Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MPI für molekulare Genetik ist deutscher Partner des 1000 Genome-Projekts

24.10.2008
Bundesministerium für Bildung und Forschung fördert Beteiligung der Berliner Wissenschaftler mit insgesamt 4,9 Millionen Euro

99% der Gene sind bei allen Menschen identisch. Nur 1% des gesamten Erbmaterials variiert zwischen verschiedenen Personen. Wissenschaftler interessieren sich jedoch vor allem für die Unterschiede, da diese nach unserem bisherigen Wissen für die individuelle Empfänglichkeit gegenüber Krankheiten, Medikamenten und Umwelteinflüssen verantwortlich sind.

Die Erstellung einer genauen Karte solcher Unterschiede im Erbmaterial verschiedener Individuen ist Ziel des internationalen 1000 Genome-Projekts, das im Januar 2008 gestartet wurde. Im August dieses Jahres wurde das Max-Planck-Institut für molekulare Genetik aus Berlin als neunter und bisher letzter Partner in das internationale Konsortium aufgenommen. Heute konnte die Datenproduktion der Pilotphase des Projektes erfolgreich abgeschlossen werden.

Ermöglicht wurde dies durch Unterstützung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, welches die Beteiligung der Berliner Forscher an dem internationalen Großprojekt im Rahmen des Programms "Integrierte Verbünde der medizinischen Genomforschung NGFN-Plus" mit insgesamt 4,9 Millionen Euro fördert.

Knapp dreizehn Jahre dauerte die Entschlüsselung des Humangenoms. Über 1.000 Forscher aus 40 Ländern waren daran beteiligt, etwa drei Milliarden Basenpaare wurden im Rahmen des Projekts entziffert. Seit Abschluss des Humangenomprojektes im Jahre 2003 hat die Sequenziertechnologie jedoch große Fortschritte gemacht. Inzwischen sind neue Technologien verfügbar, die es erlauben, in kurzer Zeit und zu einem Bruchteil der früheren Kosten das Erbmaterial einzelner Individuen detailliert zu charakterisieren.

Dies ermöglicht die Konzeption und Durchführung von Projekten, die noch vor zwei Jahren unvorstellbar waren. So gründetet sich im Januar 2008 ein internationales Forschungskonsortium von zunächst fünf Partnern, um eine Karte der genetischen Variation des Menschen in bisher nicht erreichter Qualität zu erstellen. Nach der Aufnahme dreier weiterer Partner im Juni ist im August diesen Jahres das Max-Planck-Institut für molekulare Genetik aus Berlin als neunter und bisher letzter Partner in das internationale Konsortium aufgenommen worden.

"Für die deutsche Forschungslandschaft ist es essentiell, sich an internationalen Schlüsselprojekten wie diesem zu beteiligen", betont Professor Hans Lehrach, Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Genetik und Leiter des deutschen Forschungsteams des 1000 Genome-Projekts. "Dadurch gelingt es uns, die Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Gebiet der krankheitsorientierten Genomforschung zu stärken und in einem Bereich, der sicher enorme Bedeutung für die Medizin der Zukunft haben wird, international an der Spitze zu bleiben."

Ziel des 1000 Genome-Projekts ist es, sämtliche Varianten von Genen in einem Katalog zu erfassen, die mit einer Häufigkeit von mind. 1% im Erbgut der gesamten Menschheit vorkommen. Dafür wollen die Wissenschaftler das Erbgut von mindestens 1000 einzelnen Personen analysieren. Die entsprechenden Proben wurden bei den unterschiedlichsten Volksgruppen gesammelt, unter anderem bei Menschen nord- und westeuropäischer Herkunft in den USA, den Yoruba aus Nigeria, den Massai aus Kenia, bei Japanern aus Tokyo, Chinesen aus Peking und Italienern aus der Toskana. Die Forscher gehen davon aus, dass Kenntnisse über die natürliche Genvariation beim Menschen ihnen in künftigen Projekten mehr über die Rolle der einzelnen Variationen bei der Entstehung von Krankheiten wie Krebs, Diabetes oder Störungen des Herz-Kreislaufsystems verraten.

Der Zeitplan der Wissenschaftler ist ehrgeizig. In nur drei Jahren hoffen sie, ihr Projekt abschließen zu können. In den ersten zehn Monaten des Projektes, der sogenannten Pilotphase, ist untersucht worden, wie oft jedes einzelne Gen sequenziert werden muss - Forscher sprechen von Sequenziertiefe - , um das Auffinden von seltenen Varianten sicher zu stellen. Insgesamt 75 Milliarden Basen mussten die Wissenschaftler um Hans Lehrach in dieser Phase sequenzieren, um für die weitere Teilnahme an dem Projekt zugelassen zu werden. Eine besondere Herausforderung für die Berliner Forscher, die erst im August in das 1000 Genome-Konsortium aufgenommen worden waren und daher nur zwei Monate für die Bewältigung dieser Aufgabe zur Verfügung hatten. Heute konnten sie stolz bekannt geben, dass die erforderliche Anzahl an Proben untersucht und die Ergebnisse fristgerecht in die Datenbank des 1000 Genome-Konsortiums eingespeist worden sind. Bis Ende 2010 schließt sich jetzt die sogenannte Produktionsphase des Projektes an. Etwa 700 Milliarden Basen sollen allein im MPI für molekulare Genetik sequenziert werden - im Gesamtprojekt werden es etwa 20.000 Milliarden Basen. Die Ergebnisse werden in öffentliche Datenbanken eingereicht und stehen so der wissenschaftlichen Fachwelt zur Verfügung.

