D shape acquisition using water displacement as the shape sensor for the reconstruction of complex objects

A global team of computer scientists and engineers have developed an innovative technique that more completely reconstructs challenging 3D objects. An ancient...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

Gipfeltreffen der String-Mathematik: Internationale Konferenz StringMath 2017

24.07.2017 | Veranstaltungen

Von atmosphärischen Teilchen bis hin zu Polymeren aus nachwachsenden Rohstoffen

24.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

IT-Experten entdecken Chancen für den Channel-Markt

25.07.2017 | Unternehmensmeldung

Erst hot dann Schrott! – Elektronik-Überhitzung effektiv vorbeugen

25.07.2017 | Seminare Workshops

Dichtes Gefäßnetz reguliert Bildung von Thrombozyten im Knochenmark

25.07.2017 | Biowissenschaften Chemie