Kontakt (Pressestelle):

Dr. Patricia Marquardt
Max-Planck-Institut für molekulare Genetik
Ihnestr. 63-73
14195 Berlin
Tel.: +49 30 8413-1716
Fax: +49 30 8413-1671
Email: patricia.marquardt@molgen.mpg.de

Dr. Patricia Marquardt | idw
Weitere Informationen:
http://www.1000genomes.org
http://www.molgen.mpg.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns
24.04.2018 | Forschungszentrum Jülich

nachricht Nano-Ampel zeigt Risiko an
24.04.2018 | Universität Duisburg-Essen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: BAM@Hannover Messe: Innovatives 3D-Druckverfahren für die Raumfahrt

Auf der Hannover Messe 2018 präsentiert die Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM), wie Astronauten in Zukunft Werkzeug oder Ersatzteile per 3D-Druck in der Schwerelosigkeit selbst herstellen können. So können Gewicht und damit auch Transportkosten für Weltraummissionen deutlich reduziert werden. Besucherinnen und Besucher können das innovative additive Fertigungsverfahren auf der Messe live erleben.

Pulverbasierte additive Fertigung unter Schwerelosigkeit heißt das Projekt, bei dem ein Bauteil durch Aufbringen von Pulverschichten und selektivem...

Im Focus: BAM@Hannover Messe: innovative 3D printing method for space flight

At the Hannover Messe 2018, the Bundesanstalt für Materialforschung und-prüfung (BAM) will show how, in the future, astronauts could produce their own tools or spare parts in zero gravity using 3D printing. This will reduce, weight and transport costs for space missions. Visitors can experience the innovative additive manufacturing process live at the fair.

Powder-based additive manufacturing in zero gravity is the name of the project in which a component is produced by applying metallic powder layers and then...

Im Focus: IWS-Ingenieure formen moderne Alu-Bauteile für zukünftige Flugzeuge

Mit Unterdruck zum Leichtbau-Flugzeug

Ingenieure des Fraunhofer-Instituts für Werkstoff- und Strahltechnik (IWS) in Dresden haben in Kooperation mit Industriepartnern ein innovatives Verfahren...

Im Focus: Moleküle brillant beleuchtet

Physiker des Labors für Attosekundenphysik, der Ludwig-Maximilians-Universität und des Max-Planck-Instituts für Quantenoptik haben eine leistungsstarke Lichtquelle entwickelt, die ultrakurze Pulse über einen Großteil des mittleren Infrarot-Wellenlängenbereichs generiert. Die Wissenschaftler versprechen sich von dieser Technologie eine Vielzahl von Anwendungen, unter anderem im Bereich der Krebsfrüherkennung.

Moleküle sind die Grundelemente des Lebens. Auch wir Menschen bestehen aus ihnen. Sie steuern unseren Biorhythmus, zeigen aber auch an, wenn dieser erkrankt...

Im Focus: Molecules Brilliantly Illuminated

Physicists at the Laboratory for Attosecond Physics, which is jointly run by Ludwig-Maximilians-Universität and the Max Planck Institute of Quantum Optics, have developed a high-power laser system that generates ultrashort pulses of light covering a large share of the mid-infrared spectrum. The researchers envisage a wide range of applications for the technology – in the early diagnosis of cancer, for instance.

Molecules are the building blocks of life. Like all other organisms, we are made of them. They control our biorhythm, and they can also reflect our state of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

infernum-Tag 2018: Digitalisierung und Nachhaltigkeit

24.04.2018 | Veranstaltungen

Fraunhofer eröffnet Community zur Entwicklung von Anwendungen und Technologien für die Industrie 4.0

23.04.2018 | Veranstaltungen

Mars Sample Return – Wann kommen die ersten Gesteinsproben vom Roten Planeten?

23.04.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Von der Genexpression zur Mikrostruktur des Gehirns

24.04.2018 | Biowissenschaften Chemie

Bestrahlungserfolg bei Hirntumoren lässt sich mit kombinierter PET/MRT vorhersagen

24.04.2018 | Medizintechnik

RWI/ISL-Containerumschlag-Index auf hohem Niveau deutlich rückläufig

24.04.2018 | Wirtschaft Finanzen

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics